Schule : Stur geradeaus schafft nur Probleme

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DER SICHERHEITSTIPP

In manchen Straßen ist es eng – da gibt es schnell Probleme mit dem Gegenverkehr. Oft kann der Verkehr nur fließen, wenn der Lenker in einem von zwei Fahrzeugen, die sich begegnen, wartet oder sogar ganz bewusst in eine Lücke fährt, so dass der entgegen kommende Fahrer passieren kann. Und gerade in diesen Tagen, in denen Schnee und Eis die Straßen manchmal noch enger werden lassen, ist solches Warten noch öfter nötig, als unter ganz normalen Verkehrsbedingungen.

Doch viele, die in solchen Situationen Rücksicht zeigen, werden immer wieder enttäuscht. Dadurch nämlich, dass die Autofahrer, denen man den Weg frei macht, nicht die geringsten Anstalten machen, sich wenigstens mit einem kurzen freundlichen Blick oder einer kurzen Handbewegung dafür zu bedanken. Da wird, den Blick stur geradeaus gerichtet, einfach vorbei gefahren, als gebe es den Fahrer, der den Weg frei gemacht hat, nicht. Verständlich, dass sich mancher, der freundlich wartet, missachtet fühlt – und das nächste Mal vielleicht nicht wieder wartet. Denn auch ein Mindestmaß an Höflichkeit gehört nun einmal dazu, dass der Verkehr auf unseren oft stark belasteten Straßen überhaupt fließen kann.

Der stur geradeaus gerichtete Blick so vieler Autofahrer ist einer der Gründe für so viele Probleme im Straßenverkehr, die sich mit ein wenig mehr Kommunikation meist ganz einfach regeln ließen. Denn wenn Verkehr auch seine feste Regeln braucht, auf die man sich als Verkehrsteilnehmer verlassen können muss – es gibt immer wieder Situationen, in denen die Regeln allein nicht weiter helfen. Etwa dann, wenn ein Autofahrer sich aus einer Ausfahrt kommend in den fließenden Verkehr einreihen will. Gibt ihm in den endlosen Fahrzeugschlangen auf der Straße hier niemand eine Chance, dann kann er grau werden. Allerdings muss er auch den Blickkontakt suchen. Denn es ist natürlich ärgerlich, wenn man einem anderen Autofahrer gegen die Regeln Platz macht und der das stur geradeaus blickend nicht wahr nimmt.

Ständiger Blickkontakt, Mitdenken mit den anderen Autofahrern, die Fähigkeit, Verkehrssituationen auch dann, wenn sie etwas schwieriger sind, richtig einzuschätzen – das ist für einen problemlos fließenden Verkehr ebenso wichtig oder gar noch wichtiger als die Beherrschung von Gas-, Kupplungs- und Bremspedal. Und hier liegt auch das Geheimnis dafür, dass der in manchen Städten des Südens oder Metropolen wie Paris auf den ersten Blick chaotisch erscheinende Verkehr trotz extremer Verkehrsdichte immer noch fließt.

Dann erkennt man nämlich mit einem Blick, dass man manche schwierige Situation entschärfen kann, wenn man nur ein paar Zentimeter weiter fährt oder das Lenkrad etwas weiter einschlägt, weil dann ein besonders unglücklich stehendes Fahrzeug aus dieser Lage heraus kommt. Dichter Straßenverkehr ist ein sehr kompliziertes Miteinander, das nur funktioniert, wenn man das erkennt und akzeptiert. Mit ein paar Blicken und der einen oder anderen freundlichen Handbewegung lässt sich verblüffend viel regeln – aber das setzt eben voraus, dass man weiß, dass man nicht allein unterwegs ist und konsequent nur geradeaus schaut, sondern permanent kommuniziert – das Ergebnis ist immer wieder überraschend. ivd

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