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Sommerschule : Zündende Ideen

03.07.2012 00:00 Uhrvon
Was die Welt zusammenhält. Um Aggregatzustände und die Untersuchung „granularer Materie“ wie Sand ging es bei einem der Projekte auf Scharfenberg.F: Klaus-Dieter BernekingBild vergrößern
Was die Welt zusammenhält. Um Aggregatzustände und die Untersuchung „granularer Materie“ wie Sand ging es bei einem der Projekte auf Scharfenberg.F: Klaus-Dieter Berneking

Raketenforschung und Globalisierung, Yoga und Paddeln: Auf der Insel Scharfenberg ging es um „Alles, was die Welt bewegt“ Bei der Junior-Akademie erweiterten 60 Hochbegabte neun Tage lang ihr Wissen – und entspannten sich.

Ein Thunfisch entscheidet besser mit der Intelligenz seines Schwarms als ganz allein, ob es Zeit ist zu fliehen. Der Programmierbefehl „OnFwd (OUT_AB,75)“ bewegt einen Fußballroboter nach vorne. Und in Brennstoffzellen von Motoren hilft ein Katalysator den Teilchen beim Zusammenkommen.

„Alles, was die Welt bewegt“ war der Oberbegriff für die fünf Kurse der diesjährigen Berliner Junior-Akademie „Humboldt am Scharfenberg“. Neun Tage lang haben sich 60 Schüler der siebten bis neunten Klassen gemeinsam auf der Schulfarminsel Scharfenberg im Tegeler See unter anderem mit Fortbewegung, Mobilität und Globalisierung beschäftigt. Sie haben Transportszenarien für das Jahr 2050 entworfen, Berliner Forschungseinrichtungen besucht und UN-Verhandlungen zwischen Afrika, Asien, Lateinamerika und Europa simuliert.

Daneben haben sie musiziert, Fernsehbeiträge gedreht oder ihre Rhetorik geschärft. Auch Paddeln, Yoga und Entspannungsübungen standen auf dem Programm. Am Freitag, während die Koffer noch im Kleintransporter vor der Humboldt-Universität warteten, haben die Schüler im Audimax ihren Eltern und Förderern die Ergebnisse präsentiert.

„Um Himmels willen, die Kinder lernen in den Ferien!“ Das sei eine häufige Reaktion auf ein Förderangebot in der Sommerzeit, sagt Hans-Jürgen Werner. Er ist Pädagogischer Koordinator am Humboldt-Gymnasium in Berlin-Tegel, unterrichtet Physik, Mathematik und Informatik und leitet seit 2008 die Berliner Junior-Akademie. Ihm ist eine Atmosphäre wichtig, „in der die Kinder sein dürfen, wie sie sind“. Das heiße: Spaß zu haben am Lernen und danach herumzubolzen und Fußball zu spielen. Oft werde getrennt zwischen dem „lernenden Kind“ und dem „spielenden Kind“ – obwohl beides für ihn eigentlich zusammengehöre, sagt er. Auch außerhalb der Junior-Akademie gebe es viele Kinder, die in den Ferien ganze Bibliotheken leer lesen oder bei einer Urlaubsreise alles Neue aufsaugen. „Es ist ein kontinuierlicher Lernprozess“, sagt Werner.

„Bis zu 32 Meter ist die Wasserrakete geflogen“, erzählt der 13-jährige Eric vom Otto-Nagel-Gymnasium in Biesdorf begeistert, je nach Verhältnis von Wasser und Luft in der Plastikflasche. An der Junior-Akademie können Schüler teilnehmen, die entweder von ihrer Schule, von einem Psychologen oder einem Förderverein für Hochbegabte empfohlen werden oder die eine sogenannte „Schnellläufer-Klasse“ besuchen. „Stresslos“ seien die Tage gewesen, sagt Eric: „Wie Ferien, nur dass man dabei etwas lernt.“ Eric konnte selbst entscheiden, wann er mitschreibt und wann er lieber nur zuhört. Am besten hat ihm gefallen, dass die Gruppen viel kleiner waren als in der Schule. So war es möglich, im Kurs viele Fragen zu stellen und „auch mal abzuschweifen“, wenn etwas spannend war. Auch Themen, die er schwierig findet, wie zum Beispiel die Solarzelle, konnten sie vertiefen und Zusammenhänge herstellen. Im Schulunterricht bleibe meist nur Zeit für Verständnisfragen.

„Hochbegabte Schüler lernen sehr komplex und sprunghaft“, meint Hans-Jürgen Werner. „Sie möchten ganz viel wissen und weiten ein Gebiet schnell aus.“ Unter großen Gruppen und linearem Aufbau der Lerninhalte würden sie eher leiden. In der Junior-Akademie betreuten bisher zwei Kursleiter eine Gruppe von zwölf Kindern. Dieses Jahr war es nur einer, denn es stand nur die Hälfte der Mittel zur Verfügung. Die Junior-Akademie wurde in diesem Jahr über Sondermittel der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft des Landes Berlin finanziert. Die kursübergreifenden Angebote Musik, Akademie-TV und Rhetorik wurden durch zusätzlich Spenden ermöglicht. Für nächstes Jahr ist eine Kooperation mit Studierenden der Professional School of Education an der HU angedacht, um wieder ein besseres Betreuungsverhältnis zu erreichen. Ab 2014 soll das Budget der Junior-Akademie im Landeshaushalt verankert werden. Katharina Ludwig

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