Schule : Spiel mit mir!

Trainer der großen Profiklubs unterrichten jetzt an 20 Schulen. Zum Auftakt des Projekts kamen auch die Maskottchen.

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Als die Männer mit den riesigen Kostümen in die Halle wanken, ist es mit der Ordnung im Sportunterricht in der Reinhardswald-Grundschule vorbei. Nun wimmeln die Erst- und Zweitklässler um die Maskottchen herum, zupfen am großen Albatros. Ein kleiner Junge hat sich den Schaumstoffmorgenstern von Ritter Keule, dem Maskottchen von Fußballzweitligist 1. FC Union, geschnappt und traktiert damit zum Spaß den großen Eisbären – den Mann, der sonst vor den Spielen des deutschen Eishockeymeisters für Stimmung in der Halle sorgen soll. Die prominenten Zuschauer in der Halle haben ihren Spaß. Eisbären-Manager Peter John Lee sagt zu Michael Preetz, seinem Kollegen von Hertha BSC: „Michael, vielleicht schicken wir einfach immer unsere Maskottchen vorbei und keine Trainer.“

Das wird natürlich nicht passieren, denn die Aktion in der Kreuzberger Grundschule hat einen seriösen Hintergrund. Die sechs Manager der großen Berliner Profiklubs Hertha, Union, Eisbären, Alba, Füchse und BR Volleys sind am Montagmorgen vorbeigekommen, um gemeinsam mit der Schulleitung und der Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) ihr Projekt „Profivereine machen Schule“ zu präsentieren. Mit 300 000 Euro unterstützt der Senat das im Bundesgebiet bislang einmalige Vorhaben, in dessen Rahmen künftig Trainer der Berliner Profiklubs in Schulen lehren sollen. 20 Berliner Schulen sind beteiligt, 16 Stunden pro Woche sollen die Trainer jeweils an den Schulen verbringen.

Für Scheeres ist die Kooperation mit den Vereinen eine „Qualitätssicherung des Unterrichts“. Zudem sollten sich außerschulische Veranstaltungen wie Feriencamps und Arbeitsgemeinschaften aus der Zusammenarbeit ergeben, sagt die Senatorin. Für Werner Munk, Schulleiter der Reinhardswald-Grundschule, ist „Schule Pflichtveranstaltung, Sport eine freiwillige Veranstaltung“. Von dem Projekt könnten nun Schulen und Klubs profitieren. „Das passt zusammen, es ist für beide Seiten eine Verpflichtung.“ Es gehe aber nicht darum, den Nachwuchs früh an den Profisport heranzuführen. Natürlich würden Sechsjährige jetzt nicht Basketball oder Eishockey spielen, vielmehr sollten Kinder an den Sport herangeführt werden, sagt Henning Harnisch, Vizepräsident von Alba Berlin. Der Basketball-Klub hatte bereits das Modell „Alba macht Schule“ initiiert. Das nun größere Projekt mit den anderen großen Berliner Klubs ist daran angelehnt. Harnisch sagt: „Kinder- und Jugendsport haben generell zu wenig Öffentlichkeit.“ Das sei ein Fehler. „Es ist wichtig, dass wir in der Schule die Grundlagen für den Sport legen.“

Von allen anwesenden Klubvertretern gibt es am Montagmorgen warme Worte, Harnisch spricht gar von der „Größe des Augenblicks“. Zudem würdigt Hertha-Manager Preetz die „soziale Komponente“ des Projektes. Kinder und Jugendliche seien das „höchste Gut einer Gesellschaft“. Bob Hanning, Manager der Füchse Berlin, geht es etwas hemdsärmeliger an: „Von zehn Jugendlichen die straffällig werden, haben neun nie eine Ballsportart gemacht.“

Ganz ohne Reibung ist so ein Projekt allerdings auch nicht zu realisieren. Schulleiter Munk sagt, der Lehrer gebe „ein Stück seiner Souveränität auf“, wenn ein professioneller Trainer in den Sportunterricht komme. Es gebe Schulen, an denen das gerne gemacht werde, aber auch Schulen, an denen dem Vorhaben Skepsis entgegengebracht werde. 20 Schulen seien aber ein guter, großer Anfang.

Bildungssenatorin Scheeres ist wichtig, dass das Projekt „keine Konkurrenz zu Sportvereinen“ darstellt. Ab der dritten Klasse wollen die Klubs aber auch Angebote außerhalb des Unterrichts anbieten. Zudem ist von Kooperationsmöglichkeiten „über den Sport hinaus“ die Rede. Wie das im Einzelnen aussieht, scheinen Senat, Schulen und Klubs noch nicht bis ins Detail durchgeplant zu haben.

Aber erst einmal ist ein Anfang gemacht am Montag in Kreuzberg. Natürlich wissen viele der jungen Schülerinnen und Schüler am Montagmorgen in der Schule an der Gneisenaustraße, von welchen Klub die Maskottchen kommen. Es ist ihrem munteren Gekreische zu entnehmen, und dann dürfen sie auch noch im Slalom um die Figuren herumrennen. Lustiger geht Sportunterricht kaum. Das Projekt könnte eine Symbiose werden. Denn: Unbekannter werden Hertha und Co. durch das Projekt sicher nicht. Aber sie geben ja auch etwas dafür.

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