Schuljahresbeginn : Zöllner verschiebt Losverfahren für Schulplätze

Das umstrittene Verfahren, mit dem in Zukunft Plätze an Schulen vergeben werden sollen, wird erst 2011 eingeführt. An begehrten Gymnasien und Sekundarschulen gilt vorerst weiter die BVG-Anbindung als Auswahlkriterium, stellte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) klar.

Susanne Vieth-Entus

Das umstrittene Losverfahren zur Vergabe von Plätzen an besonders stark nachgefragten Gymnasien und an den neuen Sekundarschulen wird noch nicht zum Schuljahr 2010/11 eingeführt. Das hat Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) am Freitag klargestellt. Die Zeit bis zu den Schulanmeldungen im Februar reiche nicht aus, um die notwendigen organisatorischen und rechtlichen Vorbereitungen zu treffen. Die neuen Sekundarschulen starten deshalb zunächst mit den alten Aufnahmebedingungen. Dies bedeutet, dass noch ein weiteres Jahr die BVG-Verbindung der Schüler für die Aufnahmechancen an begehrten Schulen den Ausschlag geben kann.

Zöllner trat dem Eindruck entgegen, dass sich die gesamte Reform nun verzögern könne. Das Gegenteil sei der Fall. Er gehe davon aus, dass bis auf „einige wenige Fälle“ alle Haupt-, Real- und Gesamtschulen schon zum Sommer 2010 zu Sekundarschulen werden. Auch der Rat der Bürgermeister hatte sich jüngst für dieses schnelle Vorgehen ausgesprochen.

Damit steht fest, dass sich rund 100 Haupt- und Realschulen schnellstens in Baustellen verwandeln müssen: Sie alle erhalten aus dem Konjunkturprogramm des Bundes Geld für den Bau von Mensen, weil die neuen Sekundarschulen einen Ganztagsbetrieb anbieten sollen. Auch Dutzende Gymnasien werden wegen der langen Unterrichtstage mit Kantinen ausgestattet. Zudem werden an vielen Standorten Dächer, Fenster oder andere Gebäudeteile erneuert. Zöllner wollte nicht ausschließen, dass es „im Einzelfall zu Beeinträchtigungen des Unterrichts kommt“. Andererseits profitierten alle Beteiligten von den baulichen Verbesserungen. Neben den 196 Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm erhalten die Schulen die regulären baulichen Unterhaltungsmittel von 80 Millionen Euro sowie weitere 82 Millionen Euro aus dem einmalig aufgestockten Schul- und Sportstättensanierungsprogramm.

Auch in personeller Hinsicht zeigte sich Zöllner optimistisch: Es gebe eine „gute, akzeptable Unterrichtsversorgung“. 417 Lehrer seien neu eingestellt worden, 30 Millionen Euro gebe es zusätzlich, um Junglehrern höhere Gehälter und weitere Referendariats- und Studienplätze zu finanzieren. Die durchschnittliche Klassengröße an Grundschulen liege bei unter 24 Kindern. Ein Problem bleiben die vielen Langzeitkranken: Zusammen mit den schwangerschaftsbedingt Abwesenden beläuft sich ihre Zahl laut Zöllner auf knapp 1400.

Auch sonst tut sich einiges in dem am Montag beginnenden Schuljahr: Vier neue Gemeinschaftsschulen kommen zu den zehn bestehenden hinzu, zudem gab Zöllner bekannt, dass die Rudower Walter-Gropius-Gesamtschule gute Chancen hat, im Jahr 2010/11 ebenfalls als Gemeinschaftsschule zu starten.

Landeselternsprecher André Schindler kritisierte, dass wegen Abitur- und MSA-Prüfungen tagelang der Unterricht ausfalle. Zudem äußerte er die Hoffnung, „dass die von allen Beteiligten als grotesk empfundene BVG-Regelung bei der Vergabe der Schulplätze“ sofort abgeschafft werde. Mieke Senftleben (FDP) ging hart mit Rot-Rot ins Gericht: So sei die Schulstrukturreform mit der „Zwangsfusion“von Haupt- und Realschulen ein „großer bildungspolitischer Rückschritt“.

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