Schule : SsangYong ist wieder da

Unter allen Motorhauben arbeiten mit Mercedes-Lizenz gebaute Triebwerke

Ingo von Dahlern

Im Jahr 1995 präsentierte sie sich zum ersten Mal auf dem deutschen Markt – die koreanische Marke mit dem eigenwilligen Namen SsangYong. Sie trat als kleiner Autobauer an, der sich mit hochwertigen Geländewagen profilierte, die unter der Motorhaube ausnahmslos Motoren trugen, die mit Mercedes-Lizenz gefertigt waren. Das kleine Unternehmen wuchs, baute 1996 rund 75 000 Autos und wollte es im Jahr 2000 auf 300 000 bringen. Doch es kam anders. Denn 1998 übernahm Daewoo bei SsangYong die Mehrheit. Als es bald darauf mit Daewoo abwärts ging, geriet auch SsangYong in diesen Strudel. Doch 2000 wurde das Unternehmen wieder unabhängig.

Und seitdem baut es seine Position als koreanischer Premium-Anbieter bei Geländefahrzeugen kontinuierlich aus und setzte sich in Korea bereits 2002 an die Spitze seines Segments. Mit einer Jahresproduktion von rund 170 000 in diesem Jahr hat SsangYong nun auch wieder ausreichend Kapazitäten für einen Export. Ein wichtiges Exportland ist dabei Deutschland, wo derzeit immer noch rund 5000 SsangYong aus der Phase des ersten Engagements auf den Straßen unterwegs sind – vornehmlich Musso und Korando. Schon im vergangenen Jahr gründete man die SsangYong Motor Deutschland GmbH. Und die wird nun zusehends aktiver. Kurzum, die Koreaner mit dem Mercedes-Herzen sind wieder da.

Eine besonders wichtige Rolle neben den etablierten Modellen Musso, den es neuerdings auch als geräumigen Pickup mit fünfsitziger Doppelkabine gibt, und Korando, der auch in einer Softtop-Variante verfügbar ist, spielt als neuestes Modell von SsangYong der Rexton. Der ist ein attraktiver 4,78 Meter langer Fünfsitzer mit 2,82 Meter Radstand, den es auf Wunsch auch siebensitzig gibt und der mit seinem breiten verchromten Grill und den Klarglas-Scheinwerfern sowie den kraftvollen Stoßfängern ausgesprochen europäisch wirkt. Kein Wunder, denn beim Design der Karosserie hat Giorgio Giugiaros Studio Italdesign tatkräftig mitgewirkt. So ist eine sehr ansprechende Karosserie mit klaren Linien entstanden. Das gilt auch für den Innenraum mit seinen übersichtlichen Instrumenten und den sinnvoll angeordneten Schaltern und Hebeln und die dort verarbeiteten Werkstoffe – einschließlich des Leders für die Sitze. Nur eines stört – die Holz-Imitation aus Plastik an Mittelkonsole und Türen. Und innen wie außen überzeugt der Rexton durch saubere Verarbeitung.

Es gibt eine Menge Platz in diesem Auto, dessen Innenraum dank der asymmetrisch geteilten Rückbank variabel ist. So lässt sich der Laderaum von 935 Liter auf bis zu 1524 Liter vergrößern. Und dank der weit oben angeschlagenen Heckklappe mit 1,90 Meter Stehhöhe kommt man auch bequem ans Ladegut heran. Das darf ruhig etwas schwerer sein, denn der Rexton darf bis zu 699 Kilo zuladen. Viel wichtiger für alle, die den Rexton als Zugfahrzeug einsetzen wollen, sind allerdings die 3500 Kilo Anhängelast gebremst. Denn so kann er auch größere Wohnanhänger oder Trailer bequem an den Haken nehmen – und die problemlos auch abseits befestigter Straßen bewegen, wo er seine professionellen Allradqualitäten ausspielen kann.

Drei Motoren stehen für den Rexton zur Wahl. Als Benziner gibt es den 3,2-l-V6 mit 162 kW (220 PS), der den Rexton RX 320 binnen 9,9 Sekunden Tempo 100 und maximal 182 km/h erreichen lässt. Ein seit vielen Jahren bewährtes Aggregat ist der 2,9-l-Fünfzylinder-Turbodiesel mit 88 kW (120 PS). Der macht den RX 290 recht flott, lässt ihn Tempo 100 binnen 16,4 Sekunden und maximal 157 km/h erreichen. Er ist ein sehr kultiviertes, sehr leises und anzugsstarkes Triebwerk, das durchschnittlich 9,3 beziehungsweise 11,3 l/100 km (mit Automatik) verbraucht.

Mit 8,6 und 9,4 l/100 km sparsamer ist das neueste Triebwerk für den Rexton, ein direkt einspritzender 2,7-l-Turbodiesel mit Common Rail, mit dem nun modernste Dieseltechnik bei SsangYong Einzug hält. Mit 120 kW (162 PS) und einem höchsten Drehmoment von 345 Nm bei nur 1850/min überzeugt der mit kraftvollem Antritt und hoher Elastizität und lässt den RX 270 Xdi binnen 13,2 Sekunden Tempo 100 und maximal 177 km/h erreichen. Ein flotter Reisewagen also, der trotz seines robusten Fahrwerks mit einzeln aufgehängten Rädern vorn und starrer Hinterachse überzeugenden Fahrkomfort auf ausgebauten Straßen bietet und der auch über die Fahrdynamikregelung ESP verfügt.

Bei der Kraftübertragung setzt der Rexton entweder auf einen zuschaltbaren Allradantrieb, mit dem während der Fahrt bis Tempo 70 der Vorderachsantrieb zum Hinterachsantrieb zugeschaltet werden kann, oder einen permanenten Allradantrieb beim Spitzenmodell RX 320 und auf Wunsch auch beim 270 Xd nach dem Prinzip „Tourque on Demand“. Bei dem variiert die Antriebskraftverteilung je nach Fahrsituation zwischen 95 : 5 und 50 : 50 auf Hinter- und Vorderachse. Und für beide Antriebskonzepte steht ein Untersetzungsgetriebe für schweres Gelände zur Verfügung.

Der Rexton gehört zu den besonders gut ausgestatteten Autos. Klimaautomatik und elektrisch einstellbare und einklappbare Außenspiegel sind ebenso wie vier elektrische Fensterheber, Zentralverriegelung mit Fernbedienung, Lederlenkrad, Nebelscheinwerfer und Dachreling sowie 16-Zoll-Räder Serienausstattung.

FAZIT

Umfangreich ausgestattete und sehr gut verarbeitete professionelle Allradler mit Mercedes-Motorentechnik und Dreijahresgarantie zu mehr als attraktiven Preisen, die bei 27 900 Euro (RX 290) und 29 800 Euro (RX 270 Xdi) beginnen.

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