Schule : Smart Forfour – der neue große Kleine

Nun auch in der besonders hart umkämpften Kompaktklasse – aber mit einem Auto, das anders ist als die anderen

Ingo von Dahlern

Er ist unübersehbar im Straßenbild von Rom – der kleine Smart Fortwo, wie das City-Coupé inzwischen heißt. Denn die italienische Metropole ist mit inzwischen mehr als 30 000 angemeldeten Fortwo die Smart-Hauptstadt Europas weit vor dem zweitplatzierten Berlin. Und es fasziniert schon zu erleben, wie positiv dieser eigenwillige so kurze und zugleich so geräumige Zweisitzer im Mutterland der europäischen Kleinautos als klassenloses Auto aufgenommen wurde, während dessen Entwicklung es zum Beispiel aus dem Unternehmen, das den Begriff des Volkswagens als Firmennamen trägt, immer wieder hieß, für einen Zweisitzer sei kein Bedarf vorhanden. Eine völlige Fehleinschätzung, wenn auch nicht übersehen werden darf, dass das Projekt eines „Swatch“-Autos schon bei der Entwicklung und selbst nach der Markteinführung manchmal ernsthaft auf der Kippe stand. Doch der Durchhaltewillen der Smart-Mannschaft wurde schließlich belohnt. Und Rom als Kulisse bot sich geradezu an, das neueste Modell aus dem inzwischen zu einer ganzen Modellfamilie gewachsenen Angebot von Smart – der Begriff ist längst zum Namen einer ganz neue Marke geworden – zu präsentieren: den Smart Forfour.

Nun auch ein Smart für Familien

Ein neues Modell für vier Personen, wie der Name unmissverständlich sagt, und damit ein für Smart ganz neues Marktsegment, auf dem man im Gegensatz zum einzigartigen Fortwo nicht allein ist, sondern ganz im Gegenteil auf eine ganze Flotte von Konkurrenten trifft. Das zwingt dazu, bewusst anders zu sein – mit einem typischen Smart, der vor allem auch überzeugten Fahrern des Zweisitzers die Chance gibt, klassische Smart-Eigenschaften endlich auch mit der Familie gemeinsam zu erleben. Denn viele begeisterte Smart-Fahrer haben bislang keine Aufstiegschancen innerhalb der Marke, wenn ihnen die zwei Plätze der derzeitigen Smart-Modelle nicht reichen oder sie, aus welchen Gründen auch immer, etwas mehr Transportraum benötigen – aber eben in einem Smart.

Zu dessen ganz typischen Eigenschaften gehört auf jeden Fall die von außen auf den ersten Blick erkennbare so genannte extrem steife Tridion-Sicherheitszelle, die sich farblich deutlich von der übrigen Karosserie abhebt. Und ebenso typisch für einen Smart sind die extrem leichten Body Panels, die farbigen Beplankungen, die sich sogar binnen kürzester Zeit wechseln lassen, so dass man, wenn man will, seinen Smart einfach hin und wieder einmal ganz neu einkleiden kann. Schon die Bauweise und die dafür verwendeten Materialien setzen ganz bestimme Akzente für das Smart-Design, das sich zudem dadurch auszeichnet, dass es eine emotional sehr positive Ausstrahlung hat. Zugegeben, das ist schwer zu fassen, aber der Smart gehört zu den Autos, die auf jeden Fall interessant aussehen und deren Anblick Freude bereitet. Und die bereitet er vor allem auch dann, wenn man sich ans Steuer setzt und mit ihm unterwegs ist. Denn allen Smart gemeinsam ist, dass sie ihren Lenkern viel Fahrvergnügen bereiten. Natürlich ist der Fortwo dabei nicht so rasant, wie zum Beispiel der Smart Roadster - aber auch ihn zu lenken bereitet Freude.

All das, so die Vorgaben bei der Entwicklung des neuen Viersitzers, sollte auf jeden Fall auch für den Forfour gelten. Und als wir den jetzt zu ersten Probekilometern in die Hand nahmen, erwies sich schnell, dass die Smart-Entwickler ihre Aufgaben rundum gut gelöst haben. Das beginnt bereits bei der Optik, die auf den ersten Blick den Smart erkennen lässt. Auch die Linie des Forfour wird geprägt durch die Tridion-Sicherheitszelle in drei Farbvarianten und die farbigen Body Panels in zehn Farben. Das ergibt bereits 30 verschiedene Farbkombinationen für die wieder extrem leichte Forfour-Karosserie, die wieder extrem leicht ausfällt. Und damit schafft sie eine wichtige Voraussetzung für sehr flotte Fahrleistungen mit vergleichsweise kleinen Motoren, die allerdings alle größer sind als die bisherigen Smart-Triebwerke und auch nicht mehr in Berlin gebaut werden. Denn die drei Benziner stammen aus dem brandneuen DaimlerChrysler Motorenwerk in Kölleda in Thüringen, das dieseTriebwerke auch für die sechste Generation des Mitsubishi Colt liefert. Ein 1,1-Liter-Dreizylinder mit 55 kW (75 PS) und zwei Vierzylinder mit 1,3 und 1,5 Liter Hubraum und 70 und 80 kW (95 und 109 PS) stehen zur Wahl. Und das Triebwerk, das bei den ersten Probefahrten am meisten überraschte, war der kleine Dreizylinder. Denn der erwies sich nicht nur als verblüffend agil und anzugsstark, sonder vor allem auch als überraschend kultiviert und leise und schließlich als sehr sparsam. Denn sein Durchschnittsverbrauch liegt bei gerade einmal 5,5 l/100 km. Und mit 13,4 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 ist der kleinste Forfour ausgesprochen flott.

Als 1,5-Liter richtig sportlich

So richtig schnell wird er dann mit den Vierzylindern. Denn schon mit dem 1,3-Liter braucht er für den Standardspurt nur noch 10,8 Sekunden und bringt es auf bis zu 180 km/h und der 1,5-Liter ist richtig sportlich, erreicht Tempo 100 nach 9,8 Sekunden und ist bis zu 190 km/h schnell. Wobei auch die Vierzylinder keine Säufer sind, reichen ihnen doch 5,8 und 5,9 l/100 km. Werte, die von den beiden Dieseln deutlich unterboten werden – doch die standen noch nicht bereit und werden auch zur Markteinführung des Smart Forfour am 23./24. April noch nicht verfügbar sein. Die beiden 1,5-Liter-CDI-Motoren mit 50 und 70 kW (68 und 95 PS) werden in Untertürkheim gebaut. Sie erfüllen aber wie auch die drei Benziner die Abgasnorm EU4 .

So flotte Triebwerke wie die Smart-Benziner fordern auf kurvigen Landstraßen natürlich dazu heraus, dieses Auto auf die Probe zu stellen. Mit dem erfreulichen Ergebnis, dass der Forfour tatsächlich so viel Fahrfreude bereitet, wie man es von einem Smart erwartet. Die Fahrwerkstechniker haben ganz hervorragende Arbeit geleistet, und auch wenn man betont flott unterwegs ist, hat man nie den Eindruck, dieses Auto nicht sicher im Griff zu haben. Wobei für den Notfall immer noch ein sehr überzeugender Assistent bereit steht – die Fahrdynamikregelung ESP, die beim Forfour Serienausstattung ist, und zwar für alle Versionen.

Überzeugende Automatik

Schalten kann man den Smart entweder mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe nur von Hand oder aber einem automatisierten Sechsgang-Schaltgetriebe entweder durch Antippen des Schalthebels oder von Wipptasten am Lenkrad von Hand oder diese Arbeit auch einer Automatik überlassen. Und die erfüllt ihre Aufgaben beim Forfour nun erheblich besser als noch beim Fortwo. Gewiss, automatisierte Schaltgetriebe brauchen immer ein wenig Zeit fürs Schalten – doch so, wie die Automatik jetzt arbeitet, kann sie überzeugen. Wobei man als Lenker schon nach wenigen Tagen weiß, wie sie reagiert und diese Reaktionen dann gezielt beeinflussen kann.

Überzeugen kann der Forfour auch beim Platzangebot. Natürlich sitzt man hier nicht so extrem komfortabel wie beim Fortwo – aber der Platz ist großzügig vor allem auch im Fond, wobei man das Angebot hier dank der um 15 Zentimeter längs verschiebbaren Rückbank variieren kann. Und variieren kann man damit zugleich auch den Gepäckraum – zwischen 288 und 330 Liter. Und wenn das nicht reicht, lassen sich durch Umlegen der asymmetrisch geteilten Rückbank bis zu 910 Liter erhalten.

Was noch gefiel: die interessante Materialwahl im Interieur, die drei Dachkonstruktionen vom normalen Dach übers Panorama-Glasdach bis zum großen Glasschiebedach, die vielen Ausstattungsmöglichkeiten, die man bislang nur aus der Oberklasse kennt, das akzeptable Preisniveau und das Startmodell Blackbasic mit einem Einstiegspreis von nur 11 700 Euro – der neue große Kleine von Smart dürfte Karriere machen.

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