Sprachmängel trotz Kita : Kaum Besserung in Sicht

Jedes sechste Kita-Kind hat massive Probleme mit der Sprache. Das ergab die aktuelle Sprachstandserhebung unter den Vierjährigen. Und nun wurde auch noch bekannt, dass die Befunde nicht an die Schulärzte weitergereicht werden dürfen.

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Trotz aller Investitionen in die Frühförderung spricht weiterhin fast jedes sechste Kita-Kind schlecht Deutsch. Der Anteil der Vierjährigen mit Förderbedarf ist nur leicht von 16,3 auf 15,8 Prozent gesunken. Dies ist das Ergebnis der diesjährigen Sprachstandsfeststellungen in den Kindertagesstätten. Unter den Kindern deutscher Herkunft sind es 8,6 Prozent, die sich nicht altersgemäß auf Deutsch artikulieren können. Das geht aus einer Kleinen Anfrage des SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck hervor.

Gegenüber den Vorjahren hat sich nur wenig verändert. Seit 2006 stagniert der Förderbedarf. Damals wie heute hat jedes dritte Kind ausländischer Herkunft und jedes zwölfte Kind deutscher Herkunft massive Defizite im Deutschen. Von ihnen hat mehr als die Hälfte über zwei Jahre lang eine Kita besucht. Dies lässt allerdings nur bedingt Rückschlüsse auf eine mangelnde Qualität der Kita zu. Denn bei einem Fünftel der Kinder mit Förderbedarf liegt eine Behinderung vor. Ein weiteres Drittel ist in logopädischer Behandlung. Dies bedeutet, dass dem Förderbedarf nicht unbedingt ein grammatikalisches oder ein Wortschatzproblem zugrunde liegt, sondern mitunter auch ein bestimmtes Krankheitsbild.

Mit Abstand die größten Sprachprobleme gibt es wie immer in den Brennpunktbezirken Neukölln (26,5 Prozent), Mitte (20,2) und Marzahn-Hellersdorf (19,9). Im letztgenannten Bezirk gibt es zwar nur einen geringen Migrantenanteil. Dass die Kinder dennoch so schlecht Deutsch sprechen, wird mit der sozialen Lage der Familien begründet. Am wenigsten Sprachprobleme haben die Kita-Kinder in Pankow (7,5 Prozent).

Langenbrinck hat mit seiner Anfrage auch auf ein bislang kaum bekanntes Problem aufmerksam gemacht: Aus datenschutzrechtlichen Gründen ist die Jugendverwaltung nicht befugt, die Ergebnisse der Sprachstandsfeststellungen an die Schulärzte weiterzugeben. Dies dürfe „nur mit Zustimmung der Eltern erfolgen“, schreibt Jugend-Staatssekretärin Sigrid Klebba (SPD) in der Antwort auf die Kleine Anfrage. Da die Behörde es für sinnvoll hält, wenn die Schulärzte Informationen über die Kita-Sprachtests erfahren, werden die Eltern gebeten, die Befunde von sich aus zur Einschulungsuntersuchung mitzubringen. Das scheitert allerdings meist daran, dass die Eltern die Papiere gar nicht zur Hand haben. sve

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