Schule : Brandenburg lockt Lehrer mit Beamtenstatus

Das Nachbarland wirbt offensiv um Nachwuchskräfte. Bildungssenator Zöllner will trotzdem weiterhin nur angestellte Pädagogen.

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Umworben. Da Brandenburg seinen Bedarf an Pädagogen nicht decken kann, will das Land auch in Berlin Lehrer gezielt ansprechen. -Foto: Ullstein/Phalanx-Fotoagentur

Erneut wirbt ein anderes Bundesland offensiv um Berliner Lehrer und Referendare. Diesmal unternimmt die ebenfalls rot-rote Landesregierung des direkten Nachbarn Brandenburg diesen Vorstoß. Und Bildungsminister Holger Rupprecht (SPD) sagte am Mittwoch in Potsdam sehr deutlich, wie er die jungen Lehrer locken wolle. „Wir werden jeden, der es wünscht und der die Voraussetzungen erfüllt, verbeamten“, sagte Rupprecht. „Das ist ein entscheidender Standortvorteil. Wir werden auch offensiv an junge Berliner mit diesem Angebot gehen.“ So wolle man jetzt auch in Zeitungsanzeigen in Berlin und bundesweit werben.

In Berlin werden junge Pädagogen seit 2004 nicht mehr verbeamtet. Erst im vergangenen Jahr hatte Baden-Württemberg um Berliner Pädagogen geworben – unter anderem mit großen Plakaten „Sehr guten Morgen, Frau Lehrerin“ in den U-Bahnhöfen. Diese Aktion war seinerzeit auf scharfe Kritik von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) gestoßen und hatteeinen Beschluss der Kultusministerkonferenz (KMK) zur Folge, wonach ein Bundesland in einem anderen Land „nur im Einverständnis mit dem jeweiligen anderen Land“ werben darf.

Auf den Brandenburger Vorstoß gibt es jetzt nur eine verhaltene Reaktion. Er sei „von der KMK-Linie noch gedeckt“. Zöllners Sprecher Jens Stiller sagte: „Dass Brandenburg verbeamtet, ist jungen Berliner Lehrern seit langem bekannt. Das ist kein Problem für uns.“ Berlin habe sich erst im vergangenen Jahr dazu entschlossen, Gehälter von neu-angestellten Lehrern um 1200 Euro zu erhöhen und auch weiterhin nicht zu verbeamten. An dieser Linie halte man fest. Brandenburgs Bildungsminister Rupprecht äußerte hingegen Zweifel, ob Berlin diese Praxis beibehalten könne. Über seine Initiative habe es „keine direkte Abstimmung“ mit Berlin gegeben. Er habe seinen Kollegen Zöllner jedoch in einem Telefonat darüber informiert. „Er hat nicht gejubelt“, sagte Rupprecht. „Wir sind Freunde, aber wir sind eben auch Konkurrenten.“ Der Vorgang berührt das sensible Verhältnis beider Länder, die sich nach der gescheiterten Fusion offiziell eine immer engere Kooperation auf die Fahnen geschrieben haben.

Dass Brandenburg erstmals seit 1990 überhaupt massiv um junge Lehrer wirbt, ist eine Folge von Rot-Rot in Potsdam. Im Koalitionsvertrag haben SPD und Linke versprochen, bis zum Ende der Legislaturperiode 1200 Lehrer einzustellen, was angesichts der zunehmenden Pädagogen-Knappheit in Deutschland schwierig wird. Schon dieses Jahr will Brandenburg allein 450 Lehrer einstellen. So sollen 150 Referendare an märkischen Schulen und weitere 128 Lehrer, die mit befristeten Verträgen arbeiten, Vollzeit-Beamtenstellen angeboten werden. Und das Land will 1400 frühere Bewerber, die eine Absage erhielten, aber in Karteien der staatlichen Schulämtern liegen, anschreiben. Wieviele davon noch aktuell sind, ist unklar.

Relativ gelassen betrachtet die Berliner Bildungsgewerkschaft GEW die Abwerbeversuche aus Brandenburg. „Der Beamtenstatus allein wird nicht ziehen“, sagte Rose-Marie Seggelke. Stellen im direkten Umland seien vielleicht interessant, aber nicht in weiter entlegenen Gebieten. Brandenburg unternehme nicht genügend für die eigene Nachwuchssicherung. In diesem Jahr gibt es laut GEW dort lediglich 750 Referendariatsstellen, während Berlin 2200 angehende Lehrer ausbilde.

Seggelke wie auch die FDP-Schulexpertin Mieke Senftleben sprachen sich dagegen aus, Lehrer wieder zu verbeamten. Dies passe nicht mehr in die Zeit. Allerdings müsse Berlin dafür sorgen, dass der Lehrerberuf attraktiver wird. Zwar erhielten Berufsanfänger mehr Geld, aber danach seien keine Steigerungen mehr zu erwarten, sagte Senftleben. Der schulpolitische Experte der CDU-Fraktion, Sascha Steuer, äußerte sein Unverständnis darüber, dass die beiden rot-roten Landesregierungen nicht in der Lage seien, vernünftig miteinander zu kooperieren.

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