Schule in Berlin : Scheeres will mehr für Begabungsförderung tun

An Berliner Schulen soll mehr für die Begabungsförderung getan werden – dazu erarbeitet eine Expertengruppe ein neues Konzept.

Schüler im Unterricht.
Schüler im Unterricht.Foto: Daniel Bockwoldt/dp

Es ist ein Lied aus dem Film „Titanic“, das die Schüler der Bläserklasse beim Festakt im Kreuzberger Leibniz-Gymnasium spielten: „My heart will go on“ von Celine Dion. Der Anlass hatte jedoch nichts mit Schiffbruch zu tun, im Gegenteil – die Schule feierte ihre neue Kooperation mit der Leibniz-Sozietät und damit den Ausbau ihrer Begabungsförderung. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) nutzte den Anlass am Montag, um ihr berlinweites Konzept zur Talent- und Begabungsförderung vorzustellen.

Es ist ein Teil der von Scheeres angekündigten Qualitätsoffensive im Bildungsbereich. „Neben der Verbesserung der schulischen Infrastruktur ist die Begabungsförderung ein zweites wichtiges Ziel in der Koalitionsvereinbarung“, sagte Scheeres. „Inklusion bedeutet mehr als die Förderung von Kindern und Jugendlichen mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Es geht um den wertschätzenden Umgang mit Vielfalt und auch darum, leistungsstarke Kinder in den Blick zu nehmen.“ Auch bundesweit soll mehr für die Begabungsförderung getan werden, dazu gibt es eine Initiative der Kultusministerkonferenz.

Bis Ende des Jahres soll das Konzept vorliegen

Das Berliner Konzept soll nun eine Expertengruppe unter der Leitung von Thomas Trautmann, Erziehungswissenschaftler an der Universität Hamburg, erarbeiten, Ende des Jahres sollen Ergebnisse vorliegen. Zu dem Gremium gehören Vertreter aller Schulformen und aus dem Kitabereich, Schulpsychologen und außerschulische Initiativen. Trautmann beschrieb die Aufgabe der Arbeitsgruppe mit Begriffen aus der frühkindlichen Bildung: „Suchen, sammeln, sortieren und zuordnen – das sind die Hauptaufgaben von Kitakindern. Und das machen wir jetzt auch in unserem Gremium.“ Es gebe bereits viele gute Beispiele an Berliner Schulen und Kitas zur Begabungsförderung. Diese sollen gesammelt und ausgewertet werden – und daraus soll dann ein Konzept erstellt werden, wie sich diese „Best Practice“-Beispiele auf andere Schulen und Kitas übertragen lassen.

Scheeres verwies als Beispiele für bereits existierende Begabungsförderung unter anderem auf das Programm des Landessportbundes „Berlin hat Talent“ und auf Schulen, die Profilklassen mit mathematisch-naturwissenschaftlichen, künstlerischen oder bilingualen Schwerpunkten anbieten. An sieben Gymnasien gibt es sogenannte Schnelllernerklassen, in denen besonders begabte Kinder lernen. Das Konzept basiert auf „Akzeleration“ (schnelleres Lerntempo) und „Enrichment“ (vertiefendes Lernen und Zusatzangebote). Für diese Klasse muss man einen Aufnahmetest bestehen.

Es geht um alle Arten der Begabung - und alle Schulformen

Das jetzt angekündigte Begabungskonzept soll aber weiter gefasst werden. Es gehe um alle Arten von Begabungen, musische, sportliche, kreative, handwerkliche Fähigkeiten ebenso wie mathematische, naturwissenschaftliche oder sprachliche. Und es soll am besten schon in den Kitas beginnen und in Grundschulen, Sekundarschulen ebenso wie in Gymnasien zum Tragen kommen.

Es gehe auch darum, Kinder in sozial benachteiligten Stadtteilen besser zu fördern, sagte Scheeres, die dafür auf „inklusive Ganztagsschulen“ setzt. „Manche Eltern haben nicht die Möglichkeit, die Talente ihrer Kinder zu entdecken oder zu fördern“, sagte sie. Die Begabungen der Kinder müssten deshalb in den Schulen entdeckt und geweckt werden.

Am Leibniz-Gymnasium ist die Talentförderung schon weit gediehen. Die Schule hat ein musikalisches Profil mit Bläser- und Chorklassen, ein mathematisch-naturwissenschaftliches Profil und bilinguale Unterrichtsmodule. Wem beispielsweise der englische Biologieunterricht nicht reiche, der kann die Debating-AG oder die englische Theater-AG besuchen. Die Kooperation mit der Leibniz-Sozietät soll den Kontakt mit der Wissenschaftslandschaft intensivieren.

In Lernateliers lernen Kinder ohne Notendruck

„Wir sind überzeugt, dass jedes Kind eine besondere Begabung hat“, sagt Schulleiterin Renate Krollpfeiffer-Kuhring. „Wir versuchen eine Balance zu schaffen zwischen den Kindern, die schon viel Förderung von zu Hause mitbringen, und Kindern, bei denen das nicht so ist.“ Eine besondere Form der Förderung sind die Lernateliers für die Siebtklässler. In diesen können die Kinder sich ohne Notendruck mit Themen beschäftigen, die nicht im Unterricht vorkommen: Es gibt beispielsweise eine Glaswerkstatt, einen Improvisationskurs, einen Kurs zu seltenen Tieren und zu Vulkanismus. Die Schüler wählen zwei Ateliers im Jahr und arbeiten jeweils zehn Doppelstunden an selbst gewählten Themen. „Wir passen unser Angebot immer wieder an. Das, was die Lehrer toll finden, ist nicht unbedingt das, was die Kinder spannend finden“, sagte Krollpfeiffer-Kuhring.

Bundesweite Initiative

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat im November 2016 eine gemeinsame Initiative von Bund und Ländern zur besseren Begabungsförderung an Schulen vorgestellt. Das Projekt ist auf zehn Jahre angelegt, mit einer Zwischenevaluierung nach fünf Jahren. 125 Millionen Euro stellen Bund und Länder dafür zur Verfügung. Ziel ist es, dass die Begabungsförderung ein Regelangebot aller Schulen wird.

In jedem Bundesland sollen zunächst Pilotschulen gefunden werden, die Konzepte zur Förderung leistungsstarker und leistungsfähiger Schülerinnen und Schüler erarbeiten. In Berlin sollen es 15 Pilotschulen sein. Nach Angaben der Senatsbildungsverwaltung können sich derzeit Schulen dafür bewerben – infrage kommen alle Schulformen.

Die Länder betreuen die Schulen, bieten Fortbildungsmaßnahmen für die Lehrkräfte an und fördern die Entwicklung entsprechender Konzepte mit Personal. Darüber hinaus erhalten die Schulen wissenschaftliche Unterstützung durch den Bund.

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