Schule : Sprungbrett für kreative Handwerker

An der Marcel-Breuer-Schule lernen künftige Tischler, Glaser und Produktdesigner

Katja GartzD
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Lehrlinge des schönen Scheins. An der Marcel-Breuer-Schule für Produktdesign (großes Foto rechts und links oben) entwerfen Azubis...

Der Klassenraum gleicht einem Künstleratelier. Der Boden ist mit Papier geschützt, Schüler schwingen Pinsel und Farbe und bemalen zwei große weiße Blöcke. Zu ihren Motiven zählen das Sand- und das Ampelmännchen aus Ost und West, Nutella und Nudossi, der Trabi und der Käfer. Die Blöcke symbolisieren Mauersteine – zweieinhalb Meter hoch, einen Meter breit. Zwei Klassen der Berufsausbildung „Technische Assistenten für Produktdesign“ beteiligen sich an einer Aktion zum Thema „20 Jahre Mauerfall“. Zwei Entwürfe werden am 9. November auf dem Mauerstreifen zu sehen sein.

Einer der angehenden Produktdesigner ist Daniel Albrecht. Er hat sich nach der zehnten Klasse gegen sein Gymnasium und für die Marcel-Breuer-Schule in Weißensee entschieden. „Hier lerne ich auf dem Weg zum Abitur Theorie und Praxis, die ich später gebrauchen kann“, sagt der 18-Jährige, der Grafikdesign studieren möchte. Die Schüler entwerfen Schuhe, Vasen, Transportsysteme für Notebooks sowie Alltagsgegenstände. Sie entwickeln Konzepte für Ausstellungen, Messen und Werbematerialien. Jedes Projekt beginnt mit einer Skizze, gefolgt von einem Modell, und schließt mit einer Präsentation ab. Durch Kooperationen mit der Fachhochschule in Potsdam und der Kunsthochschule Weißensee führen die Schüler ihre Projekte auch Studenten und wissenschaftlichen Mitarbeitern vor. „Das Feedback von außen bringt mehr als immer nur Noten zu bekommen“, sagt Schülerin Candy Ziensch, die nach ihrem Abschluss in einer Werbeagentur arbeiten möchte.

Seit 2003 bietet das Oberstufenzentrum (OSZ) für Holztechnik Glastechnik und Design, wie die Breuer-Schule ausführlich heißt, die Ausbildung für Produktdesign-Assistenten an. „Die Nachfrage ist groß“, berichtet Schulleiter Holger Sonntag. Vorausgesetzt werden mittlerer Schulabschluss oder Fachhochschulreife sowie ein bestandener Eingangstest und gestalterische Fähigkeiten.

Inhaltlich konzentriert sich die Ausbildung auf die Bereiche Gestaltung, Technik, Informationstechnologie, Design, allgemeinbildenden Unterricht und Betriebswirtschaftslehre. Vermittelt werden die Inhalte projektorientiert. So steht im ersten Ausbildungsjahr der Entwurf eines Holzproduktes auf dem Stundenplan.

„Bei uns müssen die Lehrer auch in die Rolle eines Chefs oder Ausbilders schlüpfen, um den Schülern klarzumachen, wie schnell manche Kundenwünsche in der Praxis erledigt sein wollen“, sagt der Schulleiter. In Schülerfirmen werden praktische Erfahrungen vermittelt, unternehmerisches Denken und Handeln. Teil der Ausbildung ist ein mehrwöchiges Betriebspraktikum, möglich ist auch ein Aufenthalt an der Partnerschule in Manchester. Durch den Praxisbezug, die Kontakte zur Wirtschaft und zu Fachhochschulen erhöhen die Absolventen zudem ihre Chancen bei Bewerbungen für einen Arbeits- oder Studienplatz.

Die Breuer-Schule bietet aber noch viel mehr: 100 Lehrkräfte unterrichten 2300 Schüler, die unter anderem die Berufe Tischler, Holzmechaniker, Glaser, Parkettleger, Bodenleger und Holzbearbeiter lernen. Katja Gartz

Kontakt: Marcel-Breuer-Schule, Gustav-Adolf-Straße 66, Tel. 912 052 175,

www.marcel-breuer-schule.de

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