Schulen : Voneinander lernen

Im Tandem besser: Wie Schulen kooperieren

Katja Gartz

Noch klafft eine große Lücke zwischen Grund- und Oberschulen, zwischen allgemeinbildenden und Berufsschulen. Lehrer arbeiten isoliert, Eltern haben alle Mühe, für ihre Kinder einen reibungslosen Übergang von der einen in die andere Schulform zu organisieren. Dass es so nicht sein muss, zeigt seit zwei Jahren die Stiftung Brandenburger Tor mit einem Netzwerk, das Schulen zusammenbringt. Jetzt sollen aus 20 „Tandem-Schulen“ 40 werden.

Wenn die ersten Tandem-Schulen erzählen, was sie bisher miteinander erlebt haben, kommt ein ganzes Bündel an Aktivitäten zusammen. Lehrer der Weddinger Erika-Mann-Grundschule und der Moabiter Heinrich-von-Stephan-Oberschule etwa hospitieren regelmäßig im Unterricht und werten ihre Erfahrungen aus. Die Weddinger Grundschüler dürfen den Unterricht der „Großen“ besuchen und die Moabiter Schülerfirmen kennenlernen.

„Seit Beginn der Tandemarbeit hat sich der Kreis der beteiligten Lehrer verdoppelt, die Anzahl der aufgenommenen Schüler in der Partnerschule verdreifacht“, berichtet Lehrer Thomas Beck von der Heinrich-von-Stephan-Schule, einer integrierten Haupt- und Realschule. Zur Zusammenarbeit gehört auch, dass sich seine Schule auf Elternversammlungen der sechsten Klassen vorstellt.

Gute Erfahrungen mit der Kooperation machen auch die Reinhardswald-Grundschule und das Leibniz-Gymnasium in Kreuzberg. Seit einem Dreivierteljahr zählen gegenseitige Unterrichtsbesuche, gemeinsame Fachkonferenzen und Projekte dazu. Um den Schulübergang zu erleichtern, planen die Schulen gemeinsame Fremdsprachenprojekte, Mathematikwettbewerbe und Tage der Wissenschaft. Elftklässler fungieren bereits als Lesepaten der Erstklässler. „Durch das Projekt werden viele kleine informelle Kontakte besser genutzt“, fasst Lehrerin Regina Todt von der Reinhardswald-Schule die Tandem-Erfahrungen zusammen.

„Wir haben sehr viele Aha-Effekte“ schwärmt auch Pit Rulff , Leiter des Oberstufenzentrums für Druck- und Medientechnik in Wittenau. Seine Berufsschule kooperiert mit der Bettina-von-Arnim-Gesamtschule in Gropiusstadt. Lehrer haben sich gemeinsam fortgebildet, die Schülervertreter waren gemeinsam auf Reisen. Die Arnim-Schule hat auch einen Fragebogen zur Unterrichtsqualität von der Berufsschule übernommen.

Die Tandem-Arbeit ist eingebettet in das Projekt „Schulen übernehmen Verantwortung“, das die Stiftung Brandenburger Tor der Bankgesellschaft Berlin finanziert. Bis zum Jahr 2010 soll ein Netzwerk von 40 Schulen in Berlin und Brandenburg entstehen. Wer jetzt noch mitmachen will, kann sich bis zum 14. Dezember bewerben. Die Schulen werden von der Stiftung mit Workshops beraten und begleitet. Zudem bekommen sie jeweils 2000 Euro für Fortbildungen und Projekte.

Weitere Infos: www.stiftung.brandenburgertor.de

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