Schule : So richtig entspannen – Krafttraining in Schweden

Das Cabrio C 70 ist Volvos schönstes Auto, der XC 90 das meist verkaufte der Marke. Für beide Modelle gibt es neue, starke Motoren – und mit denen lässt es sich sommerlich relaxt durch die Heimat der Autobauer reisen

Ralf Schönball

In den grünen Tälern reihen sich die schmalen Seen zu blauen Ketten auf. Dichte Wälder liegen dazwischen. Auch einige staubgraue Straßen sind zu erkennen. Sie führen, bald auf bald ab, zu Häusern mit kupferroten Fassaden, die versprenkelt in den Tälern liegen. Die Chartermaschine ist im Landeanflug auf Göteborg. Eine Piste ist nicht zu erkennen. Die Wipfel der Fichten und Kiefern greifen nach dem Rumpf der Maschine. Beim Sinkflug auf Göteborg ergeht es Passagieren ähnlich wie beim Anflug auf Tegel: Erst wenige Meter über dem Boden ist die Schneise plötzlich da, zwischen Wäldern und Seen, inmitten eines Häusermeers.

In der zweitgrößten Stadt Schwedens zeigt Volvo zwei überarbeitete Modelle, den C70, das Cabrio mit Stahldach, und den XC90, den erfolgreichen SUV. 400 Kilometer liegen vor uns und den neuen Motoren; dem 180 PS starken Turbo-Diesel-Motor im Cabrio sowie dem 238 PS starken Benziner im XC90. Eine schöne Aufgabe in einem malerischen Land, dessen Straßen zum Dahingleiten einladen. Dafür sind beide Modelle wie geschaffen, das eine auf Augenhöhe der Passanten, das andere mit Blick auf den Horizont.

Unsere Fahrt beginnt im Hotel Rada Säteri. In der klassizistischen Sommerresidenz aus dem 18. Jahrhundert hängen Stillleben und Jagdgewehre – neben Bildern von George W. Bush und Albert Einstein. Der Physiker hat hier übernachtet, bevor ihm in Oslo der Nobelpreis überreicht wurde. Bush soll hier wegen der guten Küche gestoppt haben. „Und weltberühmt wie die Gäste des Hauses sind unsere Fahrzeuge C70 und XC90“, sagt eine Mitarbeiterin beflissen.

Der C70 ist Coupé und Cabrio zugleich: Die drei Teile des Stahldachs verschwinden auf Knopfdruck im Kofferraum, schlucken dabei aber die Hälfte des 404 Liter großen Stauraums. Für zwei Reisetaschen mit dem Nötigsten fürs Wochenende reicht es bei offenem Fahren gerade so. Gut, dass der Wagen ein vollwertiger Viersitzer ist und Platz im Fonds bietet – die Techniker versichern sogar: Die Rückbank biete die größte Bein- und Kopffreiheit in der Fahrzeugklasse, zu der auch BMWs 3er und der A4 von Audi zählen.

Mit den ersten Schwierigkeiten ringen wir, nachdem das Dach im Kofferraum verschwunden ist: Der Motor will nicht starten. Ähnlich ergeht es Kollegen neben uns. Geduld und ein Blick auf das Display zwischen Tacho und Drehzahlmesser helfen weiter: „Roof boot not locked“ ist dort zu lesen; eine Plastikschale im Kofferraum war nicht heruntergedrückt. Auch das zweite Hindernis ist schnell überwunden: „Immobiliser“ mahnt das Display und verweist auf das Handbuch. Der Chip, der die Zündung blockiert, hat nicht reagiert. Schlüssel rausziehen und wieder rein – und der Wagen startet.

Das „Dieseln“ hat Volvo dem neuen turbogeladenen Fünfzylinder im Cabrio nicht ganz abgewöhnt – aber ähnlich wie bei Audis A4-Cabrio mit Dieselmaschine ist bei warmem Motor davon fast nichts mehr zu hören. Typisch Diesel eben – so wie der kräftige Anzug aus geringen Drehzahlen. Ein bisschen überrascht uns dennoch das „Turboloch“, eine kurze Verzögerung beim beherzten Tritt aufs Gaspedal, bevor das Triebwerk seine ganze Kraft entfaltet.

Vom Landhaus geht es über die Autobahn weiter. Links liegen Achterbahn und Riesenrad. Unter einem strahlend blauen Himmel nehmen wir Kurs Richtung Norden – das zeigt ein grünes „N“ am Rand des Rückspiegels an. Wir cruisen über die Autobahn und ziehen noch schnell das Windschott hoch. Offen ist der C70 die reine Entspannung: Bei Geschwindigkeiten zwischen 100 und 130 Stundenkilometern braucht man die Stimme nicht anzuheben, um Windgeräusche zu übertönen. Allenfalls am Nacken zieht es ein wenig. Diesem cabriotypischen Lüftchen kam bisher nur Mercedes mit dem Einbau von Warmluftdüsen auf Schulterhöhe bei. Doch braucht man das wirklich?

Hinter Göteborg wechseln wir auf die Landstraße. Die Wiesen blühen gelb, Butterblumen und Löwenzahn, oder lila, Flieder und andere wild wachsende Pflanzen. Pferde grasen auf den Weiden in sanft ansteigenden Tälern, die vor scharfkantigen Felsen abrupt enden. Am Ende einer lang gezogenen Kurve liegt ein See. Unser Fahrkurs führt am Ufer entlang zu einer Brücke, und von dort reicht der Blick grenzenlos in die Weite des Wassers.

Am Abend ist Smogen erreicht. Das Dorf liegt am äußersten Ende der Westküste, die hier wie eine Halbinsel in den „Skagerrak“ hineingreift. Wer hier in See sticht, erreicht Dänemark, oder England, wenn er etwas nördlicher steuert. Es ist eine raue Küste aus grauen Felsen. Die Häuser stehen auf Pfählen. Nicht nur am Hafen. Auch in den Stein werden Stützen hineingeschlagen, um dem Fundament Halt zu geben. Ein Ort zum Träumen, schön und abgelegen – wie der Schalter zum Ausfahren des Navigationsgerätes, das im Armaturenbrett des C70 eingelassen ist. Der Joystick dafür liegt hinter dem Lenkrad und ist, jedenfalls für Volvo-Neulinge, extrem gewöhnungsbedürftig.

An der felsigen Küste vor Smogen drängen sich die Häuser geduckt aneinander, als suchten sie Schutz vor der See. Vom Hafen schippert uns ein Boot zum Ufer-Restaurant, hier essen Reisende, was die Region an Köstlichkeiten zu bieten hat: Krebs, Muscheln, Hummer und Crevetten, dazu gibt es Schnaps und Wein. Nach einigen Gläsern ist in den Gesprächen bald auch Raum für Erinnerungen, etwa an den eigenen orangefarbenen Volvo 142, kastenförmig wie in den Siebzigerjahren üblich, unverwüstlich und in den 80er Jahren für 400 Mark erstanden. Auch an spätere „Gebrauchte“ erinnert man sich gerne: Schnelle, leichte Fahrzeuge, mit weniger Komfort, aber mehr Spritzigkeit als viele technisch ausgefeilte, aber schwere Luxuslimousinen heute. Ein Volvo-Manager schwärmt von seinem Golf I GTI. 110 PS bewegten damals gut 800 Kilogramm. Zwei Tonnen wiegt der C70 heute. Und er schwärmt von dem BMW 2002 tii seines Vaters. Den hatte der Senior mit Sicherheitsgurten nachgerüstet, und der Sohn musste erleben, wie man dem Vater im Dorf „Feigling“ hinterherrief. Heute machen Gurte, Airbags, Querträger aus Boronstahl und Längsträger an der Tür den Volvo noch sicherer als viele andere Fahrzeuge.

Das Abendessen endet, bevor es dunkel wird, und einige Nachtschwärmer hüllen sich sogar noch lange nach 23 Uhr in das graue Licht der schwedischen Nacht. Nur wenige Stunden wird es dunkel in dieser Jahreszeit. Die Dämmerung kündigt den neuen Morgen in diesen Breitengraden bereits vor fünf Uhr an.

Am nächsten Tag klettern wir in die Fahrerkanzel des XC90. So lange kein anderes Fahrzeug dieser Größenordnung voranfährt, ist der Blick von hier aus fast so gut wie von einem Hochsitz. Zur Jagd anderer Wagen eignet sich das schwere Fahrzeug trotz des großen Sechszylinders nicht – er ist ein Reisewagen. Dabei gibt einem der neue 238-PS-Motor aber das Gefühl, die Muskeln spielen lassen zu können, wenn es denn notwendig wäre. Meist ist es das nicht, und so genießen wir bei moderatem Tempo unsere Fahrt in einem rollenden Salon. Die Bestuhlung ist mit besonders weichem Leder bespannt. Viel edles Holz gibt es im Innenraum. Queen feiert ihre Bohemian Rapsody, 600 Watt drücken den Klassiker kraftvoll durch zwölf Lautsprecher. Dazu läuft dann auch noch ein Video – denn wir setzen gerade zurück, und um Rempler zu vermeiden, spielt eine Kamera im Heck Bilder vom Geschehen hinter dem Fahrzeug auf das Display des Navigationsgeräts.

Auch sonst ist der Komfort im XC90 klassengerecht: Die Steuerung von Tempomat, Musik und Telefon erfolgt über Schalter, die direkt am Lenkrad angebracht sind. Mit einem Drehknopf am Lichtschalter werden Reichweite, durchschnittliche Geschwindigkeit und Verbrauch in das Display eingeblendet. Das dürfte im Alltag den Fahrer davon abhalten, allzu oft beherzt aufs Gaspedal zu steigen: Denn dann steigt der Verbrauch rasch um einen Liter auf durchschnittlich 15 Liter. Vielleicht spielt das aber auch keine Rolle für Käufer, die sich den Spaß mindestens 45 000 Euro kosten lassen.

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