Sprachkurs in Berlin : Urlaub im Klassenzimmer

In den Ferien kommen Schüler aus aller Welt nach Berlin, um Deutsch zu lernen. Fünf sprachverliebte Jugendliche erzählen, warum.

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Es war wieder so heiß, dass die Schüler heute Film gucken durften. „Fack Ju Göthe!“ hat Kursleiterin Weien Chan gezeigt, auf Deutsch und ohne Untertitel. Für die rund 70 internationalen Sprachschüler, die im Wannseeforum des Goethe-Instituts wohnen und dort drei Wochen lang täglich vier Stunden Deutschunterricht erhalten, ist das zum größten Teil kein Problem. Die Schüler sind hier, um ihre Sprachkenntnisse auszubauen – und um Berlin zu erleben. „Sie haben meist sehr ambitionierte Eltern, die ihren Kindern eine umfassende Ausbildung ermöglichen“, sagt Chan. Auch wenn die 14- bis 17-Jährigen am Rand der Stadt untergebracht sind, gibt es etliche Ausflüge in die Stadt und ihre Umgebung. Fünf Jugendliche berichten – auf Deutsch natürlich – von ihren Erlebnissen.

Anton Zelinskii, 16, aus Russland

Anton Zelinskii Foto: Georg Moritz
Anton ZelinskiiFoto: Georg Moritz

Ich möchte ganz viele Fremdsprachen lernen, damit ich mich mit vielen Leuten aus aller Welt frei unterhalten kann. Ich komme aus Moskau. In Russland kann man zwischen Deutsch und Französisch wählen. Weil Deutschland das stärkste Land ist in Europa, habe ich mich für Deutsch entschieden. Inzwischen lerne ich es seit fünf Jahren in der Schule. Außerdem nehme ich Privatunterricht. Mit meiner Familie bin ich oft durch Deutschland gereist. Neben Berlin habe ich zum Beispiel Stuttgart, München und Dresden besucht. In Russland haben wir drei Monate Ferien: von Anfang Juni bis Ende August. Drei Wochen verbringe ich in Berlin. Hier gefallen mir die historischen Orte, der Bundestag, das Brandenburger Tor. Ich habe viele Freunde im Sprachkurs gefunden. Wenn wir nach Hause fliegen, können wir uns schreiben. Wenn ich wieder daheim bin, werde ich mit Freunden in der Umgebung von Moskau wandern gehen.

Julia Cocco, 16, aus USA

Julia Cocco Foto: Georg Moritz
Julia CoccoFoto: Georg Moritz

Es hat viel geregnet in Berlin, aber ich finde das toll. In meiner Heimatstadt Texas ist es sehr heiß, etwa 40 Grad. Hier ist alles grün, die Pflanzen leben, es gibt so viel Natur. Ich finde Deutsch ist eine tolle Sprache. Und ich beschäftige mich sehr gerne mit der deutschen Geschichte – ich weiß darüber mehr als über die amerikanische Geschichte. Seit fünf Jahren lerne ich Deutsch in der Schule. Dort habe ich im Lehrerzimmer oft ein Bild vom Checkpoint Charlie an der Wand gesehen: „You are leaving the American Sector“. Als ich vor vier Jahren mit meinem Vater zum ersten Mal in Berlin war, war es ein besonderer Moment, das in echt zu sehen. Es war lustig: Ich konnte mich entscheiden, ob ich die Schilder auf Deutsch oder auf Englisch lese. Inzwischen könnte ich es auch auf Deutsch verstehen. Nach meinem Kurs in Wannsee besuche ich noch einen Sprachkurs in Bernau. Nächstes Jahr nehme ich an einem Austauschprogramm teil und komme für einen Monat nach Berlin. Danach will ich hier studieren.

Dascha Zaitceva, 17, aus Russland

Dascha Zaitceva Foto: Georg Moritz
Dascha ZaitcevaFoto: Georg Moritz

Ich komme aus Pensa, einem Ort 500 Kilometer von Moskau. Deutsch lerne ich schon seit dreieinhalb Jahren in der Schule. Außerdem nehme ich Privatunterricht. Letztes Jahr habe ich einen Sprachkurs in München gemacht. Dieses Jahr mache ich zwei: Nach dem Kurs in Wannsee besuche ich einen Sprachkurs in Mitte. Dann kann ich viel shoppen gehen und auch bequemer das Museum besuchen. Ich war schon im Pergamon-Museum, im Luftwaffen-Museum und im Neuen Museum. Auf jeden Fall werde ich das Jüdische Museum besuchen. Später möchte ich in Berlin studieren. Die Stadt ist toll. Obwohl es so groß ist, gibt es nicht so viel Hektik wie zum Beispiel in Moskau. Deshalb ist mein liebster Ort der Tiergarten. Ich mag die Natur, man kann ein Buch mitnehmen und die Ruhe genießen.

Massimo Artusi, 17, aus Italien

Massimo Artusi Foto: Georg Moritz
Massimo ArtusiFoto: Georg Moritz

Zehn Jahre lang bin ich auf eine deutsche Schule in Rom gegangen. Dann habe ich drei Jahre überhaupt kein Deutsch gesprochen. Jetzt bin ich hier, um es zu verbessern. Mein Vater hat eine Wohnung in Mitte, am Alexanderplatz. Deshalb bin ich einmal im Jahr hier. Wie Rom ist es eine riesige Stadt. Jedes Mal besuche ich die Berliner Mauer an der Eastside Gallery. Ich liebe Graffiti und interessiere mich sehr für die deutsche Geschichte. Als wir das Stasimuseum besucht haben, dachte ich: Und das alles passierte noch vor 30 Jahren! Mitte kenne ich am besten und mag es deshalb am liebsten. Der Fernsehturm ist das Wahrzeichen für mich, ich habe auch einmal dort oben gegessen.

Nanna Sofie Vikjord, 17, aus Norwegen

Nanna Sofie Vikjord Foto: Georg Moritz
Nanna Sofie VikjordFoto: Georg Moritz

Mein Vater hat in Deutschland studiert. Wir haben noch viele deutsche Freunde. Wir besuchen sie einmal im Jahr und ich möchte gerne Deutsch mit ihnen sprechen. Mein Vater liest deutsche Zeitungen und Magazine, die bei uns herumliegen. Und es gibt so tolle deutsche Literatur. Die Sprache lerne ich seit fünf Jahren in der Schule.

Uns wird immer gesagt: Auf dem Arbeitsmarkt ist Deutsch so viel wert wie Englisch. Ich komme aus Asker, einem Vorort nahe Oslo. Wir haben zwei Monate Ferien – davon verbringe ich drei Wochen in Berlin. Den Sommerkurs habe ich zum Geburtstag bekommen. Am besten hat mir hier Kreuzberg gefallen, weil es so schön und alternativ ist. Besonders freue ich mich auf den Ausflug zum Fernsehturm am Alexanderplatz. Dann kann ich endlich Berlin von oben sehen.

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