Schule : Schöne Möhre

Oliver Stelling, Experte für Spezialfahrzeuge, über die Trends der Zukunft

Annette Kögel

Oliver Stelling liebt seine Autos. Wenn er von der Hightech-Großraumlimousine Business erzählt, bezeichnet er den Wagen gern liebevoll-locker als „Möhre“. Wenn der 39-jährige Familienvater von seinem Job berichtet, spricht er mitunter von sich in der dritten Person. „Der Stelling“, eine Institution. Individuelle Autos, individuelle Mitarbeiter.

Der Geschäftsbereichsleiter des „Bunsiness Unit“ Spezialfahrzeuge bei VW Nutzfahrzeuge in Hannover kennt die Wünsche seiner Kundschaft aus dem FF. Der Mann kann sich begeistern für „die neue Definitionen des Automobils, in dem die Menschen leben und arbeiten“, schärmt vom „Kanon der Farben“ und von „Gimmicks wie ’ner Kühlbox in der Möhre“. Aber er kann auch kühl kalkulieren und weiß, dass gerade Mittelständler ihm vorrechnen, was ein „Fahrzeug pro Kubikmeter bewegtem Raum kostet“.

Oliver Stelling zufolge gibt es beim Autokauf heutzutage zwei Philosophien. „Die einen müssen sparen, wo sie können, die anderen geben aus ohne Ende.“ Für die erste Käuferschickt bietet seine Firma günstige Freizeitmobile wie den Caddy Tramper, Zeltausbau inklusive. Der zweiten Käufergruppe will er dank seines Mitarbeiterteams dabei helfen, ein Fahrzeug so perfekt wie möglich nach Bedarf zu bauen. „Der Kampf um diese Nischen ist entbrannt.“. Wer will, dass sein Wagen aggressiv aussieht, dem rät er zu Chrom, das „sieht irgendwie martialisch aus“. Er weiß aber auch, welche Kooperationspartner den besten Herd installieren. Oder wie man es schafft, Surfbretter, Fahrrad und Reisegepäck platzsparend unterzubekommen – und unterm Dach mit Blick in den Sternenhimmel zu schlafen. Ob Transporter, Caravelle, Multivan, California, Crafter oder LT – Stelling kann jeden Fahrzeugtyp minutiös unterscheiden. Und freut sich darüber, dass der Konzern bei den leichten Nutzfahrzeugen Marktführer ist in Europa. Zu seinem Spezialistenteam gehören Mitarbeiter wie Sven Peinemann aus Seelze. Der 32-Jährige hat Automobilmechaniker gelernt und weiß, dass viele Kfz-Schrauber davon träumen, so individuell zu arbeiten. Peinemann schraubt auch in der Freizeit gern und hat privat drei Wagen, alle VWs, da wären erstens der Bus, dann der 20 Jahre alte Mexiko-Käfer und schließlich der Bifuell-Golf-Variant.

Durchsetzen wird sich aber der reinrassige Erdgasantrieb, sagt Stelling voraus. „Obwohl Ökoantriebe vor allem in Deutschland ein Thema sind, in anderen Ländern kräht kein Hahn danach.“ In Zukunft „werden Autobauer noch ausgefeiltere Soundtechnik herausbringen, noch leichtere, benzinsparende Materialien entwickeln und den Zubehörmarkt weiter professionalisieren“. Sagt’s und wiegt das Modell eines alten Surferbullis in der Hand. Mit Hibikusblüten drauf. Schöne Möhre.

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