Schule : Sparen im Windschatten der Luxusschlitten

Natürlich sind die teuren Sportwagen die Stars dieser Messe. Aber die größten Zuwächse im Verkauf haben in Deutschland die Kleinwagen

Michael Friedrich,Marion Trimborn

Der Spagat könnte nicht größer sein. Auf dem Autosalon in Paris tummeln sich bis zum kommenden Dienstag elegant geschnittene Luxuskarossen, blank polierte Sportwagen und breite Geländefahrzeuge gleich neben biederen Familienkutschen und sparsamen Kleinwagen. Die optischen Hingucker locken auf der weltgrößten Publikumsmesse für Autos zwar viele Zuschauer an – doch beim Händler schauen Kunden beim Neuwagen nicht nur auf Prestige und Pferdestärken. Preis und Verbrauch werden wichtiger. In Zeiten hoher Benzinpreise entscheidet bei immer mehr Kunden der Geldbeutel. Die Autohersteller reagieren: Sie stellen sich breiter auf und versuchen für jeden Geschmack etwas im Angebot zu haben.

Viele Hersteller von Honda bis Saab haben mittlerweile Hybrid-Wagen. Am zögerlichsten bei dieser Kombination aus Benzin- und Elektromotor sind bislang die deutschen Hersteller; sie setzen vor allem auf sparsame Diesel. Auch die Amerikaner, bislang eher weniger bekannt für spritsparende Autos, besinnen sich auf Alternativen, nachdem ihnen auf dem heimischen Markt die Kunden davonlaufen. „Die US-Verbraucher werden den Diesel wiederentdecken“, sagt Chrysler-Vorstand Eric Ridenour. Er traut den Dieselmotoren in den USA bis zum Ende des Jahrzehnts 15 Prozent Marktanteil zu.

Auch günstige Kleinwagen verkaufen sich immer besser. In Deutschland wächst das Billigsegment der Autos unter 10 000 Euro. Von Januar bis August wurden laut Kraftfahrtbundesamt knapp 100 200 der kleinen Wagen zugelassen – 18 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das entspricht einem Marktanteil von 4,5 Prozent. Klare Nummer eins ist der Fox von VW; in der Rangliste folgen die baugleichen Drillinge Citroën C1, Toyota Aygo und Peugeot 107. „Wegen zu niedriger Margen wurde das Segment jahrzehntelang vernachlässigt“, sagt Autoanalyst Eric Heymann von der Deutschen Bank. „Jetzt haben die Hersteller es wiederentdeckt.“ In Paris zeigt Opel den Kleinwagen Corsa, der ab diesem Wochenende auch in Berlin für 10 990 Euro in den Läden steht. Die Renault-Billigtochter Dacia erweitert die Familie des Einfach-Autos Logan um eine interessante Kombiversion. Der fünftürige Kombi aus Rumänien steht ab Frühjahr in den deutschen Autohäusern und ist ab 8500 Euro zu haben. Der billige Kompaktwagen mit wenig Technik kommt vor allem in Osteuropa an, während er in Westeuropa nach einem desolaten Crash-Test Anlaufschwierigkeiten hatte.

Wer es dann doch etwas sportlicher mag, kann mittlerweile auch zwischen einer ganzen Reihe kleiner Autos mit großen Motoren wählen. Toyota stellt in Paris den Yaris TS vor, eine sportliche Version seines Erfolgsmodells. Der Kleinwagen hat 132 PS und soll knapp 200 Kilometer pro Stunde schnell sein. Damit folgt Toyota dem Beispiel anderer Hersteller wie zum Beispiel Renault mit dem Clio Sport oder VW mit dem Polo GTI.

Doch eine Automesse wäre keine Automesse, gäbe es nicht auch die Freude an Leder, Edelholz, blitzendem Chrom und röhrenden Motoren. Porsche zum Beispiel präsentiert drei neue Modellvarianten des 911, BMW das 6er Cabriolet und Mercedes das Luxus-Coupé CL 63 AMG. Und bei Autos, die schnell mehr als 100 000 Euro kosten können, interessieren höhere Spritpreise allenfalls am Rande. „Der Spritpreis ist egal. Da spielt mittlerweile das ökologische Gewissen eine größere Rolle“, sagt ein Mitarbeiter eines deutschen Anbieters. Spritschleudern mit einem Verbrauch von 20 Litern oder mehr seien einfach nicht mehr salonfähig. Selbst Audi legte bei der Präsentation seines neuen Sportwagens mit 420 PS Wert auf die Feststellung, dass der R8 im Schnitt nur 11,9 Liter verbrauche.

Genau diese 11,9 Liter weniger verbraucht das Winzmobil „Eclectic“ des monegassischen Sportwagenherstellers Venturi, angetrieben von einem Elektromotor, der seinen Strom von einer 2,5 Quadratmeter großen Solarzelle auf dem Dach bezieht. Der „Solar Shuttle“ (22 PS, Reichweite sieben Kilometer) ist als Kleinserie geplant – für 28 000 Euro.dpa

Aston Martin für Vermögende: Der Rapide (o.) könnte in rund zwei Jahren in Serie gebaut werden – mit Zwölfzylinder-Motor, sechs Litern Hubraum und 480 PS.

Audi bringt seinen R8

(re. u.) mit 420 PS starkem V8-FSI-Mittelmotor, permanentem Allradantrieb Quattro und Aluminiumkarosserie. Bestellbar ist der Audi R8 seit dem 28. September 2006, die ersten Auslieferungen erfolgen im ersten Halbjahr 2007. Der Grundpreis für den R8 liegt bei 104 400 Euro.

Ferrari engagierte für die Studie „P 4/5“ Stardesigner Pininfarina. Und der ließ sich von Modellen aus den sechziger Jahren inspirieren.

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