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Sarrazin-Debatte : Schulexperten verlangen mehr Einsatz von Eltern

Schulexperten fordern, aus der Debatte um Ursula Sarrazin jetzt die richtigen Schlüsse zu ziehen. An der Schule der umstrittenen Lehrerin wird eine Sonderkonferenz einberufen.

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Ursula Sarrazin.
Ursula Sarrazin.Foto: Paul Zinken

„Nach vorne schauen!“ – diese Devise würde Mieke Senftleben, die FDP-Schulexpertin im Abgeordnetenhaus, gerne im Streit um das mögliche Fehlverhalten von Lehrerin Ursula Sarrazin und deren Kritik an Disziplinlosigkeit im Schulalltag ausgeben. Das öffentliche Hin- und Hergeschiebe der Vorwürfe zwischen Eltern, Schulleitung und der Frau des einstigen Berliner Finanzsenators und jetzigen Lehrerin an der Reinhold-Otto-Schule in Charlottenburg müsse endlich ein Ende haben, sagte sie am Sonntag. Damit man sich wieder „weniger aufgeregt den vordringlichen Schulproblemen“ widmen könne. So sollte man Eltern beispielsweise „durch Bildungsverträge klarmachen, dass sie mehr Verantwortung für das Lernen ihrer Kinder übernehmen müssen“.

Wie berichtet, wird Ursula Sarrazin vorgeworfen, sie habe gegenüber Kindern mit unverhältnismäßiger Härte reagiert und sich im Ton vergriffen. Kein Tag verging zuletzt ohne neue Vorwürfe, die bis ins Jahr 2001 zurückreichen, als sie noch in der Reinfelder Schule in Charlottenburg unterrichtete. Auch diese verließ sie im Unfrieden. Eltern beschuldigen die Lehrerin, Kinder bloßgestellt, massiv eingeschüchtert und unter Druck gesetzt zu haben. Einen japanisch-deutschen Jungen soll sie in „Suzuki“ umgetauft haben, etliche Schüler sollen ihretwegen die beiden Schulen verlassen haben. Selbst Erstklässler soll sie nicht auf Toilette gelassen haben, weshalb sie einnässten, was Sarrazin allerdings bestreitet. Stattdessen konterte sie mit harscher Kritik am Schulalltag – an mangelnder Konsequenz der Lehrer gegenüber schwierigen Schülern und desinteressierten Eltern.

Auch die Liberale Mieke Senftleben und SPD-Bildungsexpertin Felicitas Tesch wollen Eltern verstärkt in die Pflicht nehmen, diese dabei aber nicht von oben herab tadeln. Etliche Schulen legen zwar schon jetzt Eltern und Schülern ein Papier mit Regeln vor, dass sie unterschreiben müssen. Darin sagen diese zu, einen respektvollen Umgang zu beachten und zu fördern. Mieke Senftleben erwägt nun aber einen Vertrag, der Eltern zu mehr verpflichtet – vom Zubereiten des Schulfrühstücks bis zu Pädagogikhilfen. Senftleben: „Wir müssen ehrlich sagen, dass Schulen nicht alles leisten können.“

Die Schulen könnten aber zumindest noch „besser arbeiten, wenn sie mehr Personal hätten“, sagt Özcan Mutlu von den Grünen. Da sei der Senat gefordert. Aus Sicht aller Parteien werden allerdings an den meisten Schulen schon große Anstrengungen unternommen, um die Situation zu verbessern. „Was Frau Sarrazin thematisiert, ist nicht neu.“ Ihre Kritik sei überzogen, erzeuge falsche Bilder. „Viele Lehrer bemühen sich um Konsequenz und Leistung“, sagt Sozialdemokratin Felicitas Tesch. „Das sind nicht alles Kuschelpädagogen.“

Für Stefan Zillich von der Linken dreht sich die Debatte „zu verengt um Disziplin“. Jedes Kind lerne anders. Die wichtige Frage sei doch, „wie wir es dabei fördern können, aber zugleich darauf achten, dass es gegenseitigen Respekt und Verbindlichkeiten gibt.“

Zu den Vorwürfen gegen Sarrazin will sich kein Politiker äußern. Das müsse rasch dienstlich geklärt werden. FDP-Frau Mieke Senftleben findet, Schulsenator Jürgen Zöllner (SPD) müsse einen Mentor an die Reinhold-Otto-Schule schicken.

Wegen der aktuellen Diskussion über die Unterrichtsmethoden von Ursula Sarrazin hat deren Schule eine Sonderkonferenz einberufen. Dort sollen die Vorwürfe durch Gespräche zwischen Eltern, Lehrern und Vertretern der Schulaufsicht auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden, sagte eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Bildung am Montag der Nachrichtenagentur dapd. Wann die Konferenz stattfindet, wollte die Sprecherin nicht mitteilen. (mit dapd)

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