Schule : Evangelische Kirche contra Reli

Die evangelische Landeskirche will das Angebot an Religionsunterricht in Berlins öffentlichen Schulen einschränken. Der Schülerschwund zwingt zum Sparen. Auch die katholische Kirche muss ihren Religionsunterricht mit Millionenbeträgen bezuschussen.

Claudia Keller,Benjamin Lassiwe

Das geht aus Unterlagen für die Tagung des Kirchenparlaments in der kommenden Woche hervor. Besonders in östlichen Bezirken könnte es zu „weißen Flecken“ kommen, heißt es in der Kirchenverwaltung. Da immer weniger Kinder den evangelischen Religionsunterricht besuchen, wird es für die Kirchen immer teurer, ein flächendeckendes Angebot aufrechtzuerhalten. Denn der Senat erstattet nur dann 90 Prozent der Personal- und Sachkosten für den Unterricht, wenn eine Gruppe von mindestens 15 Schülern in den Grundschulen und mindestens zwölf Schülern in den Oberschulen zusammenkommt. An immer mehr Schulen wird diese Gruppengröße nicht mehr erreicht. Dort muss die Kirche die Kosten selbst tragen.

Im Schuljahr 2007/08 besuchten knapp 85 000 Kinder und Jugendliche in Berlin den evangelischen Religionsunterricht, im vergangenen Schuljahr waren es noch 81 300. „Durch einen in diesem Ausmaß nicht erwarteten Rückgang von Teilnehmern am Religionsunterricht, der auch in solchen Gegenden stattfand, in denen bisher eine hohe Teilnahmequote zu verzeichnen war, sind die Kosten erheblich angestiegen“, steht in einer Vorlage der Kirchenleitung, über die das Kirchenparlament vom 11. bis 14. November abstimmen muss.

2008 führte das zu einem Defizit im Haushalt der Landeskirche von 6,2 Millionen Euro. Für 2010 prognostizieren die Finanzexperten der Landeskirche ein Defizit von neun Millionen Euro, für 2011 von 9,4 Millionen Euro. Die Kirchenleitung will das Defizit aber bei maximal 7,5 Millionen Euro deckeln. In der Vorlage für die Kirchenparlamentarier heißt es, dass deshalb „weitere Gruppenzusammenlegungen“ und Schwerpunktsetzungen erforderlich sind. Das bedeutet einen Rückzug aus der Fläche. Wo keine evangelische Lerngruppe mehr zustande kommt, will man mit der katholischen Kirche eine „konfessionell-kooperative Zusammenarbeit“ erreichen, das heißt, einen ökumenischen Unterricht anbieten. Die Kirchenparlamentarier müssen entscheiden, ob sie diesen Kurs mittragen wollen.

Auch die katholische Kirche muss ihren Religionsunterricht mit Millionenbeträgen bezuschussen. Die Teilnehmerzahlen sind aber nicht so dramatisch eingebrochen wie bei den Protestanten. So besuchten 25 000 Schüler im Schuljahr 2007/08 den katholischen Religionsunterricht, 2008/09 waren es 60 Kinder und Jugendliche weniger. Da es schon immer weniger katholische als evangelische Kinder in Berlin gegeben hat, sei man als katholische Kirche daran gewöhnt, an manchen Schulen auch Gruppen mit nur drei Kindern zu unterrichten. Das wolle man auch weiterhin so machen, sagt Stefan Förner, Sprecher des Erzbistums. Man habe die Erfahrung gemacht, dass es sehr schwer ist, mit dem Religionsunterricht wieder zu beginnen, wenn man sich einmal aus einer Schule zurückgezogen hat. 

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