Schule : Bremen schließt Schulfrieden

Schon mancher Landtagswahlkampf in Deutschland hat sich zum Schulkampf entwickelt. In Bremen war das in den vergangenen Jahrzehnten nicht anders. Aber 2009 soll hier der große Schulfrieden einkehren.

Eckhard Stengel

 Kurz vor dem Jahreswechsel haben sich die rot-grüne Regierungskoalition und zwei von drei Oppositionsfraktionen auf einen „Konsens zur Schulentwicklung“geeinigt, der bald im Bremischen Schulgesetz verankert wird und dann zehn Jahre lang gelten soll.

Dieser Kompromiss zwischen SPD und Grünen sowie CDU und FDP ist laut Bildungssenatorin Renate Jürgens-Pieper (SPD) bundesweit einmalig. Künftig wird also nicht mehr nach jedem Regierungswechsel am Schulsystem herumgedoktert, sondern Eltern, Lehrkräfte und Schüler können sich ein Jahrzehnt lang auf Beständigkeit verlassen.

Künftig gibt es in Bremen im Wesentlichen nur noch zwei Schularten – das Gymnasium mit Schnellläuferabitur nach dem 12. Schuljahr und die neue sogenannte Oberschule, die alle Abschlüsse anbieten soll: neben dem Hauptschul- und dem Realschulabschluss auch das Abitur, aber erst nach dem 13. Schuljahr.

Noch vor wenigen Jahren war das Bremer Bildungssystem so kompliziert, dass ein „Taz“-Kommentator spottete, es wirke so, „als hätte man auf kleinstem Raum die Schulsysteme aller Bundesländer nebst einiger Kantone der Schweiz abbilden wollen“. Da gab es nach den Grundschulen die Orientierungsstufe, die Gymnasien, die integrierten Gesamtschulen und außerdem die Schulzentren mit Hauptschul-, Realschul- und Gymnasialzweig, die man in anderen Bundesländern als kooperative oder additive Gesamtschulen bezeichnet hätte.

Dann aber kam der Pisa-Schock: Bremen schnitt bei dem Leistungsvergleich bundesweit am schlechtesten ab. Deshalb beschloss die damals regierende SPD/CDU-Koalition 2004 eine erste Schulreform: Die Orientierungsstufe (Klasse 5 und 6) wurde abgeschafft, und an den Schulzentren werden die Haupt- und Realschüler seitdem bis Ende der 8. Klasse gemeinsam unterrichtet, als sogenannte Sekundarschüler.

Knapp fünf Jahre später nun also die nächste Reform. Wenn nach den Parteispitzen demnächst auch das Bremer Parlament zustimmt, werden die Schulzentren und die integrierten Gesamtschulen jahrgangsweise in Oberschulen umgewandelt. Sie dürfen Kinder mit unterschiedlichen Leistungen entweder getrennt oder gemeinsam unterrichten („äußere oder innere Differenzierung“). Behinderte sollen zunehmend in die Regelschulen integriert werden. Aber auf Wunsch der Eltern können sie stattdessen weiterhin Förderzentren besuchen. Eine „Werkschule“ wird für jene Schüler eingerichtet, die sonst ohne Abschluss in die Arbeitslosigkeit entlassen würden.

Die Linksfraktion trägt den Konsens allerdings nicht mit, denn aus ihrer Sicht „untermauert er die Spaltung der Bildungslandschaft“. Eckhard Stengel

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