Schüler treffen Israelis : Einrichten in der Vielfalt

Jugendliche aus Schöneberg recherchieren für eine Ausstellung im Jugendmuseum das Leben von Israelis in Berlin.

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Mehr als Sprechblasen. Die Schülerinnen Melisa, Neslihan und Diana vom Robert-Blum-Gymnasium in Schöneberg haben sich für die Ausstellung „Villa Global“ im Jugend Museum mit dem Leben von Israelis in Berlin beschäftigt.
Mehr als Sprechblasen. Die Schülerinnen Melisa, Neslihan und Diana vom Robert-Blum-Gymnasium in Schöneberg haben sich für die...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Das Zimmer für Nirit einzurichten war gar nicht so einfach. Einen Davidstern aufhängen? Nein, im Judentum mache man das nicht so mit den religiösen Symbolen und außerdem sei sie säkular. Eine Uniform? Nein, sie hätte zwar in Israel den Militärdienst absolviert, aber Teil ihrer Identität sei das nicht, erzählt die Israelin, die seit sechs Jahren in Berlin lebt. Wenn es nach ihr ginge, dann kämen viele Bilder ins Zimmer, Schwarz-Weiß-Fotografien und moderne Kunst. So sieht es in ihrer Wohnung auch aus.

Für die Ausstellung „Villa Global“ im Jugend Museum Berlin hat die 9. Klasse des Robert-Blum-Gymnasiums in Schöneberg das Leben von Israelis in Berlin recherchiert, im Rahmen des Projektes „Heimat Berlin. Migrationsgeschichte für Kinder“. Die Ausstellung erzählt anhand von Wohnräumen mit persönlichen Gegenständen die Migrationsgeschichten von zwölf Menschen aus Berlin. Ein neuer Raum zu „Israelis in Berlin“ ist in Planung. Die Jugendlichen haben dafür Leute wie die 34-jährige Nirit nach ihrem Leben in der Stadt und ihrem Heimatgefühl befragt und überlegt, wie ein Raum für sie aussehen könnte. Nirit erzählte ihnen beispielsweise, dass sie sich besonders in Neukölln und Wedding wohlfühle, weil sie das Arabisch auf der Straße an zu Hause erinnere.

An ganz unterschiedlichen Orten haben die Schüler die Israelis getroffen – in der Synagoge, im Lieblingscafé oder zu Hause. Sie haben einen Rapper kennengelernt und den Betreiber eines israelischen Restaurants, in dem es zur Überraschung der Jugendlichen Hummus und Kebap gab und an der Fensterscheibe eine Koran-Seite hing. Bei der Auswahl der Gesprächspartner war den Organisatoren die Vielfalt israelischer Identitäten wichtig. Ein Druse war dabei und sehr unterschiedliche Juden. Die Jugendlichen haben vom Judentum als Religion, als Kultur und als Tradition gehört. Eine Frau hat sich im Gespräch an die Staatsgründung Israels erinnert, wie Menschen damals auf der Straße tanzten; ein Mann an einen Pfeffersprayangriff auf ihn in Berlin.

Der 14-jährigen Schülerin Neslihan hat gefallen, dass sie „Menschen einer anderen Religion ohne Streiten, offenherzig begegnet sind“. Nach dem Kriegszustand in Israel zu fragen, sei ihm schwergefallen, meint Amir. Er hätte an die Familien der Interviewpartner gedacht, dass sie sich möglicherweise Sorgen machen. „Vielleicht belastet sie das“, sagt der 14-Jährige.

„Israel als Land kommt im Lehrplan bis zur 10. Klasse nicht vor“, sagt Christine Teske, die die Klasse in Ethik unterrichtet. Viele ihrer Schüler besuchen im Sommer die erweiterte Familie in arabischen Staaten, sagt sie. Ein Schüler einer anderen Klasse hätte den Libanon-Krieg miterlebt. Das Projekt sei die erste Gelegenheit, einen Menschen aus Israel persönlich kennenzulernen. Zur Vorbereitung haben die Schüler mehr über die Geschichte Israels erfahren. Was ist Zionismus und wer war Jassir Arafat? Man hätte viel diskutiert, sagt Christoph Kühn vom pädagogischen Team des Jugend Museums, der zuvor zehn Jahre im Jüdischen Museum gearbeitet hat. Die Gesprächskultur der Jugendlichen sei von erstaunlicher Qualität, immer wieder hätten sie sich in ihren Ansichten gegenseitig korrigiert. Während sie erzählen, entspinnt sich schnell ein Gespräch über ihre eigenen Erfahrungen, über „Hater“ und rassistische Gewalt in Berlin. „Wir schweifen ganz schön ab“, bemerkt Schüler Raid.

Ihrer Interviewpartnerin Nirit hätten sie nun ein Bücherregal mit Reiseführern und Kochbüchern ins fiktive Zimmer gestellt. „Sie kocht gern und liest gern“, sagt Raid, „da haben wir beides.“

Die Ausstellung „Villa Global“ ist zu sehen im Jugend Museum, Hauptstraße 40/42, Schöneberg. Mittwoch und Donnerstag 15 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 18 Uhr. Mehr über das Projekt „Heimat Berlin“ unter www.heimat-berlin.info.

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