Schnelleres Abitur : Mehr Stress, kein Essen

Elternsprecher: „Die Unruhe wird wachsen“

In Berlin mehren sich die Beschwerden über die Nachteile der Verkürzung des Abiturs von 13 auf 12 Jahre. Seit etwa einem halben Jahr gebe es verstärkt Kritik, berichtet Landeselternsprecher André Schindler. Sie entzündet sich vor allem an denn fehlenden Mittagsangeboten und der zu hohen Arbeitsbelastung für die Heranwachsenden. Schindler erwartet, „dass die Unruhe noch wachsen wird“.

In Berlin wurde 2004 beschlossen, dass das Abitur schon regulär nach zwölf Jahren abgelegt werden kann. Die jetzigen Achtklässler sind davon bereits betroffen. Damit war man in guter Gesellschaft fast aller anderen Bundesländer, die unter dem Eindrucks der Pisa-Studie ebenfalls diesen Schritt gehen wollten.

„Die Entscheidung an sich war richtig, aber wie so oft in Berlin wurde wieder nicht an die Rahmenbedingungen gedacht“, meint Bildungsexpertin Sybille Volkholz. „Man muss die Dinge grundlegend verändern und nicht nur eine Stunde mittags dranhängen“, fordert sie.

Dazu aber ist bisher niemand bereit. So beharrt die Kultusministerkonferenz der Länder darauf, dass keine einzige Unterrichtsstunde verloren gehen darf. Das aber bedeutet, dass das gesamte Stundenvolumen des 13. Schuljahrs auf die Klassen 5 bis 12 verteilt werden muss.

Zwar hat die Senatsverwaltung für Bildung den Schulen freigestellt, wieder auf dem Sonnabend auszuweichen, um die Belastung zu verteilen. Dazu sind aber weder Eltern noch Schüler und Lehrer mehrheitlich bereit. Sie alle entscheiden sich dafür, lieber in den Nachmittag zu gehen, haben aber kein Konzept für die Bewältigung der Belastung. Manche Eltern nehmen auch lieber in Kauf, dass ihre Kinder keine Mittagspause haben als dass sie die Nachmittagsaktivitäten ihrer Kinder streichen. Auch vielen Lehrer ist es lieber, zu Hause zu essen. Hinzu kommt, dass die Bezirke kaum bereit sind, Geld für den Ausbau von Kantinen bereitzustellen: Die Millionenbeträge aus dem Ganztagsschulprogramm des Bundes wurden fast komplett für Grundschulen ausgegeben.

Von der Stundenbelastung sind nicht nur Gymnasiasten und Gesamtschüler betroffen, sondern auch Realschüler: Auch sie sollen so die Option behalten, das Abitur anzustreben. sve

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