Sieger aus Berlin bei "Jugend forscht" : Schüler erfindet Raketentreibstoff aus Dünger

Seine Idee könnte die Raumfahrt revolutionierten: Der 18-jährige Berliner Saverio Nobbe will Raketen mit Komponenten aus Düngemitteln ins All schießen. Mit seiner Idee überzeugte er schon mal die „Jugend forscht“-Jury. Und eine Einladung zur ESA gibt's auch.

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Gewinner. Saverio Nobbe (li.) neben einem Wettbewerbssponsor.
Gewinner. Saverio Nobbe (li.) neben einem Wettbewerbssponsor.Foto: Stiftung Jugend forscht

Umweltfreundlichere Raketen ins All schicken – das will Saverio Nobbe, der in Pankow wohnt und am Wittenauer Romain-Rolland-Gymnasium Abiturient ist, mit seiner Forschung möglich machen. Zweieinhalb Jahre lang erforschte er in seinem Projekt „Chlorfreies Durchstarten“, wie alternative Treibstoffe in der Raumfahrt eingesetzt werden können. Nun hat er dafür den Bundespreis der Kategorie Chemie des „Jugend forscht“-Wettbewerbes gewonnen.

Erst vor zwei Wochen hat der 18-Jährige seine letzte Abiprüfung geschrieben, drei Tage später stand er dann vor der „Jugend forscht“-Jury und erklärte ihr, wie Raketen mit Komponenten von Düngemitteln betrieben werden könnten. „Die Raumfahrt hat mich schon immer fasziniert, weil in ihr die allerneusten Technologien zusammenfließen“, erklärt Nobbe seine Begeisterung. Besonders die Frage nach der Umweltverträglichkeit ließ ihn nicht mehr los.

Der Hintergrund: Viele Raketen-Treibstoffe enthalten Oxidationsmittel, die bei der Verbrennung schädliches Chlor in Form von Salzsäure freisetzen. Stattdessen könnte man das umweltfreundlichere Ammoniumnitrat verwenden, aus dem zum Beispiel Düngemittel hergestellt werden – doch das brennt für einen Raketenstart nicht schnell genug ab.

Obwohl Nobbe in der Schule nicht Chemie, sondern Physik als Leistungskurs gewählt hatte, recherchierte er stundenlang im Internet und in Bibliotheken zum Thema. Nebenbei lernte er fürs Abi: Elektronenbeugung für den Physik-LK und Evolutionstheorie für Biologie. Schließlich fand er einen Weg, um dem umweltfreundlichen Ammoniumnitrat zum nötigen Schwung zu verhelfen: Bestimmte Reaktionsbeschleuniger lassen das Düngemittel schneller abbrennen, die Rakete kann so schnell genug gen Himmel schießen.

Herausgefunden hat Nobbe das in vielen Stunden am Schreibtisch, in denen er nach chemischen Strukturen fahndete. Die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) stellte ihm dann auch einen Experimente-Bunker zur Verfügung, in dem er Mini-Raketen zündete. Sie zeigten: Die neue Treibstoff-Mischung funktionierte.

Einladung von der ESA

Seine Forschung kommt in der Wissenschaft gut an. Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) hat ihn bereits nach Darmstadt eingeladen, um mit ihm über seine Forschung zu sprechen.

Jetzt will er sich aber erstmal von der doppelten Belastung durch Forschung und Abi erholen. Bald geht es mit seiner Stufe auf Abifahrt nach Spanien, als Abschied, bevor sich alle Wege zerstreuen. Saverio will dann Ingenieurswissenschaften studieren, vielleicht in Aachen oder München, und sich dann auf Triebwerksforschung zu spezialisieren. Vorher aber fliegt er noch nach Australien, dort hat er als Sonderpreis von „Jugend forscht“ einen zweiwöchigen Forschungsaufenthalt gewonnen.

Dann zieht es ihn wieder Richtung Himmel. Diesmal aber abseits von Raumfahrtforschung: Er will auf Weltreise gehen und mit dem Gleitschirm die chilenischen Anden hinuntersegeln.



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