Strukturreform : Was sich an Berlins Schulen ändert

Viele Fusionen, wenig Schließungen: Jetzt steht fest, welche Schulen zu Sekundarschulen werden und welche Schulen fusionieren. 15 bisherige Hauptschulen bleiben ohne Partner.

Susanne Vieth-Entus
314191_0_e78af603.jpg
Im Wandel. Die Charlottenburger Oppenheim-Schule ist bisher eine von sechs "verbundenen Haupt- und Realschulen". -Foto: Thilo Rückeis

Berlins neue Schullandschaft nimmt Gestalt an: Nachdem alle Bezirke entschieden haben, wie sie die Strukturreform umsetzen wollen, steht nun fest, welche Schulen aus sich heraus zu Sekundarschulen werden und welche Schulen fusionieren. Neun Bezirke haben zudem bereits festgelegt, dass ihre Sekundarschulen 2010 starten. Spandau, Reinickendorf und Steglitz-Zehlendorf sehen noch „Abstimmungsbedarf“.

Aber auch in den anderen Bezirken ist die Informationslage für die Eltern noch schwierig: Lediglich Charlottenburg-Wilmersdorf hat schon eine Broschüre herausgegeben, die die neuen Sekundarschulen bereits berücksichtigt. Hier gibt es zudem eine zentrale Informationsveranstaltung für alle Sekundarschulen und die neue Gemeinschaftsschule (am 12.1., 19 Uhr, im Rathaus Wilmersdorf). Andere Bezirke wie Pankow haben die Sekundarschulen im Internet aufgelistet, manche bieten nicht einmal diesen Service.

Nach Recherchen des Tagesspiegel verändert sich das Schulangebot folgendermaßen: Von den rund 50 Gesamtschulen wird keine fusionieren und keine geschlossen. Für sie verändert sich nicht viel, sie können als Sekundarschulen aber kleinere Klassen aufmachen und das Sitzenbleiben ist nur noch auf Grundlage einer Vereinbarung mit den Eltern möglich. Von den rund 50 Realschulen bleibt über die Hälfte selbstständig oder fusioniert mit einer anderen Realschule. Knapp 20 Realschulen werden mit einer Hauptschule zusammengeschlossen.

Die größten Probleme sehen die Fachleute bei den rund 15 Hauptschulen, die aus sich heraus ohne Fusion zu einer Sekundarschule werden sollen: „Die Kollegen befürchten, dass nur wenige Eltern ihre Kinder an einem bisherigen Hauptschulstandort anmelden werden“, berichtet der GEW-Vizevorsitzende Norbert Gundacker, der die GEW-Fachgruppe Hauptschulen leitet. Denn auch wenn die Bezeichnung geändert werde, bleibe doch der Ruf als Hauptschule bestehen.

Auch die Bildungsverwaltung weiß, dass es „eine ungleich größere Herausforderung“ ist, einem Hauptschulstandort als Sekundarschule Akzeptanz zu verschaffen als einer bestehenden Gesamtschule. Die Kollegen erhielten aber eine „besonders intensive Fortbildung“ und zudem bekämen Sekundarschulen mit hohem Migrantenanteil mehr Personal, betont der Sprecher von Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), Jens Stiller. Im Übrigen entschieden aber die Bezirke diese Standort- und Fusionsfragen.

Zu den Bezirken, die Hauptschulen einfach zu Sekundarschulen „umlabeln“, gehören Pankow und Reinickendorf. Deren Bildungsstadträtinnen lehnen Fusionen ab, weil sie aufgrund hoher Schülerzahlen keinen Standort aufgeben könnten.

Charlottenburg-Wilmersdorfs Bildungsstadtrat Reinhard Naumann (SPD) hat anders entschieden: Eine Hauptschule wurde bereits geschlossen, die andere wird mit zwei starken Realschulen fusioniert, „denn wir wollen Ernst damit machen, die Hauptschule als Restschule abzuschaffen“. Ein bloßes Auswechseln der Türschilder lehne er ab. Die Strukturreform soll am 14. Januar im Parlament beschlossen werden.

Künftige Siebtklässler müssen zwischen dem 1. und 12. März für die weiterführenden Schulen angemeldet werden. Für einige Schulen mit besonderen Angeboten gilt die vorgezogene Frist vom 8. bis 17. Februar.

Weitere Informationen über die neue Schulform und das Prozedere der Anmeldung im Internet: www.berlin.de/sen/bwf

0 Kommentare

Neuester Kommentar