Schülerprotest : Ganztags lernen ohne warme Mahlzeit

Rund 100 Siebtklässler, Lehrer und Eltern der Tempelhofer Sekundarschule an der Ringstraße zogen am Donnerstag vor die Kantine der Bildungsverwaltung, um gegen ihre fehlende Mittagsversorgung zu demonstrieren.

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Mittagessen unter Beobachtung. Vor der Kantine der Bildungsverwaltung in Mitte protestierten am Donnerstag Tempelhofer Sekundarschüler, ihre Eltern und Lehrer. In mehreren Sekundarschulen der Stadt gibt es trotz Ganztagsunterrichts nur eine provisorische Essensversorgung. Foto: Mike Wolff
Mittagessen unter Beobachtung. Vor der Kantine der Bildungsverwaltung in Mitte protestierten am Donnerstag Tempelhofer...

Drei Monate Provisorium ohne Aussicht auf Verbesserung haben gereicht: Rund 100 Siebtklässler, Lehrer und Eltern der Tempelhofer Sekundarschule an der Ringstraße zogen am Donnerstag vor die Kantine der Bildungsverwaltung, um gegen ihre fehlende Mittagsversorgung zu demonstrieren. Mit schneebedeckten Mützen und klammen Füßen harrten sie vor den Fenstern aus, hielten Plakate hoch und machten in Sprechchören ihrem Ärger Luft. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) saß drinnen aber nicht zu Tisch.

In die repräsentative Kantine an der Otto-Braun-Straße in Mitte durften die Schüler nicht. Doch der Missstand wurde auch so deutlich: Die Sekundarschüler haben täglich bis 15.30 Uhr Programm, aber keine Kantine, sondern nur eine provisorische Essecke im zugigen Foyer. Der erste Caterer ist abgesprungen, weil die räumlichen Voraussetzungen keinen profitablen Betrieb ermöglichten. Alle Schüler bis zur zehnten Klasse sind daher auf eine kleine „Imbissstation“ angewiesen.

„Da müssen wir in der Schlange stehen und wenn es klingelt, sind wir immer noch nicht dran“, beschreibt die 13-jährige Dilsad die aktuelle Lage. „Die Kinder können sich mit leerem Magen nicht konzentrieren“, beklagt ihr Vater Mentese Sezgin. Abgesehen davon sei es schade, dass die Klassen mangels Kantine keine gemeinsame Mahlzeit hätten. „Die Kinder kommen einfach nicht zur Ruhe“, ergänzt Schulhelferin Maud Stabenow. Klassenlehrer Reiner Haag weist zudem darauf hin, dass rund zwei Drittel der Schüler ohne Frühstück kämen. Eine Kantine sei einfach unverzichtbar.

Die Sekundarschule, die aus der fusionierten Werner-Stephan- und Dag-Hammarskjöld-Schule entstand, ist kein Einzelfall. Laut Bildungsverwaltung gibt es noch in sechs der zwölf Bezirke „Einschränkungen“ bei der Essensversorgung, allen voran Tempelhof-Schöneberg. Bildungsstadtrat Dieter Hapel (CDU) verweist auf den Senat, der die Schulreform „nicht ausfinanziert“ habe. Die Senatsverwaltung erinnert allerdings daran, dass auch sein Bezirk rund 13 Millionen Euro allein aus Konjunkturmitteln bekommen habe. Susanne Vieth-Entus

Spenden für den Ausbau einer Kantine können überwiesen werden an den Förderverein der Werner-Stephan-Schule, Kontonummer 327971800, BLZ 10070024, bei der Deutschen Bank

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