Schule : Sportliche Limousine mit Gesicht

Der neue Dreiliter-Turbodiesel des Audi A6 ist ein Sprung in eine neue Leistungsklasse

Ingo von Dahlern

Wie Bilder doch täuschen können. Denn auf vielen Fotos sah die Front des neuen Audi A6 sehr massiv aus – eigentlich sogar schon zu gewaltig. Doch als wir dann zum ersten Mal vor diesem Auto standen, hatten wir plötzlich den Eindruck, dass alles genau passt. Er sieht zwar respektabel aus mit seinem so genannten Singleframe-Grill, wie ihn bislang nur das Top-Modell A8 mit Zwölfzylinder trägt. Aber die neue Front steht im auch sehr gut zu Gesicht. Ein Auto, das spontan gefällt und zugleich verkündet, wo Audi sich mit der neuen Generation des A6 sieht – ganz vorn nämlich in seiner Klasse.

Man hat keine großen Sprünge gemacht beim Design – knüpft konsequent an die schon bislang sehr puristische Linie an, die allerdings in vielen Details konsequent verfeinert wurde. Es ist schon überraschend, mit wie großer Detailliebe man an vielen Ecken und Kanten vorgegangen ist, wie man die Möglichkeiten nutzt, einwandfreie Laser-Schweißnähte herzustellen, die ohne jede Nachbearbeitung lackiert werden können. Wo immer man hinblickt, die Karosserie des neuen A6 ist hervorragend verarbeitet – so, wie man es von einem Spitzenmodell in dieser Klasse erwartet.

Er ist weiter gewachsen, der große Audi – hat in der Länge immerhin zwölf Zentimeter zugelegt und erreicht nun 4,92 Meter und in der Breite sind es fünf Zentimeter mehr geworden, so dass er nun 1,86 Meter misst. Und da die Höhe mit 1,46 Meter nahezu unverändert geblieben ist, wirkt er mit seinem flachen Fensterband und der coupéhaften Dachlinie sehr viel dynamischer als bisher - ein Auto, das Sportlichkeit verspricht. Und es bleibt nicht beim Versprechen allein. Denn der neue A6 gehört zu den sportlichsten Limousinen, die es in dieser Klasse gibt.

Denn unter der Motorhaube stehen fünf Motoren zur Wahl – drei Benziner und zwei moderne direkt einspritzende Turbodiesel, bei denen es sich durchweg um neu entwickelte Aggregate handelt, die so erstmals zum Einsatz kommen. Und schon das Basisaggregat, der 2,4-Liter-V6 mit 130 kW (177 PS) und einem höchsten Drehmoment von 230 Nm überzeugt mit seinem betont sportlichen Auftritt kombiniert mit einem seidenweichen Lauf, zu dem eine Ausgleichswelle beiträgt. 8,9 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 231 km/h, das sind respektable Werte. Neben dem Sechsgang-Schaltgetriebe, das Audi für den frontgetriebenen 2.4 zum Start anbietet, wird es ab Jahresmitte auch die immer wieder verblüffende stufenlose Multitronic geben – eine Automatik, bei der viele Fahrer gar nicht merken, dass die ihre Arbeit kontinuierlich verrichtet.

Der neue 2,4-Liter ist praktisch eine hubraumreduzierte Variante des völlig neu konstruierten 3,2-Liter-V6 – eines sehr kompakten und leichten Aluminiumaggregats mit variablen Ein- und Auslassnockenwellen, die mit Ketten angetrieben werden. Wichtigstes Merkmal dieses neuen Motors ist seine Benzin-Direkteinspritzung. Und mit einer Leistung von 188 kW (255 PS) lässt er den A6 binnen 6,9 Sekunden geradezu auf Tempo 100 fliegen und regelt bei Tempo 250 sanft ab. Mit 9,7 l/100 km liegt der Verbrauch für diese Leistungsklasse erfreulich niedrig. Er erhöht sich auch nur auf 10,9 l/100 km, wenn man den Direkteinspritzer mit einem Allradantrieb kombiniert. Und mit 7,1 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 ist der Quattro fast so flott wie der Fronttriebler.

Ist der Allradantrieb bei diesem Motor noch eine Option, so wird er beim Spitzenmodell, dem 4.2 V8, der 246 kW (335 PS) liefert und ein höchstes Drehmoment von 420 Nm bei 3500/min, zur Serienausstattung. Denn so viel Kraft bringt man optimal nur über vier Räder verlässlich auf die Straße. Das kann man betont sportlich tun, wenn man die Agilität dieses Motors ausreizt, der Tempo 100 bereits nach 6,1 Sekunden erreicht – das kann man aber auch sehr gelassen geschehen lassen, wobei es ein Freude ist, die souveräne Kraftentfaltung des V8 bei zügiger Autobahnfahrt zu genießen, bei der man schon nach kurzer Zeit so gut wie nichts mehr von seinen Arbeitsgeräuschen wahrnimmt.

Zu den überraschendsten Aggregaten im neuen A6 gehört allerdings der große 3.0-Liter-Turbodiesel. Schon seine Leistung von 165 kW (225 PS) bedeutet einen Sprung in eine ganz neue Klasse. Und mit seinem höchsten Drehmoment von 450 Nm zwischen 1400 und 3250/min bietet er über ein breites Drehzahlband mehr Anzugskraft als der V8. Kein Wunder, dass er mit gerade einmal 7,3 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 einen betont sportlichen Antritt hat und immer dann, wenn man während der Fahrt plötzlich einmal Kraft braucht, spontan da ist.

Ein Motor, der zwei meiner amerikanischen Kollegen in wahre Begeisterung versetzte. Der tritt ja kraftvoller an als der V8, meinten sie, als sie die Gelegenheit nutzten, diesen für die USA derzeit noch nicht vorgesehen und deshalb für sie auch nicht bereit gestellten Motor zu erproben, der zugleich viele Pluspunkte für seine Laufkultur und sein dezentes Geräuschniveau erhielt. Er würde in den Staaten ein wahrer Renner sein, meinten sie, könnte die dort noch bestehenden Vorurteile gegen Diesel in kürzester Zeit geradezu hinwegfegen.

Aber auch in Europa kann dieser Motor begeistern, der konsequent mit einem Allradantrieb kombiniert ist. Dank modernster Common-Rail-Technik mit besonders schnell schaltenden Piezo-Injektoren, die die exakte Zumessung minimaler Kraftstoffmengen erlauben, ist er mit 8,3 l/100 km nicht nur besonders sparsam, sondern erfüllt auch die Abgasnorm EU4 – und das sogar ohne Partikelfilter. Eine Meisterleistung der Audi-Motorenentwickler.

Es gibt noch viele Bereiche, wo die neue Generation des Audi A6 Pluspunkte sammelt. Beim Fahrwerk, mit dem man dieses Auto trotz seiner Größe sowohl sportlich als auch sicher bewegen kann, bei der zielgenauen Lenkung, bei der hohen aktiven und passiven Sicherheit, beim hochwertigen und ansprechenden Interieur und vor allem auch der leichten Bedienbarkeit. Denn mit dem Multi Media Interface MMI hat man alle Systeme des neuen A6 zuverlässig und sicher im Griff – ohne langes Lesen in Bedienungsanleitungen, denn es erklärt sich problemlos von selbst.

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