Sport in der Schule : Mit den Kleinen hoch hinaus

Der Basketball-Bundesligist Alba arbeitet seit vier Jahren mit Profitrainern in Berliner Grundschulen. Acht Berliner Schulen kooperieren inzwischen mit dem Verein.

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Alba-Trainer Markus Kodi arbeitet mit den Erstklässlern der Pankower Grundschule am Planetarium.
Alba-Trainer Markus Kodi arbeitet mit den Erstklässlern der Pankower Grundschule am Planetarium.Foto: Mike Wolff

Durch die Sporthalle der Pankower Grundschule am Planetarium toben die Erstklässler. Mitten im Getümmel steht ihre Lehrerin Heidrun Sielisch, ein paar Meter weiter Markus Kodi – der 37-Jährige ist Sportwissenschaftler und Trainer in der Jugendbasketball-Bundesliga. Heute jedoch hilft er den Fünf- und Sechsjährigen, wenn das Balancieren über die Bänke nicht gleich klappt und macht den Kindern auch mal vor, wie sie eine Rolle vorwärts auf den Matten hinbekommen. Markus Kodi arbeitet 14 Stunden wöchentlich in der Grundschule – als Jugendtrainer.

Die Initiative dazu kam vor vier Jahren vom Berliner Basketballverein Alba. „Ein einzelner Betreuer reicht bei 30 Kindern nicht aus“, sagt Henning Harnisch, selbst ehemaliger Basketball-Nationalspieler und heute Sportdirektor des Vereins. „Wir möchten den Unterricht aufwerten, indem wir zusätzlich zu den Lehrern Trainer einbringen.“ Acht Berliner Schulen kooperieren dabei inzwischen mit Alba, acht Vereinstrainer unterstützen die Sportlehrer vor Ort. Harnisch, der das Jugendprogramm von Alba entwickelt, verfolgt damit kein geringes Ziel: „Wir möchten den Sportunterricht neu definieren.“

Das Konzept dafür, sagt er, sei aus der Praxis heraus entstanden. An rund 40 Schulen in Berlin und 30 in Brandenburg bietet Alba Basketball-AGs an – innerhalb der Schulzeit. Da die Grundschule in Berlin Ganztagsgrundschule ist und die Vereine es zunehmend schwer haben, die Jugendlichen nachmittags in ihren eigenen Trainingsbetrieb einzubinden, sei bald klar gewesen: „Die sportliche Grundversorgung muss während der Schulzeit passieren.“ Vor vier Jahren sprach Alba deshalb die ersten Schulen an. Die Voraussetzungen für eine Kooperation: Eine offene Schulleitung und eine Sporthalle.

In den Klassen eins und zwei geht es nun insbesondere darum, Spaß am Sport zu vermitteln. „Jedes Kind will Sport machen“, sagt Harnisch. Die Frage sei, welche Möglichkeiten man ihm dabei biete. Ein ausgebildeter Trainer soll die Qualität des Schulsports verbessern, die Kinder begleiten und ihre Entwicklung verfolgen.

Ab der dritten Klasse wird das Training dann spezieller: Tanzen, Handball, Karate oder Basketball stehen dann etwa auf dem Programm. Bis zur sechsten Klasse werden die Sportarten vertieft. Dabei, sagt Harnisch, gehe es nicht nur darum, Basketball stark zu machen. Jedes Kind entscheide je nach Neigung, ob es künftig eher Leichtathletik trainieren oder Basketball spielen will. „Aber wir wollen Basketball möglich machen, indem wir Sport möglich machen.“

An der Grundschule am Planetarium sind die Grundlagen dafür bereits geschaffen. Zwar musste sich die Zusammenarbeit zwischen Lehrerin Heidrun Sielisch und Trainer Markus Kodi erst einspielen. „Der Unterricht war zunächst mein Hoheitsgebiet“, sagt Sielisch lächelnd. Mittlerweile findet sie jedoch, dass man hervorragend zusammenpasse: „Er bringt einfach viele neue Ideen ein.“ Auch Kodi selbst ist gern in der Schule: „Es macht Spaß, Bewegungsvielfalt zu fördern und die Kinder für den Sport zu begeistern.“

Eine Schulstunde mit Markus Kodi kostet die Schule 25 Euro. „Ehrenamtliche Jugendtrainer, wie sie in vielen Vereinen üblich sind, scheiden meist irgendwann aus dem Sport aus“, sagt Harnisch. Dadurch, dass Kodi von den Schulen bezahlt wird, sei es für Alba jedoch möglich, ihn als professionellen Jugendtrainer auch in die übrige Vereinsarbeit einzubinden. So wiederum werden die Basketball-AGs von Profis betreut. „Professionelle Trainer für Kinder haben hierzulande noch keine Tradition“, sagt Harnisch. Alba will das ändern.

In den Basketball-AGs wird seit drei Jahren eine eigene Grundschulliga gespielt, in der die Kinder- und Jugendmannschaften von rund 20 Schulen in der Zeit der Nachmittagsbetreuung gegeneinander antreten. Dennoch werde es Vereinssport weiterhin auch außerhalb der Schulen geben, sagt Harnisch. „Aber Kinder sollten ihren Sport hauptsächlich während der Schulzeit machen.“

Die Situation an der Grundschule am Planetarium lässt Harnisch, der sich ab Sommer auf eigenen Wunsch hin als Vizepräsident des Vereins ausschließlich um das Nachwuchsprogramm kümmern wird, zuversichtlich erscheinen: Hier arbeitet Alba mit Vereinen im Kiez wie etwa dem Handballverein Rotation, Judo- und Karatevereinen oder dem Fußballclub Empor zusammen.

Mit Empor denke man außerdem darüber nach, sich die Arbeit an weiteren interessierten Schulen in Prenzlauer Berg zu teilen. „Die Frage nach der Konkurrenz der Sportarten stellt sich nicht“, sagt Harnisch. „Wir möchten den Sport nicht dominieren.“ Aber man wolle Beispiele schaffen, sodass andere Vereine nachrücken und die Wahrscheinlichkeit steigern, dass mehr Kinder gerne Sport machen. Dazu in die Schulen zu gehen, sagt Harnisch, „ist aus meiner Sicht ohne Alternative.“

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