Streit um Gemeinschaftsschule in Reinickendorf : „Wir kämpfen weiter“

In Reinickendorf streiten zwei Schulen mit dem Bezirk um eine Fusion. Die Hannah-Höch-Grundschule will mit der Greenwich-Sekundarschule eine Gemeinschaftsschule werden.

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Die beiden Schulen, die in Reinickendorf zu einer Gemeinschaftsschule fusionieren wollen, geben nicht auf. Wie berichtet hatte die CDU vor zwei Monaten die Fusion der Hannah-Höch-Grundschule mit der Greenwich-Sekundarschule verhindert, weil der Bezirk kein Testfall für die „Einheitsschule“ sein wolle, so der CDU-Fraktionsvorsitzende Jürn Jakob Schultze-Berndt. „Wir stecken den Kopf nicht in den Sand“, sagt nun jedoch Suzann Hasse, Leiterin der Greenwich- Schule. „Wir werden weiter kämpfen.“

In den kommenden Wochen und Monaten plane man Aktionen wie Mahnwachen und Protestzüge. Sofern die politischen Bedingungen gegeben seien, wolle man den Gründungsantrag nächstes Jahr erneut stellen. „Falls es wieder nicht klappt, werden meine besten Lehrer an andere Gemeinschaftsschulen abwandern“, befürchtet Hasse. Bereits jetzt liegt wegen der verhinderten Gründung ein zukunftsträchtiges Projekt auf Eis.

So wollte das Reinickendorfer Unternehmen Freiberger, ein Hersteller für Tiefkühlpizza, eng mit der geplanten Gemeinschaftsschule zusammenarbeiten. „Wir haben allein am Standort Reinickendorf 700 Mitarbeiter, finden aber zu wenig qualifizierte Azubis“, sagt Geschäftsführer Helmut Morent. Deshalb habe man gemeinsam mit den beiden Schulen das Projekt „Bildung und Wirtschaft“ geplant – einen Bildungsverbund zwischen den Schulen und Unternehmen im Bezirk. Ziel sollte sein, die Kinder früh an Ausbildungsberufe heranzuführen – durch Praktika, Informationstage und gemeinsame Projekte. „Wir wollten von klein auf Chancen aufzeigen und Orientierung bieten – und wären unsererseits Verpflichtungen wie Lernpatenschaften eingegangen“, sagt Morent. Sogar eine Ausbildungsplatzgarantie für Absolventen der Schule sei angestrebt worden.

Das ist auch wegen der schwierigen Schülermischung im Märkischen Viertel besonders: An der Greenwich-Schule, einer früheren Hauptschule, kommen fast drei Viertel der Schüler aus Familien, die von Hartz IV leben. Durch das Konzept der Gemeinschaftsschule erhofften sich Schule und Unternehmen eine bessere Mischung. Weitere Unternehmen im Bezirk wie Kühne, Storck und die Gesobau hatten Morent zufolge bereits Interesse bekundet, in das Projekt einzusteigen.

Auch Bildungsstadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU) wusste von der geplanten Kooperation. Es bestehe jedoch „kein Zusammenhang zwischen Planungen der Schule, Gemeinschaftsschule zu werden, und der Kooperation, die die Schule mit Freiberger und anderen Unternehmen bereits geschlossen hat“, sagte sie dem Tagesspiegel auf Anfrage.

Das sehen Hasse und Morent anders: Zwar sei die Kooperation schon 2009 ins Leben gerufen worden. Man habe aber festgestellt, dass die Greenwich-Schüler „nicht das unterschiedliche Bildungsniveau haben, das die verschiedenen Ausbildungsberufe voraussetzen“. Eine Förderung der Kinder ab Klasse 7 sei zu spät, man wolle wesentlich früher damit beginnen und wünsche sich dafür eine Schule, „bei der wir die Kinder bereits ab Klasse 1 unterstützen und bis zum Abschluss begleiten können“. „Hier werden aus ideologischen Gründen Chancen verspielt“, ärgert sich Morent. Eine Änderung des Konzepts kommt für ihn nicht infrage: Mit beiden Schulen verstehe man sich wunderbar. Das Projekt liegt deshalb auf Eis.

Stadträtin Schultze-Berndt verfolgt derweil eigene Ansätze, Morent in Reinickendorf einzubeziehen: Kürzlich ging eine Mail bei ihm ein, in der die Stadträtin Spenden für die Reinickendorfer Sprach- und Lesetage einwerben wollte. Dass da nichts zu erwarten sei, sagt Morent, sei klar.

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