Schule : Sofa auf Rädern

Ein Buch erzählt die Geschichte von 50 Jahren Isetta

Harald Olkus

Zuhause vor unserer Dorfkelter stand jahrelang eine alte Isetta, schon halb vom Gras überwuchert. Das türkisfarbene „Ei auf Rädern“ fuhr keinen Meter mehr, aber als Spielplatz für uns Kinder war es prima. Die vorne liegende Tür aufzuschwenken war wie die Tür eines dieser riesigen alten Kühlschränke zu öffnen. Doch dann kam erst das eigentlich spannende. Das Lenkrad schwenkte mitsamt der Tür zur Seite und wir standen vor einem überdachten Sofa mit Rädern. Einsteigen, Türe schließen, losfahren: Mit der Isetta ging ich auf meine ersten imaginären Reisen.

Rechtzeitig zum 50. Geburtstag der ersten BMW Isetta hat der Archivar des Isetta Clubs, Manfred Seehusen zusammen mit Andy Schwietzer eine Geschichte des schrulligen BMW-Kleinwagens zusammengestellt. Üppig bebildert mit Werbeplakaten, Entwurfszeichnungen, „Röntgenbildern“ und Fotos von Isetten aus aller Welt – darunter eine Pick Up-Isetta aus Chile, eine akribisch restaurierte auf einer Tokioter Straße und ein Kreuzungsunfall zweier „Knutschkugeln“ in einer deutschen Kleinstadt, die für eine der beiden auf dem Dach liegend endete.

Erfunden wurde das Auto in Italien. Renzo Rivolta, Hersteller von Kühl- und Heizgeräten, Motorrollern und kleinen Motorrädern, stieg 1954 ins Automobilgeschäft ein, mit der in der Nachkriegszeit äußerst attraktiven Idee, ein Fahrzeug zu bauen, das die Annehmlichkeiten eines Autos mit den Betriebskosten eines Motorrades verband. Die Idee hatten auch andere: Glas Goggomobil, Heinkel Kabinenroller, Lloyd 250. Doch die Isetten waren charmanter. Rivolta konnte sich deshalb vor Anfragen von Lizenznehmern kaum retten: Nachbauten des Kleinwagens wurden in Spanien, Frankreich, Brasilien, Großbritannien und Deutschland hergestellt. Der deutsche Lizenznehmer war BMW, der sich mit der Produktion der Isetten aus einer ziemlich klammen wirtschaftlichen Lage verhalf.

Die Autoren erzählen die Haupt- und Nebengeschichten der Isetta. Sie konzentrieren sich auf die BMW-Werksgeschichte. Ausführliche technische Detailschilderungen zeigen die Kenntnistiefe der Autoren – und wer es nicht ganz so genau wissen will, kann sich an der üppigen Bebilderung erfreuen.

Manfred Seehusen und Andy Schwietzer: Isetta. Ein Auto bewegt die Welt. Bodensteiner Verlag. 192 Seiten, 300 Bilder, 29,90 Euro. Das Buch gibt’s im Buchhandel, zum Beispiel bei „Öldruck“ (www.oeldruck.de).

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