Streit um Europaschule in Pankow : Kein Hilfspaket für Griechenland

Weil die Regelklassen in Pankow überfüllt sind, hat die Europaschule einen Aufnahmestopp und wird langfristig geschlossen. Die Eltern hoffen noch auf einen Aufschub.

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Dagegen. Dimitrios Kontopodis, Elternvertreter an der Homer-Schule.
Dagegen. Dimitrios Kontopodis, Elternvertreter an der Homer-Schule.Foto: Georg Moritz

Maria Wengert-Chalkiadaki und Dimitrios Kontopodis sind erstmal bedient. Die Europaschule in Pankow, also der griechische Zweig in der Homer-Grundschule, bleibt ein Auslaufmodell, neue Schüler werden nicht mehr angenommen. Die Lehrerin und der Ingenieur hatten gehofft, dass die Bezirksverordneten-Versammlung in ihrer jüngsten Sitzung einen Antrag der Linken und der CDU abnickt, die BVV solle sich für die Fortführung der Schule einsetzen. Stattdessen landet das Thema in einem Ausschuss. Das hat die SPD/Grüne-Mehrheit beschlossen.

Damit läuft Wengert-Chalkiadaki und Kontopodis die Zeit davon. Sie sind die Sprecher der Eltern-Initiative, die sich gegen die langfristige Schließung wehrt.

Der Kampf um die Europaschule ist einer dieser Konflikte, in der beide Seiten gute Argumente haben und auf ihnen beharren. Und deshalb kann es auch keinen Kompromiss geben, der beide Seiten zufrieden stellt. Wengert-Chalkiadaki und Kontopodis wollen eine Idee bewahren. „Die Kinder lernen hier nicht bloß Griechisch als Sprache, sie lernen auch die Kultur eines Landes, seine Besonderheit“, sagt die 37-jährige. „Es geht auch um das Zusammenleben von zwei Völkern. Um gegenseitiges Verständnis.“

Für Bezirksstadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz geht’s um Platz. Die Regelschulen in ihrem Bezirk platzen aus allen Nähten, sie muss dringend Schüler unterbringen. Die Europaschule ist ein Zusatzangebot, Kür also. Und Pflicht geht vor Kür, so sieht das die Politikerin. Deshalb soll die Homer-Schule zur reinen Regelschule werden. Außerdem gebe es ja noch eine Europaschule mit griechischem Zweig, die Athene-Schule in Lichterfelde. Und überhaupt: Die Europaschule habe zu wenig Kinder aus Pankow.

So begründet auch die Senats-Bildungsverwaltung das Auslaufmodell. Und erwähnt noch etwas. Wie viele Grundschulstandorte gibt es für den polnischen, türkischen und portugiesischen Zweig? Für ganz Berlin? Einen. Jeweils einen.

Ach was, Pankow. „Die Europaschule ist überregional“, sagt Kontopodis, „logisch, dass hier nicht bloß Kinder aus Pankow sind.“ Stimmt, sagt Uwe Blachnik, der Schulleiter, „die meisten kommen aus Mitte, Pankow und Marzahn-Hellerdorf“. Und alle haben griechische Wurzeln. „Wir nehmen zweisprachige Kinder auf“, sagt Blachnik. „Ziel ist es nicht, den kleinen Fabian aus Pankow zu uns zu schicken, damit er Griechisch lernt.“ Jahrelang lag die Zahl der Neuanmeldungen konstant bei 15 bis 20 Kinder. Mehr stünden im Einzugsbereich einfach nicht zur Verfügung, sagt Blachnik. „Wer sagt, mit zusätzlicher Werbung könne man mehr Schüler aus Pankow locken, versteht das Modell nicht.“ Rund 100 Kinder werden derzeit in der Europaschule unterrichtet.

Dann ist da ja auch noch die Sache mit der Informationspolitik. „Die hat unseren Zorn noch vergrößert“, sagt Chalkiadaki. Am 27. September 2013 wurde der Aufnahmestopp offiziell verkündet, nur drei Wochen später hätte die Anmeldefrist begonnen. „Überfallartig“, nennt das Kontopodis. Der Schulleiter sagt nur mühsam beherrscht, er habe die Entscheidung genauso kurzfristig erfahren wie die betroffenen Eltern.

Was sollten denn Eltern jetzt machen?, fragt Kontopodis. Kurzfristig umziehen, um näher bei der Athene-Schule zu sein? Oder das eigene Kind in einer Regelschule in Pankow oder Umgebung anmelden? Der 39-Jährige kennt eine Familie, die umzieht. Sein Sohn wird auch eingeschult, aber er und seine Frau werden bleiben, schweren Herzens. „Meine Frau hat hier ihre Wurzeln, sie will nicht weg.“ So empfänden auch andere Eltern.

Jetzt versuchen sie, wenigstens Zeit zu gewinnen. Ein Jahr, für die Suche nach einem Alternativstandort in benachbarten Bezirken. Aber Wengert-Chalkiadaki macht sich wenig vor, dieser Zeitgewinn wäre wohl ja doch bloß Symbolik. „In den anderen Bezirken“, seufzt sie, „fehlt’s doch auch an Platz.“ Frank Bachner

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