Schulpolitik : Abgeordnetenhaus entscheidet über Sekundarschule

Die Sekundarschule kommt - heute entscheidet das Berliner Abgeordnetenhaus über die Reform. Die wichtigsten Änderungen im Überblick.

Das Berliner Abgeordnetenhaus verabschiedet am heutigen Donnerstag die neue Berliner Schulstruktur. Künftig soll es nur noch zwei weiterführende Schultypen geben: die integrierten Sekundarschulen und die Gymnasien. Haupt-, Real- und Gesamtschulen werden abgeschafft. Die Sekundarschule soll einen Bildungsweg bis zum Abitur ermöglichen. Schon ab dem nächsten Schuljahr soll ein Großteil der Sekundarschulen an den Start gehen. Spätestens 2011 sollen dann alle Haupt-, Real- und Gesamtschulen umgestellt sein.

Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) verspricht sich von der Bildungsreform, die Chancengleichheit der Schüler zu verbessern. CDU- und FDP-Fraktion kritisieren das Vorhaben.

Die wichtigsten Neuerungen der Reform im Überblick:

KERN DER REFORM

Spätestens ab 2011 soll es neben den Förderschulen nur noch zwei weiterführende Schultypen geben: Gymnasien und Sekundarschulen, die aus Haupt-, Real- und Gesamtschulen hervorgehen. An beiden Schultypen sind alle Abschlüsse möglich, wobei an den Gymnasien das Abitur nach der zwölften, in den Sekundarschulen überwiegend nach der 13. Klasse abgelegt wird. Nur rund ein Drittel der Sekundarschulen werden allerdings genügend Schüler für eine eigene gymnasiale Oberstufe haben. Die übrigen sollen mit den Oberstufenzentren oder mit Oberstufen anderer Sekundarschulen kooperieren.

GANZTAGSBETRIEB

Alle Sekundarschulen werden Ganztagsbetrieb anbieten – ob verbindlich oder unverbindlich, können sie selbst entscheiden. Viele Kantinen und Aufenthaltsräume entstehen erst jetzt – aus den Mitteln des Konjunkturprogramms.

NEUE ZUWEISUNG

Ab dem Schuljahr 2011/12 gelten bei übernachgefragten Schulen neue Zuweisungsregeln: Sie wählen 60 Prozent ihrer Schüler aus, 10 Prozent entfallen auf Härtefälle wie Geschwisterkinder und 30 Prozent werden gelost. Das Losverfahren soll eine bessere Schülermischung ermöglichen.

DUALES LERNEN

Alle Sekundarschulen sollen den Schülern Praxiserfahrungen bieten. Über Form und Umfang entscheiden die Schulen abhängig von ihrer Klientel. Bis zu drei Tage wöchentlich kann an sogenannten Praxislernorten wie etwa Betrieben gelernt werden. Die Kooperationen mit der Wirtschaft sollen verstärkt werden. IHK und Handwerkskammer sind involviert.

SITZENBLEIBEN

An den Sekundarschulen ist das Sitzenbleiben im Gegensatz zu den Gymnasien nur noch auf Grundlage einer Vereinbarung mit den Eltern möglich. Die Gymnasien können ungeeignete Schüler zudem nach einem Probejahr abgeben. Später nicht mehr.

105 SEKUNDARSCHULEN

Fast alle Bezirke stellen bereits zum kommenden Schuljahr (ab August 2010) auf den Sekundarschulbetrieb um. Nur in Spandau, Reinickendorf und Steglitz-Zehlendorf gibt es einige Ausnahmen. Insgesamt entstehen 105 Sekundarschulen. Für die bisherigen Gesamtschulen ändert sich nicht viel – sie werden weder geschlossen noch fusioniert, können als Sekundarschulen aber kleinere Klassen aufmachen als bisher. Von den Realschulen bleibt mehr als die Hälfte als Sekundarschule erhalten oder fusioniert mit einer anderen Realschule. Knapp 20 Real- werden mit Hauptschulen zusammengetan, rund 15 Hauptschulen bleiben ohne Partner. (Patricia Hecht/svo/ddp)

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