Schule : Schnellstart mit Ausnahmen

Ab Sommer werden Realschulen Mangelware. Spandau ist der einzige Bezirk, der den Eltern noch keine klare Perspektive bieten kann

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Spandau ist der letzte Bezirk, der Eltern noch keine verlässliche Auskunft über die Umsetzung der Schulreform geben kann: Erst Mitte Februar steht fest, ob seine jeweils vier Real- und Hauptschulen noch 2010 zu Sekundarschulen fusionieren oder erst 2011. Klarheit herrscht dagegen inzwischen in Reinickendorf und Steglitz-Zehlendorf: Fünf öffentliche Realschulen gehen noch einmal an den Start.

Anders als alle anderen Bezirke hatten es diese beiden Bezirke ihren Schulen freigestellt, wann sie umstellen. Entsprechend uneinheitlich ist jetzt das Bild. So gehen Beucke- und Alfred-Wegener-Schule in Zehlendorf noch einmal als Realschulen an der Start, bevor sie 2011 zu einer Sekundarschule fusionieren, während die Lichterfelder Max-von- Laue- und die Steglitzer Friedrich-Bayer-Realschule schon dieses Jahr Sekundarschule werden. Auch die Gesamtschulen gehen hier unterschiedlich mit der Reform um: Die Lankwitzer Bröndby- und die Dahlemer Wilma-Rudolph- Gesamtschule werden erst 2011 Sekundarschule, die Steglitzer Kopernikus-Gesamtschule schon diesen Sommer.

In Reinickendorf finden die Eltern dieses Jahr noch drei Realschulen vor: Carl-Benz, Gustav-Freytag und Benjamin-Franklin. Dagegen stellt die Albrecht-Haushofer-Realschule in Hermsdorf schon 2010 zur Sekundarschule um, und auch die Max-Eyth-Realschule fusioniert schon 2010 mit der Johannes-Lindhorst-Hauptschule (beide Wittenau). Die drei Gesamtschulen in Reinickendorf gehen ebenfalls unterschiedliche Wege: Die Thomas-Mann-Schule soll Gymnasium werden, die Bettina-von-Arnim-Schule startet jetzt als Sekundarschule, während die Max-Beckmann-Schule noch bis 2011 Gesamtschule bleibt.

In Spandau ist noch alles offen, weil Bildungsstadtrat Gerhard Hanke (CDU) sein Vorgehen geändert hat. Nachdem er die Reform zunächst verzögern wollte, will er seine vier Realschulen jetzt doch noch zu einer schnellen Fusion mit jeweils einer Hauptschule überreden, „damit Spandau nicht hinter den anderen Bezirken zurückbleibt“, wie er gegenüber dem Tagesspiegel begründete. Zu diesem Zweck werden vor und nach den Winterferien eigens nochmals die Schulkonferenzen einberufen.

„Erst warnt Hanke, wir gehen ins Verderben bei einer schnellen Fusion, jetzt sollen wir doch noch mitmachen“, empört sich ein Schulleiter. Wie berichtet, hatten alle vier Spandauer Realschulen gegen eine schnelle Fusion gestimmt – mit Rückenwind von Hanke. Der muss aber auch an die Hauptschulen denken, die sofort mit ihren Partner-Realschulen fusionieren wollen. Jetzt will Hanke mit der Schulaufsicht in den Realschulen für die schnelle Fusion werben. Die Spandauer Gesamtschulen müssen nicht mehr angesprochen werden: Anders als die Steglitz-Zehlendorfer machen sie die Reform schon jetzt mit.

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