Schule : Schlicht gehalten und stark gemacht

BMW lobt sein neues 3er Coupé in den Himmel – wir haben uns mit einem 335i auf der Straße begnügt

Eric Metzler

Wann immer ein Popstar gefragt wird, welches seiner Alben er selbst am besten finde, folgt die Antwort in etwa diesem Muster: Schwer zu sagen, sagt der Künstler nach wohlgesetzter Pause, wir haben so viele tolle Platten gemacht. Aber die Neue, da hat einfach alles gestimmt; die Texte, die Band, doch, das ist schon was. Was Besonderes.

So ähnlich verhält es sich mit einem neuen Stück aus den Bayerischen Motorenwerken. Seit Anfang September steht vom 3er Coupé eine komplett neu entwickelte Fassung bei den Händlern. Es ist die lang erwartete Neuaufnahme eines Hits, von dem in den letzten siebzig Jahren einige „bildschöne Ausgaben produziert“ wurden, wie der Mann am Mikrofon seinen Blick zurück formuliert. Der Mann ist kein Popstar, sondern Designer bei BMW. Aber beim Blick nach vorn tut sich das nichts: „Unser neues Coupé“, sagt er nach wohlgesetzter Pause“, „ist noch eigenständiger, noch dynamischer“ als seine Vorgänger. Da stimmt einfach alles. Was Besonderes?

Beginnen wir da, wo sich für Anhänger der Gattung die Spreu vom Weizen trennt – bei der Form. Hier hat das lang gestreckte 3er Coupé eindeutig mehr zu bieten als zwei Türen weniger. Auf schroffe und spitze Zumutungen, die beim 5er und 7er manchen in die Verzweiflung trieben, haben die Zeichner hier verzichtet. Ihnen floss eine gleichsam sportlich wie elegante Erscheinung aus der Feder, von der Eigner der 3er Limousine nur träumen können. So viel Schlichtheit kostet beim Einstiegsmodell gut dreitausend Euro Aufpreis. Dass man im Innenraum dafür einen Sitz weniger bekommt, war überfällig und eine konsequente Entscheidung der Schöpfer: Das Coupé ist statt Pseudo-Fünfsitzer nun ein echter 2+2, dabei zieht sich der Mitteltunnel durch die hintere Sitzreihe und bietet zwischen den Fondpassagieren Ablagen, Lüftung und Klimaregler.

An denen nesteln die Beifahrer spätestens dann herum, wenn ihnen angesichts der Fahrleistungen im Topmodell zu heiß wird. Der Motor des 335i im extrem leichten Voll-Alu-Kurbelgehäuse hat es in sich, gleich doppelt sogar. Zwei Turbos laden den Reihensechszylinder auf. Die Kraft seiner 306 PS entfaltet der Wagen krachend schnell und souverän gleichmäßig – das maximale Drehmoment von 400 Newtonmetern wird im gesamten Band von 1300 bis 5000 Umdrehungen geboten. Wer Gas gibt, fällt bis zur 250 km/h-Spitze nirgends in ein Loch, für Tempo 100 reichen 5,5 Sekunden. Worauf man auch achtet, alles passt: Der Motor? Powert wie ein Achtzylinder. Das Fahrwerk? Perfekt dank tieferem Schwerpunkt, breiterer Spur und feiner Feder-Dämpferabstimmung. Bremsen, Lenkung? Direkter als direkt. Und dann die Sechsgangautomatik. Die schaltet binnen 100 Millisekunden so rucklos schnell, dass eingefleischte Von-Hand-Schalter ihre Vorliebe vergessen.

Ohne diese 2100 Euro teure Automatik werden für den 335i genau 43 200 Euro aufgerufen. Dafür gibt es elektronische Stabilitäts-, Brems- und Traktionshelfer inklusive genauso wie Bi-Xenon-Scheinwerfer vorne und den Gurt-Butler für die vorderen Sitze. Der unsichtbare Helfer fährt surrend über die Schulter, um sich nach Übergabe der Schnalle dezent zu verziehen. Popstars und BMW-Designer müssen hier also keine Verrenkungen machen, um ans Ziel zu kommen – die Qualitäten dieses Coupés sprechen für sich.

Wie Dekra-Experte Carsten Bräuer das Vorgängermodell als Gebrauchtwagen einschätzt, lesen Sie auf der folgenden Seite in der Rubrik „Aus zweiter Hand“.

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