Erwartet werden bessere Abschlüsse als früher - aus vielen Gründen

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Sekundarschulbilanz : Neue Restschulen oder neue Hoffnung?
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„Die Ergebnisse sind nicht schlecht“, sagt Rektorin Weimar. Auch berlinweit allerdings, so die Erwartung, wird der Anteil der Schüler ohne Abschluss sinken. Gespeist wird die Erwartung daraus, dass durch die vielen Fusionen von Haupt- mit Realschulen die Schülermischung besser geworden ist. Zudem werden die Schüler besser betreut: Wo früher kein einziger Sozialarbeiter war, finden sich inzwischen große Unterstützer-Teams zusammen. Alle Sekundarschulen haben Ganztagsangebote. Nicht ganz wirkungslos dürfte auch bleiben, dass etliche Nachprüfungen erdacht wurden, um auch schwachen Kandidaten zu einem Abschluss zu verhelfen. Verbessert hat sich auch die Berufsvorbereitung: Den Schülern werden früher Perspektiven aufgezeigt, so dass sie eher einen Sinn darin sehen, auf einen Schulabschluss hinzuarbeiten.

Auch in Haags Klasse wissen schon viele, wie es weitergeht. Hussein freut sich auf eine Ausbildung zum Koch, Sascha hat die Bundeswehr ins Auge gefasst, Pascal will Anlagenmechaniker werden, Eyüp möchte erst mal das Abitur machen und dann zur Feuerwehr gehen, und Marwin hat eine Lehrstelle in der Metallverarbeitung als Zerspanungstechniker. Andere wollen an ein Oberstufenzentrum wechseln, um den Mittleren Schulabschluss nachzuholen.

Jetzt kommen die neuen Siebtklässler - mit neuen Problemen

So weit, so gut. Aber im August kommen die neuen Siebtklässler, die zum Großteil schlechte Noten aus der Grundschule mitbringen, was Haag und seinen Kollegen schon jetzt große Sorgen bereitet. Hannelore Weimar würde sich wünschen, dass die schwierigen Schüler besser über alle Schulen verteilt werden. Das jetzige Losverfahren reiche dafür nicht aus, weil sich die nachgefragten Schulen bis zu 70 Prozent ihrer Schüler selbst aussuchen könnten. Die schwachen Schüler würden sich weiterhin an wenigen Schulen ballen. Hinzu kommt, dass schwach nachgefragte Schulen den meisten Platz haben, die so genannten Rückläufer oder auch "Umsteiger" aufzunehmen, die das Gymnasium nicht schaffen. Das erschwert die Arbeit der Sekundarschulen zusätzlich. Ob es auch dieses Jahr nötig sein wird, ganze "Rückläuferklassen" aufzumachen, steht noch nicht fest, wird aber gerade von den Bezirken ermittelt.

In jedem Bezirk gibt es mindestens zwei "Sorgenkinder"

Wie groß die Gefahr neuer oder alter Restschulen ist – darüber gibt es verschiedene Ansichten. Tatsache ist, dass es pro Bezirk mindestens zwei „Sorgenkinder“ gibt, also Schulen, die als Restschulen gelten können, weil sie überwiegend schwierige Schüler aufnehmen müssen, die sonst keinen Platz finden. Allerdings bekommen einige von ihnen gezielt Hilfe über das „Turnaround-Programm“ der Boschstiftung, andere sind durch neue Schulleitungen auf einem besseren Weg oder erarbeiten mithilfe ihrer Bezirke oder Schulräte neue Konzepte. Fest steht: Vor der Reform gab es weniger Spielraum als heute, aber gelöst ist das Problem der Entmischung noch lange nicht.

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