Schule : Sportlichkeit ganz groß geschrieben

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Von Ingo von Dahlern

Ein Saab, wie man ihn seit Jahren kennt, denkt man im ersten Augenblick. Denn dass er ein brandneues Modell ist, muss einem erst einmal gesagt werden. Dann sieht man etwas genauer hin und entdeckt, dass man es mit der neuen Generation des Saab 9-3 zu tun hat. Einem Auto, das mit seiner Optik alles andere als aufregend ist, aber für die als Premium-Marke unters GM-Dach gehörenden Schweden eine ihrer wichtigsten Neuentwicklungen – ein Auto, mit dem man sich in der Mittelklasse neu positionieren und mit einer betont sportlichen und dynamischen Limousine als Alternative etwa zum Audi A4, dem 3er von BMW oder dem Volvo S60 antreten will. Allerdings nicht mit spektakulärem oder gar modischem Design. Hier bleibt man lieber der gewohnten und bewährten Linie treu.

Denn die wahre Revolution beim neuen Saab 9-3 findet unterm Blech statt. Das spürt man bereits auf den ersten Kilometern am Steuer des neuen Modells, dass mit so überzeugenden Fahreigenschaften überrascht, dass man den alten Saab nicht mehr wiedererkennt. So handlich, so fahrsicher, so agil wie der neue 9-3 war noch keines der Autos aus Trollhättan – und das nicht nur in der Aero-Version mit ihrem Sportfahrwerk, sondern bereits in der Basisversion. Ein Auto, dass alles mitbringt um Fahrvergnügen zu bereiten, ein Auto, mit dem es eine Freude ist, zügig enge Landstraßenkurven zu umrunden, ein Auto aber auch, mit dem man komfortabel auf der Autobahn gleiten kann.

Sportive Dynamik serienmäßig – so hieß eine der Prioritäten bei der Entwicklung des neuen 9-3. Das verlangte nach einem entsprechenden Fahrwerk. Eine besondere Herausforderung für Chassis-Entwickler Ekkehard Schwarz. Vor einem knappen Jahrzehnt von BMW in den Norden gewandert, bot sich ihm mit dem Dreier ein geradezu ideales Vorbild. Und als es galt, auf der so genannten Epsilon-Plattform von GM nicht nur den neuen Opel Vectra sondern auch den neuen Saab 9-3 zu entwickeln, da setzte man von Beginn an auf Sportlichkeit und Dynamik – mit überzeugendem Erfolg, wie sowohl der neue Vectra als auch der neue Saab 9-3 bestätigen, die allerdings trotz gleicher Basis zwei durchaus eigenständige Autos sind, wobei der Saab eine etwas verkürzte Plattform verwendet.

Dennoch hat die neue Generation bei so gut wie identischer Länge, der 9-3 misst mit knapp 4,64 Meter gerade einmal vier Millimeter weniger als der Vorgänger, einem mit 2,68 Meter rund sieben Zentimeter längeren Radstand . Und der trägt in dem 1,76 Meter breiten und 1,47 Meter hohen Auto zu spürbar mehr Platz vor allem im Fond bei. Ein wenig knapper ausgefallen ist dagegen mit nun 425 Liter der Laderaum. Der ist zugleich erstmals beim 9-3 nur noch ein normaler Kofferraum, denn der neue 9-3 beendet die Ära der drei- und fünftürigen Fließheck-Modell mit großer Heckklappe, setzt stattdessen konsequent auf die viertürige Limousine, deren Silhouette allerdings unverkennbare Coupé-Akzente zeigt.

Wer auf den bequemen, nicht zu harten und sehr ordentlichen Seitenhalt gebenden Sitzen des 9-3 Platz nimmt und das Dreispeichen-Lenkrad in die Hand nimmt, spürt in diesem Auto auf den ersten Blick, dass er nur in einem Saab sitzen kann. Ob bei dem klar gegliederten funktionellen Cockpit, dem zu einem bartlosen Elektronikpaket mutierten Zündschlüssel, dessen ebenfalls elektronisches Zündschloss wie gewohnt seinen Platz in der Mittelkonsole hat oder den Anzeigeinstrumenten einschließlich Tachometer mit den ab Tempo 140 enger werden Abständen – die bekannte Saab-Linie wird hier in zeitgemäßer Form fortgeführt.

Und das, wie bei Saab üblich, nicht ohne die eine oder andere Innovation – zum Beispiel den überzeugend in die Mittelkonsole integrierten Handbremshebel. Neu ist auch das Informations-Display direkt unter der Windschutzscheibe in Augenhöhe, das Zeit, Außentemperatur, Radioeinstellungen, Alarmsignale und – zusätzlich zu den Angaben auf dem großen Display über der Mittelkonsole – auch die Richtungshinweise des Navigationssystems zeigt. Nicht in jedem Detail gelingt es Saab allerdings, stets die Wertanmutung eines Premium-Modells zu realisieren. Der eine oder andere Mangel bei der Verarbeitungsqualität dürfte eher der Tatsache zuzuschreiben sein, dass die erste Begegnung mit dem neuen 9-3 mit Vorserienmodellen stattfand.

Seine Antriebskraft erhält der sportive Fronttriebler entweder von einem neu entwickelten 2,0-Liter-Vierventil-Vierzylinder aus Aluminium, der dank dreier unterschiedlich ausgelegter Turbolader in drei Leistungsstufen antritt, oder durch den bereits bewährten aber gründlich modernisierten 2,2-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel mit Direkteinspritzung. Der macht in diesem Auto eine durchaus überzeugende Figur. Denn mit seinen 92 kW (125 PS) und einem zwischen 1500 und 3000/min verfügbaren höchsten Drehmoment von 280 Nm lässt der den neuen 9-3 binnen 11,0 Sekunden Tempo 100 und maximal 200 km/h erreichen – und das mit jederzeit unaufdringlichem Motorgeräusch und einem Durchschnittsverbrauch von nur 6,6 l/100 km.

Flotter voran geht es mit dem neu entwickelten Zweiliter-Turbomotor, mit den Saab bestätigt, dass seine Motorenentwickler mit voller Berechtigung zum Kompetenzzentrum von General Motors für Benzin-Turbomotoren ernannt wurden. Ihr Aluminium-Triebwerk mit Vierventiltechnik und zwei Ausgleichswellen steht in drei Leistungsstufen zur Wahl – als 1.8t mit 110 kW (150 PS) maximal mit 0,5 bar Ladedruck und 240 Nm bei 2500/min, als 2.0t mit 129 kW (175 PS) mit maximal 0,7 bar Ladedruck und 265 Nm bei 2500/min und als 2.0T mit 155 kW (210 PS) mit maximal 0,85 bar Ladedruck und 300 Nm bei 2500/min. Die höchste Leistung ist dem 9-3 Aero mit Sportfahrwerk vorbehalten, der mit neuem Sechsgang-Schaltgetriebe binnen 8,5 Sekunden Tempo 100 und maximal 235 km/h erreicht und damit die agilste Variante des neuen Saab 9-3 ist, die allerdings erst im nächsten Jahr auf den Markt kommt.

Doch mit 8,5 und 9,5 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 225 und 210 km/h sind auch die mit Fünfganggetriebe ausgestatteten schwächeren Varianten des Benziners alles andere als behäbig und werden dem sportiven Anspruch des neuen 9-3 durchaus gerecht. Mitverantwortlich für die überzeugende Leistungsentfaltung der Soft-Turbos ist die von Saab in eigener Regie entwickelte Motorsteuerung Trionic 8. Alle Benziner können wahlweise auch mit dem ebenfalls neu entwickelten Fünfgang-Automatikgetriebe Saab Sentronic ausgestattet werden, das auch über eine Schaltgasse für den manuellen Betrieb verfügt. Dabei hat man die Wahl, entweder mit dem Wählhebel oder über Schaltwippen vom Lenkrad aus zu schalten.

Autos von Saab sind immer auch besonders sichere Fahrzeuge. Das gilt sowohl für die aktive als auch die passive Sicherheit, und der neue 9-3 liegt hier voll in der Tradition der Schweden. So ist die leistungsstarke Bremsanlage mit vier Scheiben und – ebenfalls eine der für Saab typischen Innovationen – einem speziellen Staubschutz, der durch Schnee, Schlamm und Staub verschmutzte Bremssättel verhindert, mit einem ABS, elektronischer Bremskraftverteilung und erstmals auch einem Bremsassistenten ausgestattet. Außerdem sorgen eine Traktionskontrolle (TCS) und eine Bremsregelung für Kurvenfahrt (CBC: Cornering Brake Control) und schließlich die Fahrdynamikregelung ESP dafür, dass man das Fahrzeug selbst in extremen Situationen sicher im Griff behält.

Zu den Neuerungen im Bereich der passiven Sicherheit gehörten neben der besonders stabilen Limousinen-Karosserie mit sehr effektivem Seitenaufprallschutz aktive Kopfstützen der zweiten Generation, die rein mechanisch wirken und somit nach der Auslösung wieder in ihre Position zurückgehen und erneut einsatzbereit sind. Und als erster Saab hat der neue 9-3 neben Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern und zweistufigen Front-Airbags sowie Seitenairbags vorn auch Kopfairbags, die als Vorhang zwischen A- und C-Säule die Köpfe der Passagiere schützen.

Dank der vier Ausstattungslinien bietet Saab die Möglichkeit, sich sein Fahrzeug recht individuell zu gestalten. Dabei setzt die bereits sehr gut ausgestattete Basislinie Linear auf skandinavisches Unterstatement, während die Linie Arc mit Echtholzfurnier und Leder die luxuriöse Komponente betont und die Linie Vector mehr leistungsbetont und progressiv ist. Spitzenausstattung ist die sport- und leistungsbetonte Aero-Linie. Und wegweisend bei der Ausstattung des 9-3 ist auch der gesamte Infotainment- und Kommunikations-Bereich, wobei der umfassende Einsatz moderner Glasfasertechnik auch die Voraussetzungen schafft, den Saab 9-3 angesichts der schnelllebigen Elekronik-Produkte jederzeit mit neuester Technik nachzurüsten.

Ein Auto, das man unbedingt fahren muss, um seinen neuen Charakter zu erfassen. Damit allerdings muss man sich noch etwas gedulden, denn auf den Markt kommt er erst im September. Wer schon jetzt bestellen will, kann das für Preise zwischen 25 150 und 32 100 Euro aber bereits tun.

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