Schule : Rückkehr des Vorreiters

Mit futuristischem Design wird Hondas wichtigstes Modell, der Civic, wieder unverwechselbar

Ingo von Dahlern

Was der Golf für Volkswagen ist, bedeutet der Civic für Honda. Er ist das wichtigste Modell im Programm des japanischen Autoherstellers. Seit 1963 hat Honda rund 50 Millionen Autos gebaut. Rund ein Drittel davon trägt den Namen Civic. Da wiegt es schon schwer, wenn bei einem so wichtigen Modell die Verkaufszahlen sinken, weil es von den Käufern nicht so angenommen wird wie erwartet. Genau das aber passierte der siebten Generation des Honda Civic in Europa, wo sie 2001 Premiere feierte. Insbesondere auf dem deutschen Markt, wo der Civic über Jahrzehnte Bestseller war – allein in den letzten 25 Jahren wurden hier mehr als 530000 Civic verkauft – und viele Modelle als wahre Hingucker galten, lahmte der Absatz der siebten Generation.

Offensichtlich war er zu blass geraten, weckte mit seiner alles andere als aufregenden Linie keinerlei Emotionen. Das änderte sich auch dann nicht allzu sehr, als Honda – der neben Toyota heute einzige noch unabhängige japanische Autohersteller – ihm vor zwei Jahren ein Facelift verpasste. Der Civic blieb trotz der exzellenten Technik unterm Blech eine graue Maus.

Das soll sich mit der achten Generation, die als Studie bereits im Frühjahr in Genf Furore machte und auf der IAA im September in Frankfurt am Main Premiere haben wird, schon bald ändern. Mit einer geradezu futuristischen Optik gehört der neue Civic zu den Autos, die man einfach nicht übersehen kann.

Schon die Front mit dem schmalen horizontalen Plexiglasstreifen, unter dem die breiten Scheinwerfer ebenso Platz finden wie das Markenlogo, ist ungewöhnlich. Die Heckleuchten zitieren mit einem ähnlichen Band über die gesamte Fahrzeugbreite das Frontdesign. Hinzu kommt hinten ein die Heckscheibe teilender großer gläserner Spoiler mit integrierter dritter Bremsleuchte. Die Silhouette zeigt eine ausgeprägte Keilform und sowohl die im Fensterrahmen der hinteren Türen versteckten Türgriffe als auch die dreieckigen Auspuffendrohre setzen besondere Akzente.

Die setzt Honda auch im Innenraum des neuen Civic. Aluminium-Applikationen und eine Aluminium-Optik beim griffigen Dreispeichen-Multifunktionslenkrad, der Mittelkonsole, den Türen und den Pedalen unterstreichen den sportlichen Auftritt. Das Cockpit schlägt einen Bogen um den Fahrer und setzt beim zweigeteilten Instrumentenbrett konsequent auf farbige digitale Anzeigen. Oben liegen der digitale Tacho, das Display der Navigation und das Radio-Display, den größeren unteren Teil beherrscht ein großer digitaler Drehzahlmesser.

Überraschender noch als die dynamische und sportliche Optik des neuen Civic ist sein Innenraumkonzept. Er ist zwar ein wenig breiter, aber auch kürzer und flacher geworden. Trotzdem bietet der Civic mehr Platz als zuvor. Das gilt für die Passagiere ebenso wie für das Gepäck. Allein der Kofferraum hat 90 Liter zugelegt, fasst nun konkurrenzlose 456 Liter. Die kann man auch nutzen, denn die Zuladung liegt je nach Modell zwischen 450 und 550 Kilo.

Geradezu verblüffend ist allerdings die Innenraumvariabilität. Die Sitzfläche der Rückbank kann man wie bei einem Kinosessel nach oben klappen. So lassen sich zwischen den vorderen und hinteren Rückbanklehnen so unhandliche Dinge wie Topfpflanzen oder ein Mountainbike verstauen. Man kann die Rückbank aber auch komplett im Fahrzeugboden versenken – und den Civic so zum sportlichen Kombi machen. Für all das braucht man nur minimale Kraft, dank einer ausgeklügelten Mechanik genügen wenige Handgriffe. Unterm Laderaumboden gibt es ein zusätzliches Staufach. Wer hohe Gegenstände laden möchte, kann den Boden versenken.

Die Motoren werden durch einen großen roten Startknopf links vom Lenkrad zum Leben erweckt. Honda setzt auf drei für den Civic neue Aggregate – zwei Benziner und einen Turbodiesel. 61 kW (83 PS) leistet der 1.4i-DSI als Basismotor. Er erlaubt in 14,2 Sekunden Tempo 100 und maximal 171 km/h. Sein Verbrauch wird mit 6,1l/100 km angegeben. Sportlich flott wird der Civic mit dem 1.8i-VTEC mit variabler Ventilsteuerung. Er leistet 103 kW (140 PS), sprintet in 8,6 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht maximal 207 km/h. Mit 6,4l/100 km ist er nur wenig durstiger.

Sparsamster Motor mit 5,1l/100 km ist der bereits in anderen Modellen eingesetzte 2,2i-CTDi mit ebenfalls 103 kW (140 PS), der mit 8,4 Sekunden für den Spurt und maximal 204 km/h dem flotten Benziner absolut ebenbürtig ist.

Im Laufe des nächsten Jahres wird Honda den Turbodiesel auch mit einem Partikelfilter ausstatten. Alle drei Motoren sind mit einem neuen Sechsgang-Schaltgetriebe kombiniert. Das wird Honda erstmals auch in einer automatisierten Variante anbieten.

So gibt sich der neue Civic mit seinen beiden größeren Motoren und 17-Zoll-Rädern nicht nur optisch betont sportlich. Das bewährte Fahrwerk mit McPherson-Vorderachse, elektrischer Servolenkung und Verbundlenker-Hinterachse erlaubt auch eine durchaus sportliche Gangart.

Hohen Aufwand treibt Honda schließlich bei der Sicherheit. So haben alle Civic ein ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung und einen Bremsassistenten sowie die Fahrdynamikregelung VSA. Front-, Kopf- und Seitenairbags schützen die Passagiere bei einem Crash. Neu konstruierte Sitze und neu entwickelte aktive Kopfstützen sollen das Verletzungsrisiko weiter reduzieren. Eine Anzeige im Display zeigt dem Fahrer, ob auch die Fondpassagiere angeschnallt sind.

Wer den neuen Civic nicht nur ansehen, sondern auch fahren möchte, muss sich allerdings noch ein wenig gedulden. Auf den deutschen Markt kommt er erst Anfang 2006. Und ein wenig Geduld ist auch bei den Preisen angesagt, die um die drei Prozent über denen der bisherigen Modelle liegen dürften. So kann man mit einem Einstiegspreis um die 16000 Euro rechnen.

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