Schülerpraktikum in Berlin : Arbeiten und Spaß dabei

Im Februar absolvieren Berliner Neuntklässler Betriebspraktika. Die Suche nach einem Platz ist schwierig – und geht oft nur über Kontakte.

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Schülerin Emilia bei ihrem Praktikum an der Hotelrezeption. Foto: Mike Wolff
Schülerin Emilia bei ihrem Praktikum an der Hotelrezeption.Foto: Mike Wolff

Wenn Emilia und Franziska Noormann erzählen, was sie in den vergangenen beiden Wochen erlebt haben, dann sprudeln die Erinnerungen bei den Neuntklässlerinnen nur so hervor. Emilia hat an der Rezeption des Hotels Catalonia in Mitte Touristen angesprochen, ihnen Taxis bestellt, Schlüsselkarten programmiert oder ihnen auf Englisch den Weg erklärt. Auch den Service-Bereich hat sie kennengelernt. Mehrmals wurde sie älter als 14 Jahre geschätzt, erzählt Emilia stolz.

Ihre Zwillingsschwester Franziska ist in der Evangelischen Elisabeth-Klinik auf der Station für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Ärzten bei der Visite mitgegangen, hat Blutdruck gemessen, Patienten gefüttert und eine Spritze gegeben. Bei einer zweieinhalbstündigen Darmspiegelung hat sie den menschlichen Körper von innen gesehen. „16 Polypen wurden herausgenommen“, sagt Franziska ganz fasziniert.

Rund 40 000 Berliner Schüler machen jedes Schuljahr ein Betriebspraktikum. Für zwei bis drei Wochen sollen sie dabei einen Einblick in die Arbeitswelt bekommen und erste Ideen für spätere Berufe austesten. Das Praktikum ist in Berlin für alle Schulformen außer Gymnasien verpflichtend. Aber auch an vielen Gymnasien wie zum Beispiel an Franziskas und Emilias Schule, dem Evangelischen Gymnasium Zum Grauen Kloster in Wilmersdorf, ist das Betriebspraktikum fest verankert. Einen Platz zu finden ist für die Schüler aber häufig sehr schwierig.

Schon ein Jahr zuvor, in der 8. Klasse sei das erste Mal über das Praktikum gesprochen worden, erzählt Emilia. Die Lehrer hätten ihnen geraten, sich früh um einen Platz zu kümmern. Emilia hat es beim Zoo probiert, bei der Polizei, bei einem Tierarzt und bei einem Verlag. Auch bei Hertha BSC hat die Schülerin, die Fußball-Fan ist, angerufen. Ohne Erfolg. Viele Betriebe nehmen Praktikanten erst ab 16 Jahren, manchmal sind auch einfach keine Plätze mehr für die Schüler frei. Die Situation wird dadurch verschärft, dass die meisten Schulen die Praktika zeitgleich im Februar durchführen. „Zeitaufwendig und viele Absagen“, fasst Emilia ihre Suche zusammen.

Franziska absolvierte ihr Praktikum im Krankenhaus. Foto: Mike Wolff
Franziska absolvierte ihr Praktikum im Krankenhaus.Foto: Mike Wolff

In der Klasse ihrer Schwester Franziska hatten in den Herbstferien 2014 zehn von dreißig Schülern noch keinen Platz. Auch Franziska hatte sich schon vergeblich für fünf oder sechs Praktika beworben. Den entscheidenden Kontakt für ihre Plätze haben die Schwestern schließlich – wie fast alle ihre Freunde – über ihre Eltern bekommen. Ihre Mutter macht freiberuflich Pressearbeit für verschiedene Unternehmen und hat ihren Töchtern die jeweiligen Ansprechpartner genannt. Dann haben Emilia und Franziska wieder Bewerbungen geschrieben und Lebensläufe geschickt und wurden genommen. Manche Schulen haben Listen mit möglichen Praktikumsplätzen oder greifen auf Netzwerke von Partnerorganisationen, die Praktika anbieten, zurück.

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