Studium : Der Bachelor als Bürde

Wie anspruchsvoll darf das Bachelorstudium sein? Aus Sicht von Studierenden der Freien Universität ist die Arbeitsbelastung am Fachbereich Wirtschaftswissenschaften zu groß.

60 Prozent der Bachelor-Studierenden an der Freien Universität seien bereits mit ihrem Studium im Rückstand, schätzt Lars Kubina, der Vorsitzende des studentischen Fachschaftsrats. Die Studierenden müssten 60 bis 70 Stunden pro Woche für ihr Studium aufwenden. „Das ist kaum zu schaffen“, sagt Kubina. Zu viele Inhalte des alten Diplom-Studiums seien in den Bachelor übernommen worden. Auch seien die Prüfungen oft zu schwer. Viele Studierende könnten die verlangten fünf Klausuren am Semesterende nicht bewältigen, sondern nur vier. Das verlängere aber das Studium – was die Chancen der Absolventen auf dem Arbeitsmarkt verschlechtern werde.

Ein schnelles Studium werde auch durch weitere Regelungen behindert. Am Semesterende durch eine Klausur Gefallene dürfen den zweiten Versuch nicht sofort am Anfang des neuen Semesters unternehmen, wie es an anderen Fachbereichen üblich sei, sondern erst am Ende des nächsten Semesters. Wer am Tag der Prüfung krank war, muss sogar ein Jahr warten, bis das Seminar mit der regulären Prüfung wieder angeboten wird. Denn Atteste akzeptiert das Prüfungsamt nicht.

Lutz Kruschwitz, der Vorsitzende des Prüfungsausschusses des Fachbereichs, sagte auf Anfrage, auch er beobachte, dass viele Studierende nur an drei und nicht wie vorgesehen an fünf Klausuren pro Semester teilnähmen. Doch sei die Arbeitsbelastung für die Studierenden nicht zu hoch. Der „workload“ sei mit 8,25 Stunden pro Tag zu bewältigen. Ein Großteil der Studierenden jobbe aber – nicht immer aus Not, sondern um sich einen hohen Lebensstandard leisten zu können. Die Professoren der FU wollten jedenfalls keinen „Billig-Bachelor“ auflegen, der dem Vergleich mit konkurrierenden Hochschulen nicht standhalten könnte. Ärztliche Atteste könnten nicht als Grund akzeptiert werden, an der Nachschreibeklausur teilzunehmen, weil angesichts der absehbaren „Attestflut“ der ohnehin große Verwaltungsaufwand im Bachelor noch zunehmen würde. Allerdings wolle sich der Fachbereich darum bemühen, die Nachschreibeklausuren bereits am Semesterbeginn anzubieten. Bisher scheitere das an fehlenden Räumen. (akü)

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