Schule : Spaß mit Zungenbrechern

Beim „Kidstheatre“ können Schüler spielerisch Englisch lernen

Jan Oberländer

„Good morning, children“, sagt die neunjährige Hanna laut und rückt ihre plüschige Lehrerinnenmütze zurecht. „Please show me your animals!“ Und plötzlich ist im Klassenraum die Hölle los. Katzen und Hunde springen wild kreischend durcheinander, dazwischen wuselt eine Maus herum. „Help!“, ruft eine Schülerin verzweifelt, „the cat is eating my mouse!“

In Wirklichkeit ist kein Tier in Gefahr. Die sechs Drittklässler, die die Gymnastikhalle der Privaten Kantschule in Steglitz vorübergehend in ein englisches Klassenzimmer verwandelt haben, spielen bloß Theater. Ihre Spielleiterin, die Theaterpädagogin Anja Naomi Decke, hatte den Kindern zuvor eine Geschichte vorgelesen, in der einige wild gewordene Tiere eine Schule auf den Kopf stellen – die Grundlage für die Szene. Nachdem die Handlung geklärt und die Rollen verteilt sind, geht das Spiel los. Nach dem ersten Durchgang lässt Decke die Kinder einen Sitzkreis bilden: „How did everything work out?“ Die Kinder diskutieren auf Englisch, auf Deutsch, manchmal gemischt.

Anja Decke ist keine Lehrerin. Als externe Expertin wird die Tochter eines Deutschen und einer Amerikanerin von der Schulleitung engagiert und von den Eltern bezahlt. „Spielerisch Englisch lernen durch Theater“ – das ist das Konzept. Schon 2008 hat die 33-Jährige ihr „Kidstheatre“ an der Kantschule angeboten, die Abschlussaufführung kam super an. Fünf Kurse gibt Decke in diesem Jahr an der Schule, je ein Mal pro Woche. Die eingeübten Szenen sollen im Frühjahr bei den Feierlichkeiten zum Schuljubiläum aufgeführt werden.

Schon auf der Schauspielschule hat Decke sich für Pädagogik interessiert. Nach ihrem Abschluss 2004 betreute sie Kinder auf einer Jugendtheatertournee. Da wurde ihr klar: „Ich habe einen guten Draht zu Kindern und Jugendlichen.“ 2005 betreute sie ihre erste „Kidstheatre“-Gruppe, seitdem hat sie hauptsächlich mit Kindern zwischen vier und zehn Jahren gearbeitet. Interessierte Schulen, Institutionen und Privatleute können sich aber auch mit Kurswünschen für Jugendliche bis 18 Jahre an sie wenden. Vom Schnupperworkshop bis zur Ganzjahresbetreuung ist vieles möglich. Die Preise richten sich nach Gruppengröße, Kurslänge, Aufwand.

Das Konzept scheint zu funktionieren. Der achtjährige Nicolas sagt: „Ich kann immer schneller Englisch sprechen.“ Vielleicht liegt das auch an den Konzentrationsübungen und Sprachspielen, die Decke mit den Kindern macht. Wer meistert den Zungenbrecher „Sally sells sea shells at the sea shore“? Vokabelfragen werden natürlich auf Englisch geklärt.

Kant-Schulleiter Nikolaus Harloff lobt Deckes Arbeit. Die Kurse bedienten eine Nachfrage bei den Eltern und „helfen der Schule, sich abzuheben“. Vor allem aber sei „Kidstheatre“ insbesondere für die Grundschüler „ein zusätzlicher Anlass, die englische Sprache zu üben“. Was sich wiederum im regulären Englischunterricht bemerkbar macht. Jan Oberländer

Die Seite von Anja Decke im Netz: www.kidstheatre.de

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