Schule : Kirche oder Bett – viele Schüler fehlten

Berlins Lehrer standen am Mittwoch zum Teil vor stark gelichteten Reihen. Feiertag und Krankheit leerten die Schulen.

Fatina Keilani[Susanne Vieth-Entus]

 „Ob das nun der Buß- und Bettag ist oder die Erkältungswelle – jedenfalls fehlt rund ein Drittel der Schüler“, hieß es aus der Thomas-Mann-Grundschule in Prenzlauer Berg. Weiterführende Schulen berichteten Ähnliches. Der Direktor der Ulrich-von-Hutten-Oberschule in Lichtenrade, Thomas Hungs, ist morgens durch die Klassen gegangen und hat gezählt, mit gleichem Ergebnis: Nur zwei Drittel der Schüler waren da. „Das hat seine Ursachen in unserem Umfeld“, meint Hungs. „Lichtenrade ist ein konservativer Stadtteil, eine Einfamilienhausgegend. Unsere Schüler kommen aus guten, intakten Verhältnissen, viele sind in der Kirche und viele nehmen am Religionsunterricht teil, auch ohne in der Kirche zu sein.“

Allerdings war nicht so ganz klar, wer religionsbedingt fehlte. „Bei uns fehlen mehr Schüler wegen Krankheit als wegen des Buß- und Bettags“, sagte die Direktorin des Paulsen-Gymnasiums in Steglitz, Ulrike van Rinsum. Es seien für den Tag viele Klausuren und Klassenarbeiten angesetzt gewesen; mehrere Schüler seien eigens dafür gekommen und danach wieder nach Hause gegangen. „Die Schüler wussten, wenn sie heute fehlen, müssen sie die Arbeit nachschreiben“, so van Rinsum. Das hätten viele nicht gewollt. Die Klausuren zu verschieben, sei zeitlich nicht mehr möglich gewesen.

Am Zehlendorfer Siemens-Gymnasium hingegen mussten, wie berichtet, etliche Klausuren verschoben werden. Da die neue Schulfreiregelung für evangelische Schüler erst Anfang November bekannt geworden war, konnte sie in den Planungen nicht berücksichtigt werden. Pro Klasse hätten nur wenige Schüler gefehlt, in den Kursen der Oberstufe etwas mehr, berichtet Dirk Reich vom Siemens-Gymnasium: „Von unseren rund 1100 Schülern waren etwa 150 nicht da“, schätzt er.

Das Britzer Einstein-Gymnasium musste sogar 20 Klausuren neu terminieren. Auch an den Berufsschulen nutzten einige evangelische Schüler das Angebot, schulfrei zu nehmen: „Es war bei uns auffällig leer“, hieß es aus dem Oberstufenzentrum Gesundheit in Wedding. Anders hingegen im Pankower Rosa-Luxemburg-Gymnasium: Direktor Ralf Treptow schätzt, dass „weniger als ein Zehntel“ der Schülerschaft wegen des Buß- und Bettags fehlte. Allerdings ist der Anteil an evangelischen Oberschülern in der Region auch wesentlich geringer als etwa in Zehlendorf.

Die Kirchen freuten sich über volle Schülergottesdienste. St. Annen in Dahlem war überfüllt, auch die Immanuelkirche in Prenzlauer Berg war gut besucht. Allerdings waren die Schülergottesdienste keine Reaktion auf den kurzfristig angesetzten Feiertag, sondern von langer Hand geplant. „Wir haben uns trotzdem gefreut, dass der Feiertag so rasch umgesetzt wurde“, sagt die stellvertretende Sprecherin der evangelischen Kirche, Heike Krohn. Bei den Schulen hingegen war auch Verärgerung herauszuhören. Eine Grundschulleiterin beklagte, das mit dem Feiertag sei der Senatsverwaltung reichlich spät eingefallen: „So kann man doch nicht arbeiten.“

Fatina Keilani, Susanne Vieth-Entus

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben