Schultüten : Im Osten prächtig, im Westen schmächtig

Schultüten – ein schöner Brauch, um Schulanfängern den Einstieg ins Bildungssystem zu versüßen. Kennen wir alle. Was viele aber nicht wissen: Die Schultüte spaltet die Bundesrepublik.

Lisa Forgber
Ob eckig oder rund - Schultüten sind für Kinder in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein Muss am ersten Schultag. Die beliebtesten Motive sind seit einigen Jahren unverändert: Mädels mögen Prinzessinen und Jungs Autos. Foto: dpaAlle Bilder anzeigen
Foto: dpa
23.08.2010 11:55Ob eckig oder rund - Schultüten sind für Kinder in Deutschland, Österreich und der Schweiz ein Muss am ersten Schultag. Die...

Am kommenden Samstag ist es für 24 200 Berliner Kinder soweit: Sie werden eingeschult. Überall in der Stadt werden Feiern stattfinden, bei denen die ABC-Schützen von den stolzen Eltern in die Schule begleitet werden. Immer mit dabei: die Schul- oder Zuckertüte. Mit Comic-Druck, mit Auto oder mit Pferd - die bunten Tüten sind vom Schulanfang nicht wegzudenken. Doch Schultüte ist nicht gleich Schultüte.

In den alten Bundesländern sind die beliebtesten Schultütenmodelle im Vergleich mit 70 cm um 15 cm kürzer als die in den neuen Bundesländern. Dort messen die Lieblingstüten  85 cm – und sind sechseckig.

Wieso das so ist? „Darüber kann man nur spekulieren“, meint Ursula Nestler, Geschäftsführerin von Deutschlands größtem Schultütenhersteller Nestler GmbH. „In Prospekten unserer Firma tauchen sechseckige Schultüten erstmals in den 1930er Jahren auf, vorher waren sie rund. Meine persönliche Theorie ist, dass mit der Teilung Deutschlands der eckige Trend im Osten erhalten blieb, während die Entwicklung im Westen wieder zur runden Form ging. Das ist auch nach der Wende noch so.“

Ein relativ neuer Schultütentrend sind „Do-it-yourself“-Modelle, die sind vor allem in Baden-Württemberg und Bayern beliebt. Für Bastel-Freaks gibt es mittlerweile hunderte von Anleitungen im Netz. Man braucht dazu Schultütenrohling, Farben, Kleber und Tonpapier – bei der Gestaltung mit Glitzer und Co. sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt.

Der Trend in den neuen Bundesländern geht dagegen eher Richtung „prächtig mit Glitzersteinen, Blinkmodul oder Lokomotivensound“, schmunzelt Ursula Nestler. „Früher waren die Kids schon mit einem einfachen Märchen-Motiv zufrieden, heute muss es etwas ausgefallener sein.“

Trotz der vielen regionalen Unterschiede bleibt die Motiv-Tendenz in der ganzen Bundesrepublik gleich. Auch Berliner Kaufhäuser von Tempelhof bis Pankow bestätigen: Ungeschlagen sind rosa Glitzer- und Prinzessinnen-Drucke für Mädchen, Piraten- und Auto-Motive für Jungs.

12 Kommentare

Neuester Kommentar