Schulbeginn : Was Schüler vom neuen Schuljahr erwarten

Für fast 322.000 Schüler geht am Montag die Schule wieder los. Auch für Paul, Antonia und Hilda - sie erzählen, was sie im nächsten Schuljahr vorhaben.

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Paul Pech (6) kommt in die 1. Klasse der Nürtingen-Grundschule in Kreuzberg.
Paul Pech (6) kommt in die 1. Klasse der Nürtingen-Grundschule in Kreuzberg.Foto: Paul Zinken

Paul (6): Nur bis drei zählen ist langweilig

„Nächsten Samstag geht es los. Ich habe schon einen Rucksack und meine Wundertüte ist Zuhause. Die Lernsachen habe ich auch schon alle, bis auf die Hefte. Ich werde Rechnen lernen, Schreiben und Plus-Aufgaben. Ich kann jetzt schon ein bisschen rechnen. Soll ich mal so weit zählen, wie ich kann? 1,2,3,4… (er zählt bis 42 weiter). Hoffentlich müssen wir in der Schule nicht nur bis drei zählen, das wäre langweilig. Ich war schon mal in der Schule, die ist schön. Die Lehrerin habe ich auch schon gesehen. Die Schule ist nah, ich werde mit meiner Schwester Neem mit dem Fahrrad fahren oder mit Rollerblades. Ich freue mich darauf, dass ich neue Freunde finde, aber ich vermisse auch meine Freunde aus dem Kindergarten. Einer kommt mit mir in die Klasse. Ein anderer Freund, der weiter weg wohnt, hat vor dem Urlaub noch nicht gewusst, ob er auch an meine Schule kommen kann. Einer in der Schule heißt mit Nachnamen Paul! Am ersten Schultag werden die Viertklässler für uns singen, meine Schwester vielleicht auch. Ich freue mich, weil nach der Schule gehen wir ins Legoland. Warum man in die Schule geht? Weil man wissen sollte, wie viel eins plus eins ist.“

Antonia Püschel (12) geht in die 7. Klasse der Gutenberg-Oberschule in Lichtenberg.
Antonia Püschel (12) geht in die 7. Klasse der Gutenberg-Oberschule in Lichtenberg.Foto: Paul Zinken

Antonia (12): Mehr Pausen wären gut

„Zuerst wollte ich ins Gymnasium, aber dann habe ich mich für diese Schule entschieden. Da kann ich Abi machen, aber habe mehr Zeit, alles zu erledigen. Ich komme in der Schule manchmal nicht richtig hinterher. Der Eindruck beim Tag der offenen Tür war schön. Ein bisschen aufgeregt bin ich, alles ist neu. Man muss sich erstmal eingewöhnen und umgucken. Sind die Lehrer nett, böse oder ein bisschen crazy? Manche sagen ja nur, was man machen soll und erklären nicht richtig. Wenn meine Freundin und ich uns helfen, kriegen wir Ärger, weil wir reden. Dann heißt es gleich: Du bekommst eine Sechs! Das nimmt das Selbstvertrauen. Ich frage oft meinen Vater. Meine erste Mathelehrerin war so nett. Sie hat uns Bruchrechnen mit Schokolade beigebracht. Wer böse war, hat einen verschimmelten Apfel bekommen. Bei ihr hatte ich auch bessere Noten. Ich hoffe, es gibt nicht so viele Hausaufgaben. Mehr Pausen wären gut, sonst ist es schwer, sich zu konzentrieren. Ich habe Kunst gewählt, weil ich gerne zeichne. Dieses Jahr möchte ich mein Zeugnis verbessern, auch den Teamgeist beim Kreuzchenzeugnis. In die Schule geht man, damit man im Leben nicht so versagt.“

Hilda Polzin (17) geht in die 12. Klasse der Primo-Levi-Schule in Weißensee.
Hilda Polzin (17) geht in die 12. Klasse der Primo-Levi-Schule in Weißensee.Foto: Paul Zinken

Hilda (17): Jetzt heißt es: durchhalten

„Wir sind die Versuchskaninchen, der erste Jahrgang, der nur zwölf Jahre bis zum Abi hat. Schade daran ist, dass ein Jahr zum Orientieren und Selbstfinden wegfällt. Ich möchte deshalb nach dem Abi mal ein Jahr nach Lateinamerika. Meine Mitschüler sind zwischen 15 und 20 Jahre alt, mittlerweile haben sich Freundschaften gebildet. Es ist eine ganze Menge Lernstoff. Die Lehrer wollen einen möglichst gut vorbereiten und geben überall noch mehr Aufgaben. Früher habe ich mir viel Druck gemacht, aber jetzt nehme ich mir Raum für mich als Ausgleich. Durch meine entspanntere Einstellung bin ich viel besser geworden. Wie kann ich das, was ich machen muss, so umsetzen, dass es Spaß macht? Jetzt heißt es: weitermachen, durchhalten. Mit ein paar Freunden habe ich Lerngemeinschaften gegründet. Ohne den Schülerclub und ohne die Schulsprecherei wäre der Schulalltag etwas grau. Man geht in die Schule, weil die Leute dort – auch die Lehrer – mit ihren Erfahrungen eine unglaubliche Bereicherung sind. Viele gehen aber nur, weil sie müssen und diese graue Schiene bis zum Studium abarbeiten. Ich frage mich: was nehme ich mit?“

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