Schuljahres-Bilanz : Viele Konflikte und eine neue Senatorin

2011/12 waren die größten Reformen schon vorbei, aber ruhig wurde es trotzdem nicht – ein Rückblick.

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JAHRGANGSMISCHUNG OHNE ZWANG

Nach endlosen Diskussionen ist es schließlich soweit: Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) setzt durch, dass Schulen sich vom Jahrgangsübergreifenden Lernen (JüL) unter bestimmten Voraussetzungen befreien lassen können. 70 Schulen stellen dann auch Anträge, JüL abzuschaffen oder gar nicht erst damit anzufangen. Zum kommenden Schuljahr sind diese Schulen deshalb wieder mit normalen Jahrgangsklassen am Start. Zusätzlich setzt die CDU bei den Koalitionsverhandlungen vom Herbst 2011 durch, dass die Schulen ab 2013/14 dann die komplette Wahlfreiheit haben, also keine speziellen Anträge mehr stellen müssen.

KEIN GELD FÜR WACHSCHÜTZER

Neukölln beschließt im Sommer, die Verträge für seine Schul-Wachschützer nicht mehr über den 31. Dezember 2011 hinaus zu verlängern, weil das Geld im Bezirkshaushalt fehlt. Kaum sind die Wachschützer weg, werden auch schon Drogensüchtige auf einer Schultoilette gefunden. Der Senat bleibt bei seiner Weigerung, die Finanzierung zu übernehmen. Zudem misslingt der Versuch, Kräfte vom Arbeitsamt für die heikle Aufgabe einzusetzen. Aufgrund einer Nachzahlung an die Bezirke macht Neukölln dann eine Kehrtwende: Zum Sommer 2012 sollen wieder Wachschützer kommen, allerdings nicht mehr für die Grundschulen.

NEUE BRANDBRIEFE

Zu Beginn des Schuljahres sorgt ein neuer Brandbrief aus Neukölln für Schlagzeilen: Diesmal ist es das Kollegium der Heinrich-Mann-Sekundarschule, das nicht weiter weiß: Der Schulleiter ist nach langer Krankheit verstorben, etliche Schüler machen immense Probleme. Ein neuer Schulleiter und neue Kollegen läuten dann aber die Wende zum Besseren ein. Ein Hilferuf kommt auch aus Reinickendorf, wo sich das Bezirksamt weigert, eine Gemeinschaftsschule zuzulassen. Dieses Problem kann nach der Wahl gelöst werden: Die CDU lenkt ein. Auch die Brandbriefe in Sachen „Roma-Zuzug“ finden Beachtung: Der Senat finanziert jetzt zusätzliche Stellen.

LAUE HERBSTDEMO

Viel Ärger gibt es wieder über marode Schulgebäude und einen massiven Anstieg der Zahl von dauerkranken Lehrern. Hinzu kommt das Unbehagen über das Turboabitur. Deshalb glauben Eltern- und Schülergremien, dass die Zeit reif sein müsste für eine Großdemonstration im Herbst. Schließlich kommen aber nur ein paar Tausend. Nicht besser ergeht es den Gewerkschaften: Auch ihre Demo Anfang Juni bleibt lau mit 600 Teilnehmern, obwohl die neue Junglehrerinitiative „Bildet Berlin!“ ordentlich Wind macht.

INSPEKTIONSBERICHTE ONLINE

Noch bevor Zöllner von seiner Parteifreundin Sandra Scheeres abgelöst wird, hat er veranlasst, dass die Schulinspektionsberichte veröffentlicht werden müssen. Die ersten guten, aber auch einige wenig schmeichelhafte Berichte stehen mittlerweile im Netz.

UNBELIEBTE SCHULEN

Das Schulwahlverhalten der Eltern bringt es an den Tag: Etliche Schulen können nicht einmal ein Viertel ihrer Plätze mit eigenen Anmeldungen füllen. Die Siebtklässler müssen „zugewiesen“ werden. Der Leiter der Heinrich-von-Stephan- Schule, Jens Großpietsch, schlägt vor, Schulen zu schließen, wenn sie nach jahrelangen Anstrengungen nicht attraktiv werden. SPD und CDU haben dagegen keine grundsätzlichen Einwände.

HORTBETREUUNG

Fünft- und Sechstklässler können künftig ohne zusätzliche Bedarfsprüfung in den Hort gehen. Die Bildungsverwaltung setzt damit um, was Eltern, Lehrer und Gewerkschaften schon seit langem fordern. Zunächst plant der Senat, die Ferienbetreuung für diese Altersgruppe zu streichen . Doch dagegen gibt es heftige Kritik und Scheeres bessert schließlich nach. Diejenigen Kinder, deren Eltern arbeiten oder die aus anderen Gründen bisher schon Anspruch auf Hortbetreuung haben, können dies weiterhin auch in den Ferien tun, wenn die Eltern entsprechende Nachweise bringen. Ab dem nächsten Schuljahr gilt die Regelung für Fünftklässler, ein Jahr später auch für Sechstklässler. Die Gewerkschaften monieren allerdings, dass für den Ausbau der Ganztagsbetreuung nicht genügend Erzieher zur Verfügung stünden.

Susanne Vieth-Entus/Sylvia Vogt

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