Schulen : An Berlins Gymnasien wird es eng

Schon jetzt sind die Plätze an Gymnasien knapp. Richtig eng aber wird es im nächsten Jahr. Für das Schuljahr 2011/2012 rechnet der Senat mit 20 Prozent mehr Schülern.

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In den siebten Klassen könnte es eng werden mit der individuellen Betreuung. Der Senat erwartet einen starken Anstieg der Bewerbungen. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
In den siebten Klassen könnte es eng werden mit der individuellen Betreuung. Der Senat erwartet einen starken Anstieg der...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Der Kampf um die knappen Gymnasialplätze zum kommenden Schuljahr ist noch in vollem Gange – da rüsten sich die Bezirke bereits für eine viel größere Herausforderung: Im Sommer 2011 wird mit einem Anstieg der Bewerber an Gymnasien um 20 Prozent gerechnet. Der Grund ist der große Jahrgang, der durch das Vorziehen der Schulpflicht im Jahr 2005 entstanden ist und die siebte Klasse erreicht. Die Bildungsverwaltung hat jetzt die Bezirke aufgefordert, zusätzliche Kapazitäten zu schaffen. Etliche Bezirke wollen sich mit Filiallösungen behelfen, falls die vorhandenen Schulgebäude keine Raumreserven haben.

2000 Siebtklässler zusätzlich

„Man muss an die Grenze des Organisierbaren gehen“, lautet die Einschätzung der zuständigen Referatsleiterin Christine Würger. Es sei ein „ehrgeiziges Ziel“, rund 2000 Siebstklässler zusätzlich unterzubringen. In der kommenden Woche werde es Vorgespräche mit allen Bezirken geben, damit bereits im September konkret geplant werden könne. Bei den Sekundarschulen hingegen gibt es so viele freie Kapazitäten, dass der Platz ausreichen wird, erwartet die Verwaltung.

Einige Bezirke stoßen an Kapazitätsgrenzen

Wie wichtig gute Planung ist, zeigte sich bereits dieses Jahr: Eine leicht gestiegene Nachfrage führte dazu, dass einige Bezirke bereits an ihre Kapazitätsgrenzen gelangten. Nur Treptow-Köpenick und Marzahn-Hellersdorf haben noch Platz. Allerdings scheuen viele Familie den weiten Weg in die Außenbezirke. Mit Widersprüchen und Klagen ist zu rechnen.

Christine Würger geht allerdings davon aus, dass sich die Zahl in Grenzen halten wird, weil viele Bezirke noch zusätzliche Klassen aufgemacht haben. „Wir konnten letztlich allen Bewerbern einen Gymnasialplatz anbieten“, resümiert etwa Reinickendorfs Bildungsstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU). Möglich wurde dies, weil die Thomas-Mann-Gesamtschule in ein Gymnasium umgewandelt wurde. Ob die Eltern die Zuweisung zur Mann-Schule akzeptieren, ist aber noch offen.

Auch im kinderreichen Pankow wurde eine Gesamtschule in ein Gymnasium umgewandelt. Im stark nachgefragten Charlottenburg-Wilmersdorf soll es keine neuen Gymnasien geben, betont Bildungsstadtrat Reinhard Naumann (SPD). Im Schulamt heißt es, es gebe nur noch eine „kleine Gruppe“ unversorgter Kinder, die trotz Sekundarschulempfehlung auf ein Gymnasium wollten. Ihnen wurde ein Platz an einer Gemeinschaftsschule angeboten. Ob sie das akzeptierten, sei offen.

Ein Kreuzberger Gymnasium muss sogar Schüler ablehnen, die fast nebenan wohnen

Nicht akzeptieren wollen einige Kreuzberger Eltern, dass ihnen ein Platz am Leibniz-Gymnasium verwehrt wird. Hier haben sogar Kinder eine Absage erhalten, die fast nebenan wohnen: Bei Schülern, die mehr als 1000 Meter entfernt wohnen, legt das Schulamt die Dauer der BVG-Verbindung zugrunde. In diesem Jahr gab es derart viele wohnortnahe Bewerbungen, dass nur Kinder genommen wurden, die unter 14 Minuten Fahrzeit haben.

Eltern wie die Kreuzbergerin Esin Erman gehen davon aus, dass extrem viele Eltern zu Scheinadressen gegriffen haben, um einen Platz an der begehrten Leibniz-Schule zu bekommen. Und sie ärgert sich darüber, dass das Schulamt nichts dagegen unternimmt. „Stattdessen fordert der Bezirk von uns, dass wir Namen von falsch angemeldeten Kindern präsentieren. Das ist eine Frechheit“, findet Erman. Ihre Familie wohnt 1090 Meter von der Schule entfernt – eine Minute Fahrtweg zu weit. Bildungsstadträtin Monika Herrmann (Grüne) bedauert zwar Fälle wie diesen, sieht aber keinen Spielraum: Das Parlament habe vorgegeben, dass nur in konkreten Verdachtsfällen nach Belegen für die Richtigkeit der Adresse gefragt werden dürfe. Ein konkreter Verdacht liege hier aber nicht vor.

Es ist das letzte Mal, das die BVG-Verbindung den Ausschlag gibt, ob ein Kind an der Wunschschule aufgenommen wird: Ab dem nächsten Jahr vergibt die Schule bis zu 70 Prozent der Plätze nach Eignung. Für Familien wie die Ermans kommt das zu spät: Das Spitzenzeugnis habe ihrer Tochter nicht geholfen, stellt Esin Erman verbittert fest.

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