Schule : Schnell mal hübsch gemacht

Die Form stimmt. Und die Funktion als Sportwagen. Alfa bringt den rassigen Brera jetzt zu den Händlern

Ingo Dahlern

Brera – Kenner Mailands denken da sofort an das Künstlerviertel Brera der lombardischen Metropole und den 1651 als Jesuitenkonvikt erbauten Palazzo Brera, in dem seit 1776 die Mailänder Kunstakademie und die Pinacoteca Brera mit mehr als 600 Werken venezianischer und lombardischer Künstler beheimatet sind. Und wenn das neueste Modell der Mailänder Traditionsmarke Alfa Romeo, das an diesem Wochenende seine Premiere bei den deutschen Händlern feiert, den Namen Brera trägt, dann hat das einen tieferen Sinn.

Denn in Alfas Geschichte spielt das Design von Beginn an eine herausragende Rolle. Alfas sind schlicht gesagt fast durchweg schöne Autos, deren Formen begeistern. Das neue Sportcoupé Brera macht da keine Ausnahme. Die sich zum Zentrum des Grills, dem für Alfa so typischen „scudetto“ verjüngende Front, die markanten Sicken der langen Motorhaube, die Dreifach-Scheinwerfer, die betont breite Heckpartie, bei der die Rückleuchten die Frontscheinwerfer zitieren sowie die dynamische Seitenlinie mit bis zu 18 Zoll großen Rädern – das alles ist Emotion pur. Und ohne Zweifel gehört der bereits mehrfach ausgezeichnete Brera zu den Meisterentwürfen von Giorgetto Giugiaro

Wer allerdings im harten Konkurrenzkampf bestehen will, muss mehr als nur gelungene Formen bieten. Bei aller Begeisterung für Designkunst darf die Rationalität nicht zu kurz kommen. Das heißt im unerbittlichen Wettbewerb, dass Technik und Qualität auf ebenso hohem Niveau sein müssen. Schon der im vergangenen Jahr vorgestellte Alfa 159 hat gezeigt, dass der Hersteller diese Lektion inzwischen gelernt hat und auch hohen Erwartungen gerecht wird.

Das gilt gleichermaßen für den Brera, dessen technische Basis der 159 ist; allerdings mit einer Länge von nur 4,41 Meter auf einer verkürzten Plattform mit einem Radstand von 2,52 Meter. Das erlaubt einen großzügigen Innenraum für zwei Passagiere, die im Brera tiefer sitzen als in der Limousine; macht das Coupé allerdings hinten zum knapp geschnittenen 2+2-Sitzer. Damit ist er im Unterschied zum sportlichen Alfa Coupé GT mit seinen voll funktionsfähigen Sitzen im Fond nicht mehr familientauglich. Aber immerhin: Mit einem bis zu 610 Liter fassenden Laderaum lässt sich’s gut reisen.

Bereits mit dem Alfa 159 ist es gelungen, eine italienische Alternative zu den betont sportlichen Limousinen aus München und Ingolstadt auf die Räder zu stellen. Mit dem Brera geht Alfa noch einen Schritt weiter – den zum echten Sportwagen. Mit der Top-Motorisierung, dem 3,2-Liter-V6 mit 191 kW (260 PS), der in nur 6,8 Sekunden Tempo 100 und maximal 240 km/h erreicht, reiht er sich überzeugend unter die Hochleistungssportler der Konkurrenz ein. Besonders beeindruckend bei seinem direkt einspritzenden Benziner mit stufenlos verstellbaren Nockenwellen für Ein- und Auslass ist das Drehmoment: Zwischen 1800 und 6250/min sind 290 Newtonmeter verfügbar. Wann immer man aufs Gas tritt, reagiert dieser Motor spontan und kraftvoll. Und das aufwändige Fahrwerk mit allen derzeit verfügbaren elektronischen Assistenten und dem variablen permanenten Allradantrieb Q4 garantiert, dass man den Alfa Brera selbst bei flotter Gangart stets unter Kontrolle behält.

Doch auch als Fronttriebler mit dem kleineren Benziner, dem 2,2-l-Vierzylinder mit 136 kW (185) liefert der Brera beeindruckende Fahrleistungen, spurtet in nur 8,6 Sekunden auf Tempo 100 und ist bis zu 222 km/h schnell.

Das ungewöhnlichste Triebwerk für ein Sportcoupé ist allerdings der erst in einigen Monaten verfügbare Motor Nummer drei: ein hochmoderner 2,4-l-Fünfzylinder-Turbodiesel mit Common Rail und 147 kW (200 PS), der ein höchstes Drehmoment von 400 Nm liefert. Noch schweigt Alfa zu den endgültigen Leistungsdaten. Aber die 8,4 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und die maximal 224 km/h bei der Limousine lassen erwarten, dass es Alfa als erstem Hersteller gelingt, den Diesel in einem echten Sportwagen hoffähig zu machen.

Eine weitere Innovation beim Brera ist sein Dach. Denn es ist nicht nur bei der Ausstattung Sky View mit ihrem lichtdurchfluteten Interieur aus Glas, sondern auch bei den Modellen, die wie ein geschlossenes Coupé auftreten.

Mit dem Brera ist Alfa auf gutem Weg, seine im letzten Jahr in Deutschland auf 10 900 gesunkenen Zulassungen spürbar zu steigern. Denn er macht nicht nur eingeschworene Alfa-Fans, die einmal hinter seinem Steuer Platz genommen haben, schon nach kurzer Fahrt geradezu süchtig.

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