Schulessen : Bezahlt wird, was auf den Tisch kommt

Laut Senatsbeschluss wird der Kantinenbesuch für viele Grundschüler verbindlich. Eltern müssen künftig 23 Euro monatlich zum Essen beitragen.

Susanne Vieth-Entus
Schulessen
Es ist für alle da. Bald bekommt jeder Ganztagsschüler sein Essen. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

„Acht Stunden ohne warmes Essen“ – so oder ähnlich lauteten die Schlagzeilen seit der Einführung von Ganztagsgrundschulen im Jahr 2005 immer wieder. Regelmäßig berichteten Schulleiter, dass Eltern sich weigerten, Verträge mit Caterern abzuschließen. An manchen Schulen waren es bis zu drei Viertel der Kinder, die mittags kein warmes Essen bekamen.

Diese Entwicklung hatte mehrere Gründe. Manche Eltern und Kinder waren schlicht unzufrieden mit der Qualität des Essens. Anderen war die Mahlzeit zu teuer, denn in den ersten Jahren mussten die Eltern voll für die Kosten aufkommen und rund 40 Euro pro Monat zahlen.

Seit 2007 wurde deshalb die Forderung laut, das Essen zu subventionieren, wie es in Horten und Kitas ohnehin üblich ist: Hier bezahlen die Eltern statt 40 nur 23 Euro, den Rest übernimmt die öffentliche Hand. Tatsächlich kam Rot-Rot dieser Forderung nach – was viele Eltern dennoch nicht überzeugte, mitzumachen.

Für die Schulleiter hatte das zur Konsequenz, dass sie immer wieder versuchen mussten, Eltern die Notwendigkeit eines warmen Essens an langen Schultagen zu erklären. Weil das nicht immer fruchtete, obwohl die Kinder gern essen wollten, handelten manche Rektoren mit den Caterern aus, für sie eine bestimmte Anzahl von Gratisessen auszugeben. Auch ein Härtefallfonds sollte Abhilfe schaffen. Letztlich erwiesen sich aber all diese Maßnahmen als nicht ausreichend; immer noch muss an vielen der rund 50 Ganztagsgrundschulen ein Teil der Kinder acht Stunden lang mit einem Apfel, einem Brot oder einem Schokoriegel auskommen.

Inzwischen besann sich die Bildungsverwaltung auf eine Forderung, die der Ganztagsschulverband und der GEW- Schulleiterverband ebenfalls schon 2007 aufgestellt hatten; nämlich die Essensteilnahme in Ganztagsgrundschulen als Verpflichtung im Schulgesetz zu verankern. Am Dienstag beschloss der Senat auf Vorschlag von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), „eine Verpflichtung zur Teilnahme am Mittagessen einzuführen, da dies zum pädagogischen Gesamtkonzept gehört und für die Entwicklung und Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler wichtig ist“, wie es im Beschluss heißt.

Den Einwand, dass man Eltern nicht zwingen dürfe, ein mitunter schlechtes Kantinenessen zu bezahlen, weist Mario Dobe vom Ganztagsschulverband zurück: Wer kein Essen bezahlen wolle, könne sein Kind ja an einer Halbtagsgrundschule anmelden, findet Dobe.

Tatsächlich hat sich bisher kaum Widerstand geregt. Dies mag daran liegen, dass auch die Eltern im Hort- und Kitabereich ja keine Wahl haben, sondern automatisch zusammen mit den Betreuungsgebühren 23 Euro fürs Essen überweisen müssen. Oder es hat damit zu tun, dass die Betroffenen noch gar nichts vor der Entscheidung gehört haben, die ja erst noch durch das Parlament muss, bevor sie in Kraft treten kann.

Vom Landeselternausschuss gibt es jedenfalls Rückendeckung für Zöllners Initiative. Er sei „in jeder Hinsicht“ für die Verpflichtung, Essensverträge abzuschließen, betonte am Sonnabend Landeselternsprecher André Schindler. Er weiß sogar von Schulen, in denen die Kinder, die keine Essensverträge haben, dennoch in der Mensa sitzen müssen, weil sie anderweitig nicht beaufsichtigt werden können. Die säßen dann an Extratischen und müssten zusehen, wie die anderen essen.Susanne Vieth-Entus

Pflichtessen für Ganztagsgrundschulen – was meinen Sie? Rufen Sie am heutigen Sonntag zwischen 8 und 23 Uhr an: Wenn Sie dafür sind, wählen Sie 0137-20 33 33 - 1. Sind Sie dagegen, wählen Sie 0137- 20 33 33- 2 (14 Cent pro Anruf). Das Ergebnis veröffentlichen wir am Dienstag.

Diskussion im Internet unter: www.tagesspiegel.de/umfragen

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