Studienanfänger : Wer an die Uni will

Die Abiturientenzahl steigt stärker als die Erstsemesterzahl. Dass es nicht mehr Studienanfänger gibt, hat unterschiedliche Ursachen.

Tilmann Warnecke
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Wie eng wird es in Deutschlands Hörsälen? Die Meldungen über die Entwicklung der Studienanfängerzahlen sind widersprüchlich: Einerseits konnten die Berliner Hochschulen gerade erst einen neuen Bewerbungsrekord verkünden. Andererseits hieß es gestern, dass im Vergleich zu vor fünf Jahren weniger Abiturienten ein Studium aufnehmen.

Tatsächlich steigt die Zahl der Abiturienten in Deutschland seit 2003 kontinuierlich. 369 000 machten 2003 Abitur, im vergangenen Jahr waren es laut ersten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes bereits 432 500. Jährlich sind es etwa 20 000 Schülerinnen und Schüler mehr, die eine Hochschulzugangsberechtigung erwerben (siehe Grafik).

Allerdings nahmen längst nicht alle Abiturienten ein Studium auf. Bis 2006 verlief die Kurve bei den Studienanfängern sogar entgegengesetzt zu der der Abiturienten – immer weniger Schulabgänger wechselten auf eine Hochschule. Erst im vergangenen Jahr kehrte sich der Trend um, die Erstsemesterzahlen stiegen leicht auf 358 000. Das entspricht aber noch nicht dem Niveau von 2003. Der Anstieg der Anfängerzahlen letztes Jahr konnte zudem nicht mit dem der Abiturienten mithalten. Während es im Vergleich zum Vorjahr 27 000 Abiturienten mehr gab, nahmen nur 13 000 mehr ein Studium auf.

Woran liegt es, dass die Zahl der Erstsemester nicht stark wächst, obwohl die Schulen mehr Abiturienten entlassen? Mehrere Ursachen spielen eine Rolle.

Die Bundesländer bauen zu wenig Studienplätze auf. Mit dem Hochschulpakt wollen Bund und Länder eigentlich den kommenden Studentenberg angehen. Die „dpa“ meldete gestern allerdings, dass statt der für 2007 verabredeten zusätzlichen 13 000 Plätze bundesweit nur 2500 Plätze geschaffen wurden.

Immer mehr Hochschulen führen einen Numerus Clausus ein.
Bundesweit ist inzwischen die Hälfte der Studiengänge zulassungsbeschränkt. Wie in Berlin kommen auch anderswo nicht alle Bewerber zum Zuge. Um ihre Chancen zu erhöhen, bewerben sich viele Abiturienten mehrfach – was dazu führt, dass Hochschulen auch immer wieder Absagen von Bewerbern erhalten, die sich schließlich doch für eine andere Uni entscheiden. Nicht immer schaffen es Unis, frei werdende Plätze nachzubesetzen.

Die Studierneigung der Abiturienten steigt nicht. Laut des Hochschul-Informationssystems (HIS) wächst die Lust der Abiturienten auf ein Studium nicht. 2007 sagten 68 Prozent des Abijahrgangs, sie wollten studieren. 2006 waren es 69 Prozent.

Gebühren könnten abschrecken. 26 Prozent der Studierunwilligen sagten, sie könnten sich die Uni wegen Studiengebühren nicht leisten. Länder mit Gebühren verzeichneten weniger Erstsemester als die ohne. Tilmann Warnecke

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