Schule : Stahl oder Stoff?

Wer sich für ein Cabrio entscheidet, hat nicht nur die Auswahl unter vielen Automarken. Es gibt auch verschiedene Verdeck-Varianten, die jeweils ihre Vor- und Nachteile haben

Ingo von Dahlern

Bis vor knapp zehn Jahren musste man sich beim Autokauf definitiv entscheiden: Cabrio oder geschlossenes Auto. Doch mit dem Mercedes SLK wurde alles anders. Mit der Neuheit aus Stuttgart gab es erstmals ein Auto, das sowohl Coupé mit festem Stahldach als auch offener Roadster war. Gerade einmal 25 Sekunden dauerte die Verwandlung vom einen Fahrzeug ins andere.

Mercedes-Benz blieb nicht lange allein mit dem stählernen Variodach. Schon 1998 zeigte Peugeot in Genf eine Studie, die ein stabiles versenkbares Metalldach hatte, das sie in nur 16 Sekunden zum eleganten Cabrio machte. Als 206 CC wurde die Studie später erfolgreich.

Geschickt abgeschaut vom Variodach des SLK dachten damals viele. Doch Cabrios, die sich mit wenigen Handgriffen in eine Limousine mit stabilem Metalldach verwandeln lassen, sind eine Peugeot-Erfindung. Schon 1934 gab es den Peugeot 401 D Eclipse, dessen einteiliges Stahldach sich nach hinten versenken ließ und die Limousine zu einem Cabrio machte. Ihm folgte 1937 der Peugeot 402 Eclipse, von dem bis 1938 insgesamt 608 Exemplare gefertigt wurden.

Längst hat das moderne Variodach Karriere gemacht. Es findet sich mittlerweile auch bei Cadillac, Daihatsu, Lexus, Opel, Renault und Volvo und wird künftig bei vielen weiteren Marken auftauchen, denn es bietet gegenüber Stoffdächern einige Vorteile. Zu denen gehört zweifellos die ganz normale Limousinen- oder Coupéoptik der geschlossenen Varianten. Auch haben Langfinger, die Cabrioverdecke aufschlitzen, hier keine Chance. Ein stabiles Metalldach flattert bei flotter Fahrt nicht und bietet im Innenraum ein niedrigeres Geräuschniveau als ein normales Cabrioverdeck. Es braucht keine besondere Pflege und trägt geschlossen sehr viel zur Fahrzeugstabilität bei. Denn Autos ohne festes Dach neigen nun einmal dazu, sich stärker zu verwinden als geschlossene Fahrzeuge. Je verwindungssteifer ein Auto ist, desto besser ist aber seine Fahrstabilität.

Wer allerdings glaubt, damit sei das Ende der Autos mit Stoffdach besiegelt, irrt. Denn so verführerisch das Variodach auch ist – seine faszinierende Technik hat nicht nur Vorteile: Wie geschickt auch immer man es zusammenklappt – es braucht erheblich mehr Platz als die Stoffvariante. Das bedeutet in der Praxis kleinere Laderäume für die Cabrio-Coupés. Wer im Sommer mit ihnen offen fahren möchte, muss sich beim Reisegepäck bei vielen Modellen arg einschränken.

Das gilt allerdings auch für die meisten klassischen Roadster mit langer Motorhaube und kurzem Heck. Sie sind Autos, bei denen sich die Fahrer ganz bewusst zum Cabrio bekennen und dafür in Kauf nehmen, dass Autos mit leichten Stoffverdecken geschlossen sehr laut sein können, nicht diebstahlsicher und nicht uneingeschränkt wintertauglich sind – vor allem dann, wenn sie keine beheizbaren gläsernen Heckscheiben haben. Überdies ist bei vielen Roadstern die Sicht nach hinten gründlich eingeschränkt.

Großzügiger ist das Platzangebot bei viersitzigen Cabrios und solchen Modellen, die im Fond über Notsitze verfügen, die man auch gut als Stauraum nutzen kann. Wenn das Cabrioverdeck nicht in einem verschlossenen Verdeckkasten versenkt wird, sondern zum Teil offen hinten abgelegt wird, bleibt besonders viel Laderaum übrig. Allerdings muss man dafür bei vielen Modellen in Kauf nehmen, dass man eine Persenning übers Dach ziehen muss – das kostet Zeit und ist manchmal auch gar nicht so einfach. Bei einem plötzlichen Regenschauer ist man manchmal schneller nass, als das Dach geschlossen ist. Das gilt für viele mechanisch betätigte Dächer. Dagegen darf man bei den neuesten Cabrios von Porsche sogar mit bis zu Tempo 50 weiterfahren und kann das Dach trotzdem schließen oder auch öffnen – elektrisch, versteht sich.

Für welches „echte“ Cabriodach man sich auch immer entscheidet, es braucht grundsätzlich mehr Pflege als ein stählernes Variodach. Es altert schneller, verschleißt und hat mit zunehmendem Alter mitunter Dichtungsprobleme. Dafür allerdings sieht man solchen Autos auf den ersten Blick an, dass sie Cabrios sind – und mit modernen mehrschichtigen Dächern sind sie heute auch uneingeschränkt wintertauglich.

Klassisches Cabriodach oder Variodach sind aber nicht die einzigen Konstruktionen, mit denen man den Fahrtwind in Gesicht und Haar spüren kann. Eine Zwischenlösung sind so genannte Targadächer, die sich zwischen den Dachholmen öffnen – Porsche hat mehrere Targas gebaut. Einfachste Variante einer solchen Open-Air-Lösung sind breite Faltdächer, die elektrisch oder mechanisch bewegt werden – und unvergessen ist vielen bis heute das typische Rolldach der „Ente“. Auch herausnehmbare Dachhälften sind ein Weg, Licht und frische Luft ins Fahrzeuginnere zu holen.

Und selbst wer irgendwann bereut, dass er ein geschlossenes Auto gekauft hat, kann Abhilfe schaffen – ein Schiebedach bietet zwar nur eingeschränkten Freiluftspaß, lässt sich aber nachträglich einbauen.

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