Schule : Gymnasien fordern zusätzliche fünfte Klassen

Kurz vor dem Ende der Legislaturperiode muss Berlins Bildungssenator Zöllner eine politisch hochbrisante Entscheidung fällen: Acht Gymnasien haben sich zusammengetan, um zusätzliche fünfte Klassen zu beantragen.

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Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner.
Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner.Foto: dapd

Flankiert von massiv vorgetragenen Appellen der Elternschaft, argumentieren sie mit hohen Anmeldezahlen und einem erheblichen Nachholbedarf bei den grundständigen Angeboten in den östlichen Bezirken. Zöllner (SPD) hat noch nicht entschieden.

Zu den Antragstellern zählen nach Informationen des Tagesspiegels die drei besonders nachgefragten Schulen für Hochbegabte, das Humboldt-, Rosa-Luxemburg- und Otto-Nagel-Gymnasium (Tegel, Pankow und Biesdorf), sowie das altsprachliche Lichtenberger Barnim- Gymnasium. Hinzu kommen das Heinrich-Hertz-, Käthe-Kollwitz- und Herder-Gymnasium (Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Westend), die ein anerkanntes mathematisch-naturwissenschaftliches Profil haben. Überdies appellieren diese sieben Schulen an den Senator, das Rummelsburger Immanuel-Kant-Gymnasium in den Kreis der grundständigen Gymnasien aufzunehmen. Auch hier geht es um einen mathematisch-naturwissenschaftlichen Zug. Bisher beginnt diese Schule mit Klasse 7.

„Viele Eltern haben den Eindruck, dass ihre Kinder in den Grundschulen nicht genug gefördert werden und nicht ausgelastet sind“, begründet der Elternvertreter des Otto-Nagel-Gymnasiums, Karsten Hintzmann, den Appell an den Senator. Von den grundständigen Klassen erhofften sie sich, dass „die Potenziale besser gefördert werden“. Seitdem sich die Schulen vor zwei Wochen an Zöllner gewandt haben, rufen die betroffenen Eltern täglich in der Bildungsverwaltung an, um ihrer Bitte Nachdruck zu geben.

Die Entscheidung ist für den Senator heikel, weil die rot-rote Koalition sich generell für ein längeres gemeinsames Lernen einsetzt. Sie befürchtet eine weitere Schwächung der sechsjährigen Grundschule, wenn noch mehr leistungsfähige Kinder als bisher die Grundschulen nach der vierten Klasse verlassen. Zurzeit sind es rund zehn Prozent eines Jahrgangs: Dies entspricht rund 2000 Kindern, die sich auf fünfte Klassen in rund 40 öffentlichen und privaten Schulen verteilen.

Die Antragsteller verweisen allerdings darauf, dass es unterm Strich gar nicht auf eine Ausweitung der fünften Klassen hinausläuft, da andernorts Kapazitäten wegfallen. Tatsächlich ist bei den fünften Klassen einiges in Bewegung. So fallen etliche Express-Abitur-Klassen weg, weil sich das Angebot eines Abiturs nach elf Jahren nicht bewährt hat. Zudem sind die Anforderungen für die Aufnahme in Hochbegabtenklassen erhöht worden: Bei den gerade erfolgten Intelligenztests haben nur rund 400 der 700 Teilnehmer die erforderliche Punktzahl erreicht.

Aber auch einige andere Schulen eröffnen weniger fünfte Klassen, als sie dürften, weil es an Nachfrage mangelt. Dies betrifft etwa das altsprachliche Wilmersdorfer Goethe-Gymnasium und das bilinguale russisch-englische Johann-Gottfried-Herder-Gymnasium im Fennpfuhl.

Da die Nachfrage von Jahr zu Jahr schwankt, appellieren die sieben Schulleiter an Zöllner, eine flexible Regelung zuzulassen und den Schulen die Möglichkeit zu geben, je nach Bedarf eine Klasse mehr oder weniger aufzumachen.

Eine konstant hohe Nachfrage gibt es nach wie vor bei den traditionsreichen altsprachlichen Privatschulen wie dem katholischen Canisius-Kolleg und dem Evangelischen Gymnasium zum Grauen Kloster. Auch die Königin-Luise-Stiftung hatte etwa doppelt so viele Anmeldungen wie Plätze für die fünften Klassen.

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