Sozialpädagogik an der Schule : "Gymnasialschüler leiden unter dem Leistungsdruck"

Die Spandauer Freiherr-vom-Stein-Oberschule hat eine Sozialpädagogin verpflichtet – eine Premiere. Die neue Kollegin soll eine Vertrauensperson für die Schüler sein und präventiv wirken.

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Die Neue. Christiane Schaumann-Richarz, Lehrerin Samira Hauswaldt und Annette Just (von links nach rechts). Foto: Thilo Rückeis
Die Neue. Christiane Schaumann-Richarz, Lehrerin Samira Hauswaldt und Annette Just (von links nach rechts). Foto: Thilo Rückeis

Anfangs geht Christiane Schaumann-Richarz von Klasse zu Klasse, stellt sich den Schülern vor und spricht mit den Lehrern. „Ich will den Schülern zeigen, dass ich ihnen bei Problemen helfen kann und dass sie jederzeit zu mir kommen können“, sagt die 58-jährige Sozialpädagogin. Sie hat lange Jahre mit Jugendlichen in betreuten Wohnprojekten und mit Grundschülern gearbeitet. Seit einer Woche nun ist sie am Spandauer Freiherr-vom-Stein- Gymnasium viermal wöchentlich je vier Stunden im Einsatz – als erste Berliner Sozialpädagogin, die zum Team eines „Halbtagsgymnasiums“ gehört. Schaumann-Richarz will künftig als Vertrauensperson bei Konflikten der Schüler vermitteln und vor allem präventiv wirken. Sozialpädagogen sind in Berlin bisher nur nur an Ganztagsgymnasien, Grund- und Sekundarschulen vorgesehen.

Annette Just, die Initiatorin des Projekts „Schulsozialpädagogik an Gymnasien“, hält diese fest verankerten Unterstützer nicht nur an Brennpunktschulen für unverzichtbar. „Auch Gymnasialschüler haben Schwierigkeiten mit dem Leistungsdruck, mit Lehrern oder im Elternhaus“, sagt Just. In Münster startete sie 2002 ein Pilotprojekt und gründete den Verein Institut für Sozialpädagogik (ISSP). Fünf Gymnasien in Münster wollen heute nicht mehr auf ihre Sozialpädagogen verzichten.

Auch in Berlin finden bereits regelmäßige Informationsveranstaltungen für Schulleiter, Lehrer und Sozialpädagogen statt. Inzwischen ist das ISSP mit einem Team vor Ort vertreten, es gibt Möglichkeiten zur Weiterbildung. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der FU, an der Annette Just jetzt einen Lehrauftrag hat. Um das Thema „Schulsozialpädagogik“ in die Lehrerausbildung zu integrieren, leitet sie am Fachbereich Erziehungswissenschaften und Psychologie Seminare etwa zu „Intervention und Lehren – Methoden pädagogischen Handelns“. „Das Thema stößt bei den Studenten auf großes Interesse“, sagt Just.

Die Freiherr-vom-Stein-Schule hatte sich als erste in eine Interessentenliste des ISSP eingetragen – nun startete hier das Projekt. „Christiane Schaumann-Richarz wurde vom gesamten Kollegium mit offenen Armen empfangen“, sagt Schulleiter Norbert Ferch. Trotz eines guten Schulklimas machten Probleme auch vor seinen Schülern nicht Halt: Dazu gehörten etwa Versagensängste, die Trennung der Eltern, Umzüge oder auch ein Todesfall in der Familie. Ferch betrachtet die Sozialpädagogin deshalb als Ansprechpartnerin für Schüler, Lehrer sowie Eltern – und als große Bereicherung.

Finanziert wird Schaumann-Richarz’ Stelle mit 12 000 Euro vom ISSP und durch Sponsoren. Wegen des großen Interesses der Schulen an dem Projekt, dessen Konzept auch von der Senatsschulverwaltung begrüßt wird, sollen weitere Gymnasien Unterstützung erhalten. Dafür wird jetzt bei Unternehmen und Stiftungen geworben. Katja Gartz

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