Schulbeginn : Auch Schüler vergeben jetzt Noten

Ferienzeit – das war einmal. Mit dem Beginn des Schuljahres stehen erhebliche Neuerungen bevor. Das Schwänzen wird teurer, das Unterrichten unbequemer und das Lernen stressiger.

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Start ins neue Schuljahr: Am Montag beginnt die Schule wieder.
Start ins neue Schuljahr: Am Montag beginnt die Schule wieder.Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Runter vom Spielplatz, raus aus dem Schwimmbad, rein ins Klassenzimmer: Für fast 322 000 Berliner Schüler sind die Ferien vorbei, das Schuljahr beginnt. Nur die 26 000 Erstklässler können noch eine Woche Ferien genießen: Sie werden erst am Sonnabend eingeschult. Mit dem Schuljahr 2011/12 wird einiges anders – für Schüler, aber auch für Lehrer: Schulschwänzer werden härter bestraft, Lehrer müssen sich benoten lassen. Und für viele Zwölftklässler endet die Schulzeit schon im nächsten Sommer mit dem Abitur: Sie sind die ersten Berliner Absolventen des G8, des Gymnasiums nach acht Jahren. Hier die wichtigsten Neuerungen:

SCHWÄNZEN KOSTET GELD

Für Schulschwänzer brechen härtere Zeiten an: Mit Beginn des Schuljahres werden Eltern bereits am ersten Tag benachrichtigt, wenn ihr Kind ohne Entschuldigung fehlt. Bisher rief die Schule erst nach drei Tagen unentschuldigten Fehlens zu Hause an.

Schwänzt ein Kind, wird es für die Eltern ungemütlich: Nach den Plänen von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) sollen sich in diesem Fall die Schulen ab sofort stärker als bisher mit dem Jugendamt abstimmen – und Bußgelder gegen die Eltern verhängen. Die Behörden wollen noch einen Schritt weiter gehen – und sogar gegen die Schüler selbst (über 14 Jahren) Bußgelder verhängen. „Jeder akzeptiert, dass Kinder etwas zu bezahlen haben, wenn sie beim Schwarzfahren erwischt werden“, sagt dazu Bildungssenator Zöllner. „Aber Schuleschwänzen ist ein viel größeres Problem – das sollen die Bußgelder deutlich machen.“ Übrigens bekommt auch die Schule Probleme, wenn sie viele Schwänzer unter ihren Schülern hat: Die Schulen müssen ab diesem Schuljahr mit der Schulaufsicht eine Zielvereinbarung zur Reduzierung der Fehlzeiten festlegen. Die Fehlquote müssen Schulen künftig im Schulporträt ausweisen.

NOTEN FÜR LEHRER

Auch diese Maßnahme ist Teil von Zöllners Qualitätspaket – und eine besonders umstrittene: Ab diesem Schuljahr werden nicht nur die Schulinspektionsberichte veröffentlicht, sondern die Lehrer sind auch verpflichtet, sich auf einem Internetportal von ihren Schülern bewerten zu lassen – anonym und alle zwei Jahre. Das Portal, das vom Institut für Schulqualität Berlin-Brandenburg (ISQ) entwickelt wurde, gibt es seit 2008; bisher war die Teilnahme freiwillig, nur 1700 von 29 000 Berliner Lehrern haben sich benoten lassen. In dem Fragebogen können Schüler etwa angeben, wie gut ein Lehrer den Stoff erklärt und ob er den Unterricht spannend gestaltet. „Will man, dass man einen Unterricht macht, der bei den Schülern gut ankommt, dann muss man den Schülern auch eine Gelegenheit geben, das zu sagen“, sagt Zöllner. Das Verfahren ermögliche die systematische Rückkopplung.

Als Zöllner sein Qualitätspaket präsentierte, gab es von zwei Seiten Kritik an der Lehrerbenotung. Zum einen lehnen manche Lehrer den Zwang zur Teilnahme ab. Anderen wiederum geht die Maßnahme nicht weit genug: Denn die Daten werden nicht veröffentlicht – nur der Lehrer selbst erfährt, wie seine Schüler ihn bewerten. Und er muss nur alle zwei Jahre daran teilnehmen. Nach Ansicht von Bildungssenator Zöllner reicht das jedoch aus. „Es geht hier um grundsätzliche pädagogische Ansätze“, sagt er. „Dafür reicht eine Nutzung alle zwei Jahre. Übrigens steht es den Lehrkräften frei, das Portal auch öfter zu nutzen.“

ABI IM TURBO-GANG

„Wir sind die Versuchskaninchen“, sagt die 17-jährige Hilda, für die an diesem Montag die zwölfte Klasse beginnt (siehe oben). Recht hat sie: In diesem Schuljahr macht der erste G8-Jahrgang nach nur zwölf Jahren Abitur. Für die Schüler bedeutet das vor allem mehr Stress, denn sie müssen in einem Jahr weniger fast denselben Stoff lernen. Kurz vor den Ferien waren deshalb viele Zwölftklässler freiwillig ein Jahr zurückgetreten – an manchen Schulen bis zu 30 Prozent des Jahrgangs; die genaue Zahl will die Senatsbildungsverwaltung allerdings erst im Oktober bekanntgeben. Das Turbo-Abi macht auch vielen Eltern Sorgen – sie sehen, wie stark ihre Kinder unter Druck stehen. Deshalb fordert eine Elterninitiative die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren; der Landeselternausschuss fordert zumindest die Möglichkeit, auch weiterhin nach neun Jahren Abitur zu machen.

Schließlich sehen auch die Schüler dem nächsten Sommer nervös entgegen, die in diesem Schuljahr noch nach neun Jahren Abitur machen dürfen. Denn der doppelte Jahrgang – die Bildungsverwaltung rechnet mit 6700 zusätzlichen Abiturienten – konkurriert um die Plätze an den Hochschulen. Der Senat will deshalb 6000 zusätzliche Studienplätze an den Berliner Hochschulen einrichten.

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