Schule : Schnell ist relativ

Sind eilige Kleintransporter eine Gefahr auf unseren Straßen? Die neuen Modelle sind sicherer, als Pkw-Fahrer vermuten

Ingo von Dahlern

Fahrer von Mittelklasse-Limousinen reiben sich immer wieder überrascht die Augen. Da sind sie bei Dunkelheit mit rund 130 km/h auf der Autobahn unterwegs, und von hinten nähern sich Scheinwerfer eines offensichtlich schnelleren Fahrzeugs. Und wenn das dann vorbei zieht, erkennen sie einen der vielen Transporter, die oft recht flott unterwegs sind. Bei diesem Anblick denkt man schnell an die Schlagzeilen über „rasende Kleintransporter“, wie sie in den letzten Jahren immer häufiger zu lesen waren – leider oft negative, wenn es um Unfälle mit ihnen geht. Die Frage drängt sich also auf: Müssen Transporter denn wirklich so schnell sein? Tempo 80 sind genug, sagen viele – und als erster, spontaner Gedanke ist diese Auffassung auch verständlich. Die Gegenfrage, warum sie ausgerechnet dieses Limit vorschlagen, bringt die Strengen zurecht schnell ins Grübeln – denn „schnell fahren“ und „rasen“ sind zwei völlig verschiedene Dinge.

An einer Schule, vor der sich kurz vor Unterrichtsbeginn viele Schüler drängen, kann man bereits mit Tempo 30 ein gefährlicher Raser sein. Aber auf freier Autobahn und bei unproblematischen Witterungsbedingungen ist Tempo 140 im Transporter zwar schnell, aber alles andere als Rasen. Schließlich sind solche Transporter dafür gebaut, verschiedenste Ladung möglichst fix und sicher von einem Ort zum anderen zu bringen. Und Autobahnen sind ganz gezielt für flotte Fahrt gebaute Straßen – Schnellstraßen also. Zudem sind die Fahrer am Lenker solcher Transporter in aller Regel Profis, die meist einen vollen Arbeitstag auf „dem Bock“ sitzen, der für sie ihr Arbeitsplatz ist.

Bei den Pkw-Fahrern sieht das meist anders aus: Viele sind streng genommen nur Gelegenheitsfahrer, deren Fahrzeuge den größten Teil des Tages „Stehzeuge“ sind, die nur für wenige Stunden bewegt werden. Im Gegensatz dazu sind die vielen Transporter, die insbesondere bei Kurier-, Express- und Paketdiensten eingesetzt werden, „Fahrzeuge“ im Sinne des Wortes. Und die müssen permanent rollen und vor allem auch flott, wenn es die Verkehrslage erlaubt. Dafür sind sie auch ausgelegt. Wer daran zweifelt, sollte sich einfach einmal hinters Steuer dieser Autos setzen – Technik und Ausstattung dürfte so manchen verblüffen.

Die Zeiten nämlich, als Transporter spartanisch ausgestattete Arbeitsgeräte mit schlichter und nüchterner Atmosphäre waren, sind längst vorbei. Moderne Transporter stellen heute manchen Pkw in den Schatten. Das beginnt bei vielen Modellen schon beim Fahrersitz. Denn dessen Einstellmöglichkeiten sind oft vielseitiger als in einem normalen Pkw. Beim neuen Sprinter von Mercedes-Benz, um nur ein Beispiel zu nennen, lässt sich außerdem auch die Lenksäule in zwei Ebenen verstellen, so dass der Fahrer seinen Arbeitsplatz optimal einrichten kann. Mit einem Personenwagen beim besten Willen nicht vergleichbar ist die Sicht auf Straße und Verkehr, die man dort oben aus einem Transporter hat. Es ist schon ein gewaltiger Unterschied, ob man als Fahrer eines flachen Personenwagens in engen Baustellen rechts nur die gewaltigen Räder der Lkw sieht, oder ob man hoch überm Geschehen auf einem Transporter-Fahrersitz thront, wo alles viel weniger eng und bedrohlich aussieht. Wenn einem dann auch noch die Power moderner Transporter zur Verfügung steht, die mit ihren kräftigen Turbodieseln selbst bei den kleineren Motoren schon so richtig flott anziehen, dann stellt sich zügiges Fahren aus dieser Perspektive ganz anders dar.

Wir waren gerade in diesem Jahr bei der Vorstellung verschiedener aktueller Transportermodelle immer wieder überrascht, welche Kraft in diesen Autos steckt. Zu diesem Leistungsvermögen kommt in vielen Fällen eine Sicherheitsausstattung, die sich vor modernen Personenwagen nicht verstecken muss.

Schon seit 1995 hat zum Beispiel der Sprinter von Mercedes-Benz Scheibenbremsen rundum und ein ABS. Und seit 2003 gehört auch die Fahrdynamikregelung ESP zu seiner Serienausstattung. Die übertrifft beim neuen Sprinter als „Adaptive ESP“ mit einigen Zusatzfunktionen die Ausstattung vieler Personenwagen; hilft bei einer zu flott genommenen Autobahnausfahrt ebenso wie bei schnellen Ausweichmanövern und berücksichtigt auch Beladung und Schwerpunkt des Transporters. Kurzum – diese Fahrzeuge sind heute extrem sicher.

Ausstattungen wie Bi-Xenonlicht mit Abbiegelicht für den Sprinter machen auch flotte Nachfahrten sicherer. Und viele Details vom Automatikgetriebe über die Klimaanlage bis zum Regen- und Lichtsensor tragen zur für professionelle Fahrer so wichtigen Konditionssicherheit bei. Natürlich steckt in jedem schnell bewegten Fahrzeug ein hohes Risiko. Und das wird größer mit der größer werdenden bewegten Masse – sobald die außer Kontrolle kommt. Doch die Gefahr, dass es soweit kommt, liegt auch bei flotten Transportern weniger im hohen Tempo, als vielmehr im Laderaum. Hier wird leider immer noch viel zu viel gesündigt. Und wenn eine nicht ordentlich gesicherte Ladung – hierfür bieten moderne Transporter optimale Möglichkeiten – sich bei einem schwierigen Fahrmanöver plötzlich unkontrolliert bewegt, dann hilft auch die beste Sicherheitstechnik nichts. Deshalb genießt Ladungssicherung bei der Aus- und Weiterbildung von Transporterfahrern längst höchste Priorität.

Noch wichtiger ist das bei schweren Trucks. Hier leistet Mercedes-Benz gerade jetzt wieder einmal wichtige Pionierarbeit. Denn mit dem in Hannover erstmals gezeigten Active Brake Assist (Notbrems-Assistent) kommt nun das erste Assistenzystem auf die Straße, das bei drohender Gefahr auch ohne Zutun des Fahrers eine Notbremsung auslöst.

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